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Ermittlungen in NRWKrankenpflegerin soll versucht haben, Patienten durch Injektionen zu töten

Lesezeit 3 Minuten
Eine Krankenpflegerin schiebt einen Patienten in einen Krankenhausflur.

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach wirft einer Krankenpflegerin in mehreren Fällen versuchten Mord vor (Symbolbild).

Hinweise aus einem Krankenhaus in Mönchengladbach brachten die Ermittlungen ins Rollen. Eine Vorgesetzte der Pflegerin verhinderte Schlimmeres. 

Eine Krankenpflegerin soll in Kliniken in Mönchengladbach und in Viersen versucht haben, Patienten mit lebensgefährlichen Injektionen zu töten. Laut Staatsanwalt Stefan Lingens werde gegen die Pflegerin „wegen Mordversuchs in mehreren Fällen ermittelt“. Die Nachforschungen seien in vollem Gange, insofern gebe es noch kein abschließendes Ergebnis.

Die Nachforschungen begannen nach Informationen dieser Zeitung nach einem Hinweis eines Krankenhauses in Mönchengladbach. Ein Klinik-Sprecher bestätigte, dass man bei der Polizei im Januar 2024 eine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt habe. „Seinerzeit kam der Verdacht auf, dass Patienten Mittel ohne ärztliche Anordnung gespritzt wurden.“

Die Untersuchung einer Mordkommission führte auf die Spur der Pflegerin. Unter anderem soll sie für das Aufziehen von Spritzen für die Spülung intravenöser Zugänge zuständig gewesen sein. Kollegen wiesen in Zeugenvernehmungen auf ein psychisch auffälliges Verhalten der Mitarbeiterin hin. Ende Januar wurde sie gekündigt. Sie soll Wertsachen von Patienten und Kollegen gestohlen haben.

Mutmaßliche Mordserie in Rhein-Maas-Klinik: Ermittler lassen Leichen exhumieren

Gleich mehrfach wechselte sie ihren Job bei Pflegeeinrichtungen. Die Ermittler unterrichteten die neuen Arbeitgeber über ihre Nachforschungen, sodass die Frau eng überwacht wurde. In einem Krankenhaus in Viersen, so der Tatverdacht, soll die Pflegerin einem Patienten eine Infusion gelegt haben, in der zu Beginn eine Luftblase war. Schon kleinste Mengen an Luftzufuhr in den Blutkreislauf wirken tödlich. Eine Vorgesetzte, die ein Auge auf die verdächtige Pflegerin hatte, verhinderte Schlimmeres. Die Beschuldigte beteuerte, unwissend einen Fehler begangen zu haben.

Im Oktober 2024 konfrontierten die Ermittler die Pflegerin mit dem Tatverdacht. Die Vorwürfe wies diese vehement zurück. Da der Anfangsverdacht sich im Verhör nicht weiter erhärten ließ, durfte die Pflegerin das Präsidium wieder verlassen. „Die Ermittlungen laufen weiter“, betonte Staatsanwalt Lingens.

Die Frau ist nicht die einzige Krankenpflegerin, die momentan im Fokus von Ermittlungen steht: Ab Montag muss sich der 44-jährige Roman R. wegen neunfachen Mordes und 34 Mordversuchen vor dem Aachener Schwurgericht verantworten. Wie diese Zeitung erfuhr, lassen die Strafverfolger nun weitere neun Leichen exhumieren. Der Krankenpfleger hatte zugegeben, den Patienten auf der Palliativstation in der Rhein-Maas-Klinik ohne ärztliche Anordnung starke sedierende Mittel gespritzt zu haben. Angeblich hätten die zuständigen Mediziner am Morgen nach der Nachtschicht die illegalen Injektionen in den Dokumentationen widerspruchslos abgehakt.

Christoph Smischke, Anwalt der Klinik, wies diese Darstellung zurück. Das Krankenhaus habe vor der Anzeigenerstattung „keine Kenntnis und damit auch kein Tolerieren irgendeines Fehlverhaltens“ gehabt. „Bei den wiedergegebenen Angaben des Angeklagten dürfte es sich um einfache Schutzbehauptungen handeln, die auch von der Absicht getragen sind, das eigene Unrecht abzustreiten beziehungsweise zu relativieren, das Verschulden auf Dritte abzuwälzen oder schlicht den Fokus auf Dritte zu lenken, etwa auf andere Betriebsangehörige.“ Zudem gebe es auch „keinerlei objektive Anhaltspunkte dafür, dass unsere Mandantin irgendwelche personenbezogenen Auffälligkeiten bei dem Angeklagten ‚übersehen‘ hätte“.