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Kölner AprilscherzeTierische Retter, Kölsch-Brunnen, Funken-Fusion – Zu schön, um wahr zu sein

Lesezeit 5 Minuten
Der neue Feuerwehr-Kollege meldet sich zum Dienst.

Jungelefant Taro als Feuerwehranwärter – zumindest an diesem 1. April.

Der 1. April ist traditionell der Tag der Scherzkekse und Spaßvögel – auch in Köln. Eine Auswahl der besten Aprilscherze vom gestrigen Tag.

Zugegeben, in Zeiten von „alternativen Fakten“ oder gezielter Desinformation können Aprilscherze schon mal nach hinten losgehen. Die Wahrheit genießt einen höheren Stellenwert denn je. Was aber anlässlich des traditionellen Spaßtags der Redaktion zugesandt wurde – in der Hoffnung, all das für bare Münze zu erachten und zu verbreiten – wollen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ausgewählt nicht vorenthalten. Vieles ist nämlich zu schön, um wahr zu sein.

„Blind Gate“ am Flughafen

Angelehnt an den Titel der Markenkampagne „Ich flieb's“ von Eurowings, wurde die neue „Click & Connect und Fliebs Seats-Option“ präsentiert.

Neuer Single-Treff „Blind-Gate“ am Flughafen?

Am Köln-Bonner Flughafen lag zumindest am Dienstag „Fliebe“ in der Luft. Angelehnt an den Titel der Markenkampagne „Ich flieb's“ von Eurowings, wurde die neue „Click & Connect und Fliebs Seats-Option“ präsentiert. Das klingt erst mal gar nicht abgehoben, sondern jung und modern. Und welcher Single hätte keine Lust, vor dem dem Abflug sich mit Gleichgesinnten in der neuen Bar „Blind-Gate“ zu treffen und zu schauen, ob die Chemie stimmt? Bevor man gemeinsam abhebt, zahlt Eurowings die ersten zwei Drinks.

„So entfällt zumindest die Frage, wer zahlt“, wirbt die Airline, die so für „Flugzeuge im Bauch sorgen will“. Angelehnt an den Song von Herbert Grönemeyer war jedoch nirgendwo „Schatten im Blick“ oder das „Lachen gemalt“ – auch intern hätten sich viele Mitarbeitende weggeschmissen, nachdem sie auf den Scherz reingefallen waren. Wie Flughafen-Sprecher Lukas Weinberger weiter mitteilte, hätten sich auch schon einige Singles bei den Kollegen von Eurowings gemeldet, die manchmal mehr als nur „April, April“ sagen mussten.

Tierische Retter

Der neue Feuerwehr-Kollege meldet sich zum Dienst.

Der neue Feuerwehr-Kollege meldet sich zum Dienst.

Daniel Richmann hätte auch Schauspieler statt Branddirektor werden können. Er formuliert in einem Video stoisch ruhig im typischen Beamtendeutsch, warum die Kölner Berufsfeuerwehr zukünftig mit dem Kölner Zoo kooperiert. So hat der Abteilungsleiter der neuen „Fachgruppe Ortung“ im Rahmen der „strategischen Fähigkeitsanalyse“ festgestellt, „dass die Feuerwehr eine Fähigkeitslücke besitzt. Bei der Personensuche in stehendem Gewässern werden zukünftig Seelöwen des Zoos im Einsatzfall die Feuerwehr unterstützen. „Dank ihres feinen Gehörs und ihrer schnellen Reaktionsfähigkeit helfen sie uns, Menschen in Notlagen aufzuspüren – selbst dort, wo Technik an ihre Grenzen stößt“, heißt es in dem Beitrag weiter.

Zoo-Vorstand Christopher Landsberg flunkert ebenso, dass sich die Balken im Gehege biegen: Dies sei ein „großer Beitrag zur Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung. Wenn der Versuch erfolgreich ist, werden wir vielleicht auch unsere Seelöwen der Feuerwehr im Umland anbieten.“ Damit nicht genug: Jungelefant Taro ist neuer Feuerwehrsanwärter, wird derzeit ausgebildet und soll eines Tages die Fähigkeitslücke in der Löschwasserversorgung schließen. Sie ahnen es: So ein Elefanten-Rüssel ist mindestens so gut wie ein C-Rohr.

Funken-Fusion im Karneval

Blau-rote-Funken-Uniformen dürften ein Hirngespinst bleiben.

Blau-rote-Funken-Uniformen dürften ein Hirngespinst bleiben.

Sollte es Karnevalisten geben, die bis heute nicht die Abspaltung jener Stadtsoldaten von den Roten Funken im Jahr 1870 verwunden haben, die sich fortan Blaue Funken nannten – dann ist diese Nachricht ein Traum: Beide Traditionskorps fusionieren, kündigen die Blauen Funken auf ihrem Instagram-Kanal an. „Was jahrzehntelang undenkbar schien, wird aber der kommenden Session Realität: In unzähligen Gesprächen, vielen Kölsch und noch mehr Kamelle wurde beschlossen, künftig gemeinsame Wege zu gehen“, heißt es in einer Mitteilung.

