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Falsche Abrechnungen, defekte AufzügeBeschwerden an neuer Verwaltung im Wohnpark Bayenthal

Lesezeit 4 Minuten
Ein Mann zeigt auf einen defekten Aufzug.

Karl-Heinz Theißen ärgert sich, weil die Aufzüge in seinem Haus oft und lange defekt sind. Derzeit tut es nur ein Aufzug von vieren, und der ist für Rettungseinsätze zu klein.

Der Wohnpark Bayenthal, einst Vorzeige-Anlage, sieht sich nach mehrfachen Eigentümer- und Verwaltungswechseln mit zunehmenden Mieterbeschwerden konfrontiert.

„Es unglaublich, aber die neue Verwaltung ist noch schlimmer als die vorherige. Da scheint keiner zu wissen, was er tut“, ärgert sich Karl-Heinz Theißen. Der 79-Jährige lebt seit rund 50 Jahren im Wohnpark Bayenthal. Schon mehrfach beschwerten sich Mieter des Wohnparks in den vergangenen Jahren über ihre Vermieter beziehungsweise über die eingesetzten Verwaltungsfirmen.

Die Eigentümer des Wohnparks mit 623 Wohnungen sind Fondgesellschaften mit Sitz in Luxemburg. Seit Juli 2024 ist die Firma Wertgrund Immobilien mit Hauptsitz in München mit der Verwaltung der Anlage betraut. „Die Sprechstunden im Mieterbüro wurden halbiert, und geholfen wird einem da auch nicht“, meint Theißen. Bei einer Hotline könne man anrufen, sein Anliegen äußern, aber dann passiere weiter nichts. Auf Mails werde selten geantwortet, sagt auch Manfred Grimm, ebenfalls Mieter im Wohnpark.

Der Wohnpark Bayenthal

Der Wohnpark Bayenthal

Mahnungen und falsche Abrechnungen

Viele Mieter hätten Mahnungen erhalten, wegen nicht bezahlter Mieten „Wir alle haben natürlich die Belege, dass wir gezahlt haben“, sagt Theißen. Auch die Betriebskostenabrechnung für 2023, die Ende Dezember in den Briefkästen lag, sei falsch, sagt Grimm, von Beruf Jurist. „Viele Mieter wollen die Abrechnung prüfen und verlangen Einsicht in die Belege, was ihr Recht ist. Aber die Belege haben wir bisher noch nicht zu sehen bekommen“, so Grimm.

Stattdessen sei Ende Februar eine korrigierte Abrechnung gekommen. „Die ist auch falsch und vor allem rechtlich gegenstandslos, weil sie nach der zulässigen Frist gekommen ist“, erklärt Grimm. Auf Anfrage dieser Zeitung informiert Wertgrund, selbstverständlich werde den Mietern Einsicht in die Unterlagen gewährt, hierzu würden in den nächsten Tagen individuelle Termine vereinbart.

Kaputte Aufzüge

Ein großes Ärgernis seien die Aufzüge im Wohnpark, schimpft Theißen. „Die sind immer wieder kaputt, und dann dauert es ewig, bis sie repariert werden. In unserem Haus in der Krohstraße 2 waren vor einiger Zeit eine Woche lang alle vier Aufzüge kaputt. Jetzt tut es wieder einer, aber der ist nicht für Krankentransporte geeignet“, berichtet er. Das mache ihm und vielen anderen älteren Nachbarn in dem 20-stöckigen Haus Sorge.

Seit Jahren sei im Gespräch, dass die Aufzüge erneuert werden müssten. „Aber diese Investition schiebt eine Verwaltung auf die nächste, ein Eigentümer auf den nächsten“, so Theißen. Hierzu erklärt die Wertgrund, es sei immer schwieriger, Ersatzteile zu beschaffen. Man habe beschlossen, die Aufzüge in den Gebäuden Krohstraße 2 bis 4 zu erneuern. Der Start der Arbeiten sei für Anfang April geplant. Es soll zunächst nur die Technik erneuert werden. Da noch Bautätigkeiten im Haus stattfinden, würden neue Kabinen erst eingebaut, wenn diese abgeschlossen seien, so die Wertgrund. Die Mieter werde man in den nächsten Tagen über die Arbeiten informieren.

Häufige Wasserschäden

Schlimm seien auch die permanenten Wasserschäden, deren Folgen nur schleppend beseitigt würden, so die Mieter. Davon kann auch Dörte Hinrichs ein Lied singen. Sie lebt seit zehn Jahren im Wohnpark. Ende Oktober schoss nachts Wasser aus ihrem Rollladenkasten, dem Sicherungskasten und diversen Anschlüssen in ihre Erdgeschosswohnung.

Die gerufene Feuerwehr fand nach einigen Stunden die Ursache: In der darüberliegenden Wohnung, die zu dem Zeitpunkt leer stand und saniert wurde, war der Heizkörper im Bad abmontiert und die Anschlussstelle anscheinend nicht sachgerecht verschlossen worden. Hinrichs informierte umgehend die Verwaltung. Schnell stand fest, dass ihre Räume unbewohnbar waren.

Wasserschaden an einer Wand in einer Wohnung.

Die Wohnung von Dörte Hinrichs ist leergeräumt, die Folgen des Wasserschadens Ende Oktober sind noch nicht behoben.

Für Hinrichs bedeutete dies: übergangsweise eine Ersatzwohnung suchen. Die Wertgrund habe sie zur Kostenübernahme an ihre Hausratversicherung verwiesen, erzählt Hinrichs. „Die hat das auch erstmal übernommen. Ich vermute, die Versicherungen werden das später untereinander aushandeln“, sagt sie. Hinrichs musste ihre Wohnung komplett leerräumen, dafür ein Umzugsunternehmen und ein Lager finden.

Das hat die freie Journalistin viel Zeit und Energie gekostet. „Von der Wertgrund wurde ich dabei nicht unterstützt. Im Gegenteil, meine Mails blieben oft unbeantwortet, bei Anrufen bei meinem Ansprechpartner erreichte ich nur die Mailbox und wurde nicht zurückgerufen“, berichtet sie. Mittlerweile ist sie in der zweiten Ersatzwohnung, dort läuft der Vertrag bis Ende April.

Wertgrund antwortet auf Nachfrage, dass sie sich bei jedem Wasserschadenvorfall um rasche Ursachenermittlung und sofortige Instandsetzung der Anlagen bemühe, teilweise durch Nacht- und Wochenendeinsätze der Mitarbeiter und Handwerker. Es flößen bereits erhebliche Investitionen in die Erneuerung der Leitungsnetze, so Wertgrund.

Die Arbeiten an Hinrichs Wohnung, in der der Schaden Ende Oktober auftrat, haben noch nicht begonnen. „Die Zeit wird knapp, ich hoffe, ich kann im Mai wieder in meine Wohnung“, sagt die Mieterin.