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Gesund alternTroisdorfer Ex-Weltmeister im Ironman (87) über Sport im Alter

Lesezeit 3 Minuten
28.01.2025, Köln: Serie Gesund Altern: Triathlet Georg von Schrader (87) Foto: Arton Krasniqi

Georg von Schrader (87) war vor zwölf Jahren Weltmeister im Ironman-Triathlon auf Hawaii. Heute ist er froh, dass er noch Rad fahren und laufen kann.

Georg von Schrader ist noch mit 84 beim Köln-Triathlon gestartet. Inzwischen muss er kürzertreten. Und bewegt sich weiter.

Mit 75 Jahren stand Georg von Schrader im sportlichen Zenit: Damals, im Herbst 2012, gewann er die Altersklassen-Weltmeisterschaft der 75-79-Jährigen im Ironman-Triathlon auf Hawaii. Ein halbes Jahr später brach er sich bei einem Radunfall auf Fuerteventura 16 Knochen – und rappelte sich mühsam wieder hoch. Mit 79 versuchte er, sich in der Altersklasse der 80- bis 85-Jährigen Ironman-Sportler (3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer laufen) für die WM zu qualifizieren – und kam in Maastricht eine Minute zu spät ins Ziel.

Heute geht es nicht mehr um Wettkämpfe, sondern nur noch darum, mich überhaupt zu bewegen
Georg von Schrader (87), Ex-Weltmeister im Ironman-Triathlon

„Die Grenzen sind mit den Jahren immer enger geworden“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht beim Treffen in Köln. „Heute geht es nicht mehr um Wettkämpfe, sondern nur noch darum, mich überhaupt zu bewegen.“ Er ist mit dem Rad aus Troisdorf gekommen und hat sich etwas verfahren, „weil mir das Gedächtnis jetzt manchmal ein Schnippchen schlägt“, sagt er. Aber: „Ich wollte es eben.“ Da die Distanz Troisdorf-Köln für ihn „früher keine Distanz“ gewesen sei, hat er keine Radflasche dabei. „Der Körper altert schneller, als man sich das vorstellen möchte“, sagt er lächelnd.

Gesundheit? Hat früher an zweiter Stelle gestanden, sagt Georg von Schrader. „Als Leistungssportler zieht man immer Gemüse und Obst Fleisch und Süßigkeiten vor.“ Dass er mit 87 noch mit dem Rennrad von Troisdorf nach Köln fahren kann – „geht natürlich nur, weil ich früher sehr viel Sport gemacht habe“. Aber auch das sei inzwischen eine Grenze.

Georg von Schrader ist ein harter Hund. Er hat schon einen Ironman trotz Riss eines Muskelbündels im Oberschenkel beendet. Bei seinem Wettkampf in Maastricht hat er trotz mehrerer Stürze und einer Kopfverletzung gefinisht. „Der Ausdauersport war immer meine Art des Ausdrucks – ähnlich wie Sisyphos habe ich versucht, den Stein immer wieder hochzurollen“, sagt er.

Köln-Triathlon vor drei Jahren als letzter Wettkampf

Vor dreieinhalb Jahren hat Georg von Schrader seinen letzten größeren Wettkampf bestritten – ein Freund hatte ihn gefragt, ob er kurzfristig seinen Startplatz beim Köln-Triathlon haben wollte. Von Schrader sagte zu, die Mitteldistanz zu absolvieren – 1,9 Kilometer schwimmen, 81,2 Kilometer radfahren, 19 Kilometer laufen. Mit 84 Jahren. „Es war, sehr, sehr schwer“, erinnert sich der heute 87-Jährige. Im Ziel bekam er einen Blumenstrauß, die Menschen jubelten ihm zu. „Ich wusste gar nicht, warum, ich hatte es ja kaum geschafft.“ Was er aber gewusst habe: „Dass das mein letzter Wettkampf dieser Art war.“

Längst gehe es darum, dass „Bewegung überhaupt noch möglich ist“. Schon aufzustehen, falle ihm an vielen Tagen schwer. „Das Alter anzunehmen und zu akzeptieren, dass die Widerstände gegen Bewegung größer werden, ist eine Herausforderung“, sagt er. Er wolle sie einstweilen weiter überwinden: Zweimal pro Woche – mittwochs um 7 Uhr und samstags um 8 Uhr, geht er mit einem 25 Jahre jüngeren Freund – einem ehemaligen Schüler aus seiner Zeit als Lehrer – joggen. Knapp acht Kilometer lang ist die Runde, „es geht nicht ums Tempo, sondern ums Laufen“. Im Sommer schwimmt er im Baggersee. Wenn ihn jemand einlädt, zum Kaffee oder zum Interview, nimmt er das Rad.

Ohne Bewegung könne er sich sein Leben nicht vorstellen, hatte Georg von Schrader in einem Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor acht Jahren gesagt. „Das ist so geblieben. Nur Wettkämpfe werden es nicht mehr sein.“