Aus zwei stolzen Traditionskorps werde ein Zeichen für Zusammenhalt, Toleranz und kölsche Herzlichkeit. Ein durch KI fusionierter Jeck präsentiert die rot-weiß-blaue Uniform – und wirkt darin sehr frankophil. Vive la Funk! Auch die Kölner Klutengarde von 1908 stehe für das Verbindende, sagt Präsident Max Schumacher.

Aber mit folgender Ankündigung würde er sich an allen anderen Tagen des Jahres den Zorn des Kuckelkorn auf sich ziehen. So aber lacht auch Kölns Festkomitee-Präsident über die Ankündigung der Gesellschaft, zukünftig eine Mitgliedschaft im Comitee Düsseldorfer Karneval anzustreben. Hintergrund der Entscheidung sei die organisatorische Trennung in Köln: Vereine müssen sich zwischen einer Teilnahme am Schull- un Veedelszoch, organisiert von den Freunden und Förderern des Kölnischen Brauchtums, oder dem Rosenmontagszug, organisiert vom Festkomitee Kölner Karneval entscheiden. Nur dieser Satz ist tatsächlich wahr.

KVB-Ruhetag

07.02.2025 Köln. Aufgrund des Warnstreiks im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV-Warnstreik) fahren ganztägig weder Busse noch Stadtbahnen der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Breslauer Platz. Foto: Alexander Schwaiger

Unser Foto zeigt die Streik-bedingt leere Haltestelle Breslauer Platz – die FDP stellt sich in ihrem Aprilscherz einen wöchentlichen KVB-Ruhetag vor (Archivbild)

Dass bei den Kölner Liberalen gerne so mancher Scherzkeks gebacken wird, ist spätestens seit der Ära Ralph Sterck/Ulrich Breite bekannt. Jetzt fordert Sterck-Nachfolger, FDP-Fraktionschef Volker Görzel ab Mai einen wöchentlichen KVB-Ruhetag. „Die Menschen hetzen von A nach B – nur um dort festzustellen, dass die KVB wieder zwölf Minuten Verspätung hat oder gar nicht kommt. Wir möchten dieser kollektiven Enttäuschung Raum geben – und zwar in Form eines Tages völliger Ruhe im Nahverkehr“, so Görzel mit Blick auf die angespannte Lage bei den Verkehrsbetrieben. Geplant sei, jeden Mittwoch zum „Multimodalen Besinnungstag“ zu erklären.

„Fahrgäste sollen an diesem Tag kreativ werden: ob Leih-Liegerad, Stand-up-Paddle auf dem Rhein oder einfach mal wieder gemeinsam spazieren – alles ist möglich“, heißt es weiter. Der ÖPNV-Ruhetag sei ursprünglich in Kopenhagen eingeführt worden – eine Spitze gegen den politischen Gegner, allen voran die Grünen, die bei der Verkehrswende in der Vergangenheit allzugern auf die dänische Hauptstadt verwiesen haben. Görzel weiter: „Was in Kopenhagen klappt, kriegen wir auch in Köln locker hin. Damit schlagen wir fünf Fliegen mit einer Klappe: Mehr gesunde Bewegung. Mehr Entschleunigung. Mehr weniger Fahrplanausfall. Mehr öffentlicher Freiraum. Mehr Kopenhagen in Köln.“

Sprudelnder Kölsch-Brunnen

Kölsch-Aprilscherz auf dem Alter Markt.

Kölsch-Aprilscherz auf dem Alter Markt.

Wenn die Projektleiterin schon „A. Priel“ heißt, ist Vorsicht geboten. Doch wer chronisch unterhopft stets auf der Suche nach einem Kölsch ist, wird sich gefreut haben, als er bei Radio Köln diese Nachricht vernahm: Immer dienstags und samstags wird am Jan-von Werth-Brunnen am Alter Markt für jeweils eine Stunde ein Kölsch vom Brunnen gezapft und kostenlos verteilt. „Wir wollen wieder mehr Menschen in die Altstadt holen“, wird Projektleiterin A. Priel zitiert. Sie ist übrigens von der „Kölner Gesellschaft für Brauchtum in modernen Zeiten“. Natürlich gibt es die überhaupt nicht – im Gegensatz zum Reiterkorps Jan von Werth. Die Karnevalsgesellschaft feiert in diesem Jahr bekanntlich ihr 100-jähriges Bestehen und war ganz angetan vom Aprilscherz, wie Radio-Köln-Moderator Ralf Düker mitteilt.

Die Idee sei in einer Redaktionskonferenz entstanden, als es um die Brunnen-Saison gegangen sei, die am 1. April wieder gestartet ist. Gestern Nachmittag stieg dann die Spannung am Alter Markt, wo Liedermacher Björn Heuser mit einem Köbes „Drink doch ene met“ anstimmte. Wie viele Kölnerinnen und Kölner mit Kölsch-Durst wollten ernsthaft auf den 1. April anstoßen? Das Ergebnis wird all diejenigen beruhigen, die schon immer am Verstand des Menschenschlags am Rhein gezweifelt haben: Keiner hat wirklich an den Kölsch-Brunnen geglaubt – naja, sagen wir: fast keiner.