Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Kölner Stimmen der SolidaritätMahnwache für inhaftierte Bürgermeister in der Türkei

Lesezeit 2 Minuten
Mahnwache für inhaftierte Bürgermeister in der Türkei

Die Mahnwache war gegründet worden, als der Kölner Sozialwissenschaftler Adil Demirci 2018 in der Türkei inhaftiert wurde. Sie existiert bis heute.

Auch in Köln protestieren Menschen dagegen, dass der türkische Präsident Erdogan mit der Inhaftierung seiner stärksten Gegner die Demokratie weiter aushöhlt. 

Hunderttausende demonstrieren in der Türkei gegen die Festnahme des Bürgermeisters von Istanbul, Ekrem Imamoglu. In Köln sind es am späten Mittwochnachmittag nur wenige, die sich auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt haben – bei der 132. Mahnwache der „Stimmen der Solidarität“ spricht unter anderen Adil Demirci. Wegen ihm hatte sich die Mahnwache gegründet, nachdem der Kölner Sozialwissenschaftler im April 2018 während eines Besuchs in der Türkei festgenommen und inhaftiert worden war. Demirci kam nach zehn Monaten Haft frei.

Auch die Demonstrierenden in der Türkei verteidigen die Freiheit Europas. Wir dürfen sie nicht allein lassen
Adil Demirci, Kölner Sozialwissenschaftler und ehemals politischer Gefangener in der Türkei

„Seit der Verhaftung des Istanbuler Oberbürgermeisters Imamoglu hat die Repression gegenüber Oppositionellen zugenommen. Mehr als 1800 Menschen sind bislang verhaftet worden, darunter 14 Journalisten“, sagte Adil Demirci. Viele inhaftierte Studenten und Jugendliche säßen „unter schlechten Bedingungen in Einzelhaft. Mit unserer Mahnwache möchten wir den Betroffenen unsere Solidarität ausdrücken und ein öffentliches Zeichen setzen, dass wir als Zivilgesellschaft im Ausland nicht hinnehmen, wie Erdogan in der Türkei rechtswidrig seine politischen Gegner aus dem Weg räumt“ – und damit womöglich die Demokratie endgültig kippt. Die Demonstrierenden in der Türkei seien „unglaublich mutig“, sagt Demirci. „Auch sie verteidigen die Freiheit Europas. Wir dürfen sie nicht allein lassen.“

Die Demonstranten vor dem Dom wenden sich auch gegen die Inhaftierung 50 weiterer Bürgermeister in der Türkei sowie Angestellter der Istanbuler Stadtverwaltung. Mit Plakaten weisen sie auf andere im Gefängnis sitzende politische Gegner Erdogans hin, darunter prominente wie Selahattin Demirtas, den ehemaligen Co-Vorsitzenden der prokurdischen HDP, Unternehmer und Menschenrechtsaktivist Osman Kavala, aber auch in Deutschland unbekannte Politiker wie den ehemaligen Oberbürgermeister von Diyarbakir, Adnan Selcuk Mizrakli (inhaftiert seit 2019) und den seit 2016 inhaftierten Bekir Kaya, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Van.

Adil Demirci hat im Jahr 2022 den Dokumentarfilm „Gefängnis oder Exil – abgesetzte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Exil“ produziert.  Darin werden willkürliche Repressionen gegen ausgewählte Politiker und die pro-kurdische HDP in der Türkei thematisiert.