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KündigungKölner Verein muss Heinrich-Lob-Haus verlassen – Stadt benötigt Räumlichkeiten

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Das Heinrich-Lob-Haus an der Kupfergasse 33 im Stadtteil Urbach.

Das Heinrich-Lob-Haus an der Kupfergasse 33 im Stadtteil Urbach.

Die Stadt kündigt dem MGV Urbach. Der soll aus dem Heinrich-Lob-Haus an der Kupfergasse raus. Das hat Auswirkungen auf das Veedel.

Der Männer-Gesang-Verein (MGV) Urbach soll aus dem Heinrich-Lob-Haus an der Kupfergasse 33 raus. Die Gebäudewirtschaft hat dem Verein zum 30. Juni dieses Jahres gekündigt. Die Räume werden für die Schulerweiterung benötigt. Für die Mitglieder des MGV ein Schock, dienen die Räume im Erdgeschoss den Sängern doch nicht nur als Proberaum, sondern auch als Treffpunkt. Getreu dem Leitmotto des Vereins: „Wo man singt, da laß Dich ruhig nieder.“ Auch nutzen andere Vereine die Räumlichkeiten. Dies ist durch eine Mitgliedschaft im MGV möglich.

Eine Kündigung treffe also nicht nur den MGV, sondern auch andere Vereine im Veedel, so der Vorsitzende Helmut Simon und der Ehrenvorsitzende Hermann-Josef Schlimbach. Bei einem Treffen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Sanae Abdi, dem SPD-Ratsmitglied Pascal Pütz sowie CDU-Bezirksvertreter Anton Neuberger und anderen Vereinsmitgliedern, haben sie auf die besondere Rolle des Heinrich-Lob-Hauses als Treffpunkt im Veedel hingewiesen.

Streit um Heinrich-Lob-Haus: Stadt kündigt Leihvertrag

Auch auf die Historie sind sie eingegangen. So hätten die Mitglieder des MGV auf dem ehemaligen städtischen Bauhof in mehreren abgestimmten Bauabschnitten mit über 400.000 DM und viel Eigenleistung das Heinrich-Lob-Haus errichtet. Für den gab es einen Leih- beziehungsweise Erbvertrag aus dem Jahr 1990. Um einen Schulneubau zu ermöglichen, wurde das Gebäude abgerissen. Auf Kosten der Stadt wurde der MGV vorübergehend im Schützenhaus untergebracht.

Der MGV sei an den Planungen des neuen Komplexes beteiligt, erzählen Simon und Schlimbach. Auch hier habe der Verein Geld reingesteckt. 16.000 Euro seien investiert worden. Auch wurden die Bedingungen im Leihvertrag aktualisiert. Unter anderem wurde festgeschrieben, dass die Räume nur an Mitglieder des MGV überlassen werden können. Über ein Mitglied läuft auch die Tanzwerkstatt, die im Heinrich-Lob-Haus trainiert.

Der Männer-Gesang-Verein (MGV) Urbach soll aus dem Heinrich-Lob-Haus raus.

Der Männer-Gesang-Verein (MGV) Urbach soll aus dem Heinrich-Lob-Haus raus.

Das hatte die Stadt als Untervermietung und somit einen Vertragsbruch gesehen. Deswegen war sogar von einer fristlosen Kündigung die Rede. „Das ist aber durch die Mitgliedschaft im MGV möglich“, hält Schlimbach dagegen. Und sein Vereinskollege Simon hatte dies der Gebäudewirtschaft auch so mitgeteilt. Die hat dann in einem Schreiben, das wie andere Schreiben und Verträge auch, der Redaktion vorliegen, mitgeteilt, dass die außerordentliche Kündigung nicht zurückgenommen wurde und der MGV zur Rückgabe der Flächen verpflichtet sei.

Politische Unterstützung für MGV: Parteien fordern Räumlichkeiten

Falls aufseiten des MGV „eine hiervon abweichende Rechtsauffassung herrscht, kündigt die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln hiermit vorsorglich noch einmal den Leihvertrag fristgemäß zum 30. Juni 2025“. Auch hatte die Gebäudewirtschaft Verstöße im Brandschutz gesehen. So seien im Treppenraum sogenannte Brandlasten wie Mülltonne, Reinigungsgeräte und anderes abgestellt worden. Die hat der MGV entfernt und gleichzeitig kritisiert, warum eine Begehung nicht mit Vertretern des Vereins stattgefunden hat.

Auch weist der Verein darauf hin, dass er seine Räumlichkeiten immer wieder der Grundschule zur Verfügung gestellt hat. Die Zusammenarbeit mit allen zuständigen Stellen der Stadt und der Leitung der KGS Kupfergasse verlaufe seit Jahren „vertrauensvoll“, betont der Vorsitzende Helmut Simon im Schriftverkehr mit der Stadt und hofft auf eine Lösung in Zusammenarbeit mit der Politik.

Bei dem Treffen verständigten sich Vertreterinnen und Vertreter von CDU und SPD, das Thema gemeinsam anzugehen. Zusammen mit den Grünen bringen sie einen Antrag in die Sitzung der Bezirksvertretung Porz am Donnerstag, 30. Januar, ein.

Mit dem Antrag wollen die Parteien die Stadt auffordern, dem MGV Urbach sowie weiteren Vereinen im Veedel Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, damit weiterhin Brauchtum und Ehrenamt möglich ist.

„Die Förderung des Gemeinsinns, die Freizeitbeschäftigung und auch Zusammenführung von alleinstehenden Menschen stellen wichtige Elemente für eine gute und tragfähige Gesellschaft dar und sollen durch diesen Beschluss geschützt werden“, heißt es in dem Antrag. Die antragstellenden Parteien betonen, dass Vereinsleben nicht zweit- oder drittrangig ist, „sondern eine wichtige Säule für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und deren Entwicklung“.