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Orientierungslose AbiturientenKölner Start-Up bietet ehrenamtlich professionelles Coaching

Lesezeit 2 Minuten
Zwei Menschen im weißen T-Shirt vor Kölner Kulisse.

Kai Böttcher und Christina Arndt von Perspektiven Macher.

Immer mehr Jugendliche wissen am Ende der Schulzeit nicht, welchen Weg sie einschlagen sollen. Durch Corona sind es noch mehr geworden.

„Das Beratungsdefizit durch Corona ist riesig“, konstatiert Mercé Alvaro. Die Oberstufenlehrerin am Georg-Büchner-Gymnasium hat festgestellt, dass sich sehr viele Abiturienten und angehende Abiturienten unsicher fühlen, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollen. Es sei vorher schon schwierig gewesen, unter 20.000 Studiengängen und 326 verschiedenen Ausbildungsberufen seinen Weg zu finden. Aber der jetzigen Schülergeneration fehlten durch die Schulschließungen erschwerend auch so wichtige Dinge wie Berufsorientierung und Praktika, die weggefallen seien.

„Völlige Orientierungslosigkeit“, mache sie bei vielen aus. Gleichzeitig machen sich die Schülerinnen und Schüler ihrer Beobachtung nach „riesigen Druck“, weil sie meinen, gegen Ende der Schulzeit wissen zu müssen, was sie mal machen wollen. Daher hat sie gleich zugegriffen, als das neue Kölner Start-Up „Perspektiven Macher“, dem Gymnasium einen interaktiven Workshop angeboten hat. In der gemeinnützigen Initiative unterstützen seit diesem Frühjahr erfahrene Coaches junge Menschen ehrenamtlich in der Berufsfindung. Das Coaching-Angebot richtet sich sowohl an angehende Abiturientinnen und Abiturienten als auch an Auszubildende oder Studienanfänger. Und zwar nicht nur – wie jetzt in der Schule als Gruppe – sondern auch in Form von kostenlosen Einzelcoachings.

Zwölf Coaches bieten ihre Arbeit an

„Der Grund dafür ist, dass auch wir in unserem Umfeld gemerkt haben, wie groß der Bedarf nach Beratung ist“, erläutert Gründer Kai Böttcher, selbst Personalberater. „Das Symptom der Orientierungslosigkeit war auch schon vor Corona spürbar, aber es hat sich massiv verstärkt“, ergänzt Christina Arndt, die bei „Perspektiven Macher“ als eine von derzeit zwölf Coaches tätig ist. Das Bedürfnis sei groß, den eigenen Weg klarer zu sehen. Die Besonderheit ist, dass die zwölf ausgebildeten Coaches selbst im unternehmerischen Kontext arbeiten. Das Start-Up suche bundesweit noch weitere Coaches und Trainer, „die ehrenamtlich etwas an die Gemeinschaft zurückgeben wollen“, so Böttcher.

Das kostenlose Angebot funktioniert nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Unabhängig von den Workshops gibt es kostenlose Einzelcoachings für Schüler, Azubis und Studenten. In der Regel sind maximal drei Mal zwei Stunden Coaching vorgesehen. Dabei geht es nicht um eine Prozessbegleitung, sondern um Entscheidungsimpulse, so Arndt. „Viele Jugendliche brauchen einen Sparringspartner, der gezielte Fragen stelle und helfe, herauszufinden, welcher Typ ich bin und was mich interessiert.“

Für die Schülerinnen und Schüler sei der Workshop als erster Schritt wichtig gewesen, um herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen und was dem einzelnen im Leben wichtig sei, bilanziert Lehrerin Alvaro hinterher. Das gebe mehr Gelassenheit und Selbstsicherheit. Wer mag, könne nun darauf aufbauend noch ein Einzelcoaching über die Perspektiven Macher vereinbaren, um konkreter zu werden.

www.perspektivenmacher.de