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Galerist Hans Mayer ist gestorbenKunst ist Party plus Avantgarde

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Der Galerist Hans Mayer blättert in seiner Galerie in Düsseldorf in einem Katalog.

Der Düsseldorfer Galerist Hans Mayer

Hans Mayer brachte die Party in die Gegenwartskunst. Jetzt ist der legendäre Düsseldorfer Galerist gestorben.

Seine erste Galerie eröffnete Hans Mayer in einem Sarglager in Esslingen, später, in Düsseldorf, ließ er das Living Theatre oder The Who durch seine Räume toben. Man könnte Mayer also leicht mit einem frühen Vertreter der glitzernden Kunstmarktwelt verwechseln, wäre er selbst nicht stets so ausnehmend bescheiden aufgetreten. „Wissen Sie“, sagte er einmal über seine legendären, mit Stars gespickten Vernissagen, „wir haben nächtelang zusammengesessen und rumgesponnen, was man alles machen könnte. Den Begriff Crossover gab es noch gar nicht, aber das Prinzip hat mich von Anfang an sehr interessiert. Damals gab es ja auch in jedem Dorf eine gute Popband.“

Den Begriff Crossover gab es noch gar nicht, aber das Prinzip hat mich von Anfang an sehr interessiert
Hans Mayer

Im Dorf an der Düssel war Mayer nicht nur mit der Popband Kraftwerk gut befreundet, er holte auch die New Yorker Pop Art an den Rhein. Früh hatte er Andy Warhol und Roy Lichtenstein im Angebot, später vertrat er mit Keith Haring und Jean-Michel Basquiat deren legitime Erben. Aber festlegen ließ sich Mayer ungern auf seine Erfolgsgaranten. Auch der Streifenmaler Daniel Buren zählte zu „seinen“ Künstlern, zudem bildeten US-Minimalisten wie Donald Judd oder Agnes Martin ein starkes Gegengewicht zum glamourösen Straßenköter-Image eines Basquiat; auch beim legendären Steve-Reich-Konzert am Grabbeplatz dürfte manchen Besuchern der Sekt schal geworden sein.

Als Zugezogener gehörte Mayer zu den Gründungsvätern des rheinischen Kunstmarkts, im Jahr 1967 war er unter den ersten Teilnehmern der Art Cologne. Über die Konkurrenz sagte er stets Gutes, wenn auch manchmal mit süffisantem Unterton: „Ich war mit Rudolf Zwirner befreundet, ich war mit Hein Stünke befreundet, da wurde nicht gegeneinander opponiert. Vielleicht war das eine oder andere Bild dem Kollegen nicht genehm, und der hat dem Sammler dann gesagt: Um Gottes willen, kauf das nicht. Aber das waren nur Plänkeleien.“

Mayer gehörte zu den Gründungsvätern des rheinischen Kunstmarkts

Selbstredend war Hans Mayer Stammgast auf der Art Cologne, und wer seine Galerie ansonsten vor allem mit rauschenden Festen verband, lernte diese hier, auf der Kölner Arbeitsmesse, von ihrer „progressiven“ Seite kennen. Nicht von Ungefähr hatte er seine Esslinger Galerie 1965 mit einer Josef-Albers-Ausstellung eröffnet, und zwar zu einer Zeit, als die seriellen Farbquadrate des emigrierten Bauhaus-Lehrers eher ein Nischenphänomen am Kunstmarkt waren.

Im Grunde war Mayer auch dort Avantgarde, wo er sich populär gab. Die Modefotografien Peter Lindberghs und Dennis Hoppers Schnappschüsse mögen nicht jedermanns Geschmack gewesen sein, aber sie bezeugten Mayers nie versiegende Lust auf Außenseiterpositionen. In der Nacht auf Neujahr ist Hans Mayer, wie erst jetzt bekannt wurde, gestorben. Er wurde 82 Jahre alt.