Michael Frings führt seit circa 40 Jahren seine Logopädiepraxis am Sachsenring. Nun muss er bis zum 1. Juli raus und findet keine neuen Räume.
Seit 40 Jahren vor OrtLogopädie-Praxis in Kölner Südstadt sucht vergeblich nach neuen Räumen

Michael Frings führt ein Logopädiepraxis in der Kölner Südstadt
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Seit knapp drei Monaten sucht Michael Frings nach neuen Räumen für seine Logopädiepraxis in der Kölner Südstadt. Langsam verzweifelt der Sprachtherapeut an der Suche: „Es gibt einfach keine Räume, die ich mieten kann“, sagt er, „entweder sind sie viel zu riesig oder viel zu teuer“.
Dabei sei Frings sehr flexibel, wie die Praxis aussehen soll. Ob reine Praxisräume oder mit Wohnfläche, sei ihm prinzipiell egal. Wohnräume dürfen nur zu 50 Prozent in gewerbliche Räume umgewandelt werden, das würde Frings in Kauf nehmen. Auch einen befristeten Vertrag könnte er sich vorstellen. Prinzipiell suche er nach zwei bis vier Räumen bis 100 Quadratmeter groß.

Raum der Logopädie-Praxis in der Kölner Südstadt
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Eigentlich hat er also keine hohen Ansprüche und ist anpassungsfähig. Allerdings sei nicht verhandelbar, dass er mit seiner Praxis in der Südstadt bleibt. Der Grund dafür sind seine Kundschaft. „80 Prozent meiner Patientinnen und Patienten sind Kinder, die in der Südstadt wohnen“, erklärt er, „sie können nach dem Kindergarten oder der Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu mir fahren. Wenn die Praxis in ein anderes Veedel umziehen würde, wäre das nicht mehr möglich“.
Köln-Innenstadt: Bedarf für Logopädie in Südstadt und ganz Köln hoch
Ähnlich sei es bei älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung, die gegebenenfalls gar nicht mit der Straßenbahn fahren können, weil diese häufig nicht barrierefrei ist. Außerdem gebe es außer seiner Praxis nur wenige weitere Praxen für Sprachtherapie, dabei sei der Bedarf sehr hoch. In der Südstadt leben viele junge Familien, zudem haben Kinder laut Frings immer mehr Entwicklungsprobleme und es gebe noch einen Rückstau aus der Coronazeit.
„Wir haben unsere Warteliste schon geschlossen“, erzählt Frings, „im Moment stehen da 45 Menschen drauf, die bis zu zwei Jahre warten müssen“. Wenn seine Praxis in der Südstadt wegfallen würde, müssten diese Leute sich neu auf andere Wartelisten setzen lassen und nochmal schlimmstenfalls zwei weitere Jahre warten. „Man kann Kinder nicht jahrelang auf eine Behandlung warten lassen“, sagt Frings mit Nachdruck.
Er möchte deshalb auf jeden Fall sicherstellen, dass er in der Südstadt bleibt. Er fühlt eine Verantwortung für seine Patientinnen und Patienten. Seit circa 40 Jahren führt er schon die Praxis am Sachsenring 1. Er hat vier Mitarbeitende, eine in Vollzeit und drei in Teilzeit. Sie bilden ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen akademische Sprachtherapie, Klinische Linguistik, Logopädie, Neurolinguistik sowie Pädagogik und verfügen über Zusatzqualifikationen.
Krankenkassenzulassung macht Raumsuche schwieriger
Nicht alle von ihnen müssen in die Räume. Einige machen hauptsächlich Hausbesuche, beispielsweise in Altenheimen, doch sie brauchen einen festen Krankenkassensitz. Denn die Praxis Frings betreut sowohl Privat- als auch Kassenpatientinnen und -patienten. Diese Kassenzulassung sei Frings sehr wichtig. „Sprache und Kommunikation sind die Essenz des sozialen Miteinanders“, sagt er, „Sie sind die Basis für berufliche und soziale Weiterentwicklung und das muss allen ermöglicht werden“.
Doch gerade die Krankenkassenzulassung erschwere Michael Frings die Suche nach neuen Räumen noch mehr. „Es ist vorgegeben, dass ein Raum mindestens 20 Quadratmeter groß sein muss, das ist bei vielen Räumen ein großes Problem“, sagt Frings.
Außerdem dürfte er zwar eine Praxis mit anderen Gesundheitsanbietern führen, was er sich auch vorstellen könnte, aber nicht mit Arztpraxen zusammen. Das untersagt das Sozialgesetzbuch. Auch die Therapie in Schulen, Kindergärten oder soziale Einrichtungen zu verlagern sei nicht möglich, da die Krankenkasse eine feste Adresse voraussetzt.
Michael Frings sucht also verzweifelt weiter. Bis zum 1. Juli hat er dafür noch Zeit. Für jeden Hinweis sei er dankbar: „Es wäre wirklich auf vielen Ebenen schlimm, wenn wir keine Räume finden und schlimmstenfalls ganz schließen müssten“.