Am Samstag entscheiden die Zuschauer beim Finale des ESC-Vorentscheids darüber, welcher Kandidat Deutschland beim ESC-Finale vertritt. Doch die Jury hat Mitspracherecht.
Regeländerung vor FinaleZuschauer dürfen bei ESC-Vorentscheid nicht allein entscheiden

Die Jury des ESC-Vorentscheids: Elton, der beim Finale nicht dabei sein wird, Yvonne Catterfeld, Stefan Raab und Johannes Oerding verfolgen die zweite Show beim deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest (ESC).
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Stefan Raabs Comeback beim weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb ist in Deutschland mit großen Erwartungen verknüpft. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl und Raab selbst erklärten nicht weniger als den Sieg zum Ziel, so wie es Raab 2010 mit der Newcomerin Lena Meyer-Landrut gelungen war.
Doch die Frage ist, ob es es unter den neun Finalisten des deutschen ESC-Vorentscheids jemanden gibt, der nach Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ 1982 und Lena mit „Satellite“ 2010 das Zeug zum Sieger hat. So weit vor dem ESC-Finale in der Schweiz lässt sich das noch nicht einschätzen - allerdings zeigte das Halbfinale am Samstag, dass es insgesamt noch deutlich Luft nach oben gibt.
ESC-Vorentscheid: Jury entscheidet, wer bis zum Schluss singen darf
Raab und seine Mitjuroren Elton, Yvonne Catterfeld und Max Giesinger lobten den Großteil der Starter zwar. Aber für die Fernsehzuschauer war mancher Gesang schlecht zu verstehen. Die Auftritte klangen nicht gut abgemischt. Auch die Bühnenpräsenz der Kandidaten wirkte im Halbfinale noch ausbaufähig.
Doch insbesondere die Entscheidung der Jury sorgte nach dem Halbfinale für Unverständnis. Viele Fans störten sich daran, dass die Juroren die saarländische Metalband From Fall To Spring aussortierte.
Man musste auf dem Instagram-Account von RTL.de lange scrollen, bis ein positiver Kommentar zur der Entscheidung kam. Sonst waren da nur Breitseiten zu lesen: „Danke für nichts, Raab.“ - „Was für ein schwacher Vorentscheid“ - „Die Jury hat es verka..t!“ - „Wollte Deutschland den ESC jetzt doch nicht mehr gewinnen?“ - „Der Abend war ein einziges Desaster.“
ESC-Vorentscheid: Zuschauer sollen entscheiden, Regeländerung sorgt für Unmut
Nun wird die Chefsache zur Zuschauersache - zumindest auf den ersten Blick: Am Samstag entscheidet beim Finale des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest (ESC) das Publikum darüber, welcher von neun Kandidaten Deutschland beim ESC-Finale am 17. Mai im schweizerischen Basel vertritt.
Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. In der Sendung entscheiden die Zuschauer zwar über den Sieger - per Televoting, Online-Voting (esc.vote) oder per SMS. Doch die Jury trifft die Auswahl, welche Kandidaten in die Endauswahl kommen. Fünf Acts werden von Stefan Raab, Conchita Wurst sowie Yvonne Catterfeld und Nico Santos ausgewählt. Diese Regelbesonderheit wurde unter der Woche in einer Pressemitteilung des NDR kommuniziert.
Dabei teilte der NDR auch mit, dass Elton wegen eines privaten Termins in dieser Ausgabe nicht mit auf dem Jury-Podium sitzen wird.
ESC-Vorentscheid: Leonora aus Köln hofft auf Sieg
Das Vorentscheidsfinale wird eine große musikalische Breite bringen. Die drei qualifizierten Solosängerinnen zeigen mit der düster auftretenden 23-jährigen Julika, der poppigen Leonora aus Köln und der etwas verträumten Balladensängerin Lyza ganz unterschiedliche Auftritte. Auch der vom Stil her an die 70er Jahre erinnernde 24-jährige Benjamin Braatz setzt eine ganz eigene Note.
Bei den Fans gilt das Geschwisterduo Abor & Tynna mit seinem deutschsprachigen Lied „Baller“ als Mitfavorit. Die Geschwister stammen aus Wien, haben familiäre Wurzeln in Rumänien und Ungarn und bekamen durch ihren Vater, der Cellist bei den Wiener Philharmonikern ist, eine klassische Musikausbildung vermittelt. Die 24 Jahre alte Tünde „Tynna“ Bornemisza versprüht auf der Bühne als Sängerin dabei viel Energie und Charme - ihr Bruder Attila „Abor“ Bornemisza sorgt mit dem Cello für eine besondere Note.
ESC-Vorentscheid: Feuerschwanz mit spektakulärer Bühnenshow
Sollte „Baller“ gewinnen, würde Deutschland das erste Mal seit 2007 mit Roger Cicero und „Frauen regier'n die Welt“ einen deutschsprachigen Starter schicken. Auch die aus Franken stammende Band Feuerschwanz, die mit einem Mix aus Mittelalteroptik und einem von feuersprühenden E-Gitarren begleiteten Heavy Metal eine spektakulärste Bühnenshow bot, singt mit ihrem „Knightclub“ einen deutschen Text.
Optisch spektakulär und mit einer mitreißenden Sängerin tritt die Münchner Band Cosby mit ihrem „I'm Still Here“ auf, der Gruppe ist eine jahrelange Bühnenerfahrung anzumerken. Abgerundet wird das Teilnehmerfeld durch die deutsch-britische Band The Great Leslie und den in Berlin lebenden britischen Songwriter Moss Kena. Dieser hatte vor einigen Jahren mit dem Projekt Purple Disco Machine und dem Lied „Fireworks“ schon einen Nummer-eins-Hit - in den ersten Runden des Vorentscheids zeigte Kena das Charisma eines Popstars.
Raab jedenfalls ist so angetan von den deutschen Startern, dass er unabhängig vom Abschneiden Deutschlands schon seine Bereitschaft zum Weitermachen beim ESC erklärte. „Ich hoffe, dass wir so was im nächsten Jahr wieder machen können“, sagte er im Halbfinale. Aber das ist der überübernächste Schritt: Nun muss zunächst der deutsche Beitrag gefunden werden und dann ein möglichst erfolgreicher Auftritt in Basel gelingen. (afp, ksta, dpa)