Zu den Besonderheiten der Bar am Hauptbahnhof gehört, dass sie alle zwei Jahre von Künstlern neu gestaltet wird.
Barkolumne SchönTrinkenDie Kölner „Kunstbar“ ist immer eine Überraschung

Ob Klassiker oder Eigenkreation: In der „Kunstbar“ werden verschiedenste Cocktails gemixt.
Copyright: Eva Reik
Auf der Karte sind natürlich einige Drinks gelistet. Das ist erwartbar bei einer Bar. Cocktails mit Alkohol, Klassiker, eigene Kreationen, ohne Alkohol, Longdrinks. Das Beste aber ist, man tippt nicht einen heraus, sondern wählt die Empfehlung vom Barchef. Denn bevor David Heidkamp Gläser mit farbigen und hochprozentigen Mischungen serviert, läuft er zu Hochform auf. „Was mögt ihr? Darf es süß, kräftig, eher mit Rum, lieber mit Vodka, sauer oder bitter sein? Und wie bitter ist zu bitter?“ Das checkt der Mann alles, obwohl sich am meterlangen Tresen die Gäste tummeln und auch seine Kollegen dahinter mit Rühren und Schütteln gut ausgelastet sind. Der 35-Jährige, man erkennt ihn an Jackett, Einstecktuch und Brosche am Revers, ist der perfekte Gastgeber.
Gäste im Alter von 18 bis 80 Jahren
Die kleine Runde an der niedrigen Sitzgruppe, Gelsenkirchener Barock gepolstert, aber vom Graffiti-Künstler Marcus Krips angenehm verschönert, stellt sich also am Freitagabend mit diversen Extrawünschen auf längere Wartezeiten ein. Aber die Drinks bringt Heidkamp prompt, serviert von süß bis ultra-bitter und trifft jeden Geschmack zu hundert Prozent. Er bringt Cocktails wie „Pornstar Martini“ und „Campari Sour“, auch ein Glas, das er „Hey, du Granate“ nennt, mit kleinen, auf den Geschmack abgestimmten Abwandlungen. Das ist künstlerischer Freistil, der hier aber ohnehin großgeschrieben und vom Campi-Clan zelebriert wird.
Als der Gastronom Paolo Campi in nächster Nachbarschaft noch den „Alten Wartesaal“ betrieb und sich im Zuge der Neugestaltung der Treppe zum Dom dieser absurd lange, wie hohe und in einer eher finsteren Ecke liegende Raum auftat, übernahm Campi diesen und eröffnete 2008 die „Kunstbar“. Seither hat sich am Konzept nicht allzu viel geändert, auch wenn Paolo mehr oder weniger nur noch beratend im Hintergrund agiert. Er übergab die Bar mit Club-Vibes – Tanzen ist sehr erwünscht – an seine Kinder Anna und Matteo, sein Schwiegersohn David Heidkamp fungiert als Geschäftsführer.

Die Cocktails in der Kunstbar kosten zwischen acht und 14 Euro.
Copyright: Eva Reik
Die „Kunstbar“ gibt es also schon ziemlich lange, sie unterliegt aber dem ständigen Wandel. Es sind Künstler, die die Gestaltung übernehmen, und im Schnitt alle zwei Jahre die Wände und das Interieur gestalten. Jetzt, und die letzten Jahre sieht es ziemlich wild und bunt aus, ein paar Graffitis von Marcus Krips sind noch zu sehen, vor wenigen Wochen erst hat der Installationskünstler Emil Adam den vorderen Teil neugestaltet: mit Smilys und Plüschtieren. Wild und bunt.
Aber es gab auch Jahre, in denen eine ruhige Ästhetik den Raum füllte, etwa mit Schwarz-Weiß-Abzügen des Kölner Fotografen Chargesheimer. „Auch wenn Matteo für die Gestaltung zuständig ist, kuratieren wir gemeinsam“, sagt Heidkamp.
Das Gemeinsame und die Gemeinsamkeit liegen Heidkamp und dem kleinen Team ohnehin am Herzen. Wenn man sich umschaut, fällt einem beim besten Willen nicht ein, woher die Gäste kommen. Es ist eine wilde Mischung im Alter von 18 bis 80, viele Messebesucher auf dem Weg nach hause, Philharmonie-Besucher nach dem Konzert, Ankommende am Bahnhof, ein paar Einheimische, müde Raver in den Morgenstunden.
„Zum Bahnhof geht der Kölner ja nicht freiwillig, aber manchmal muss er halt eben“, fasst Heidkamp, der von einem Gast auch mal als „der Concierge Kölns“ bezeichnet wurde, die bunte Schar zusammen. Wenn man Glück hat, sorgen die DJ‘s für guten Sound, eine Mischung aus House und Jazz, wenn man Pech hat, übernimmt die Firmenfeier im hinteren Teil des Betonschlauchs das DJ-Set. Die „Kunstbar“ ist eben immer eine Überraschung.