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Das Weiße Haus postet jetzt Zynismus im „Totoro“-Stil

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Lesezeit 2 Minuten
Eine bitterlich weinende Frau in Handschellen wird von einem grimmig drein blickenden Beamten festgehalten.

Dieses KI-generierte Bild einer weinenden festgenommenen Migrantin postete das Weiße Haus diese Woche auf „X“ (ehem. Twitter)

Nach einem ChatGPT-Update wurde das Internet diese Woche mit Studio-Ghibli-Bildern geflutet - auch das Weiße Haus machte mit einem fragwürdigen Post mit.

Wer diese Woche ein soziales Medium geöffnet hat, mag sich gewundert haben, lag doch scheinbar das gesamte Internet plötzlich unter einem Schleier sanfter Farben, alles bebildert in hübscher japanischer Zeichentrick-Optik. Auslöser dafür war ein neues ChatGPT-Update. Mit dem können Nutzer ihre noch so verwackelten Schnappschüsse in wenigen Sekunden im Stile populärer Animations-Serien zu Filmszenen aufpolieren. Unter den Referenzen hat das Internet offensichtlich einen klaren Favoriten: Studio Ghibli, Schöpfer von „Mein Nachbar Totoro“.

Selbst Trumps Anti-Migranten-Agenda wird ästhetisiert

Sogar die Mitarbeiter im Weißen Haus haben sich von diesem Hype anstecken lassen - und posteten das Foto einer wegen mutmaßlichen Drogenhandels verhafteten Migrantin im Studio-Ghibli-Stil: Eine bitterlich weinende Frau in Handschellen wird darauf von einem grimmig drein blickenden Beamten festgehalten. Den Comic hat die KI erfunden, die Verzweiflung des echten Menschen dahinter nicht. Selbst Trumps Anti-Migranten-Agenda wird nun ästhetisiert, wirkt fast schon niedlich. Eine perfide, menschenverachtende Methode, die ganz sicher nicht im Sinne des Erfinders Hayao Miyazaki ist. 

Ganz abgesehen davon, dass dieser nie seine urheberrechtliche Erlaubnis für solche Spielchen erteilt hat. Schon vor vielen Jahren sagte der Zeichner, KI sei nichts als „eine Beleidigung des Lebens selbst“ und dass Menschen durch Technologien wie diese den Glauben an sich verlören. Nach einem Besuch auf dem „X“-Account des Weißen Hauses jedenfalls sucht man ihn aktuell vergeblich, den Glauben an die Menschheit.