Nachdem dem DDR-Nationalspieler Gerd Weber ein Vertrag beim 1. FC Köln angeboten wurde, landete er als Landesverräter im Stasi-Knast. Eine neue Folge von „True Crime Köln“.
Knast statt Profivertrag beim FCDer lange Arm der Stasi

Ein mutmaßliches Vertragsangebot des 1. FC Köln brachte DDR-Nationalspieler als Landesverräter ins Stasi-Gefängnis.
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In der Hotellobby im niederländischen Enschede wartet ein Mann auf den Leistungsträger von Dynamo Dresden. Er macht Gerd Weber ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann. Der hochtalentierte DDR-Fußballer könne beim 1. FC Köln spielen, draußen vor der Tür warte ein Auto und eine Handprämie von 100.000 D-Mark. Das, was sich im Jahr 1981 tatsächlich in Enschede abgespielt hat, weiß keiner so genau. Selbst Gerd Weber hat die Geschichte im Laufe der Jahre immer wieder etwas anders erzählt. Sollte der 1. FC Köln – damals ein europäischer Topklub – einen ostdeutschen Sportler zur höchst riskanten „Republikflucht“ und somit zu einer Straftat in der DDR aufgefordert haben?
Die neue Folge von „True Crime Köln“ hören:
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„True Crime Köln“, die Podcast-Reihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über wahre Verbrechen in Köln und der Region, greift die Aussage von Weber auf, die er im neuen Dokumentarfilm „Stasi FC“ im Interview macht. Der sehenswerte Film, finanziert von Kölner Produktionsfirmen mit dem Kölner Filmemacher Arne Birkenstock als Co-Regisseur, ist Ende März ins Kino gekommen.
Als Landesverräter in den Stasi-Knast
Es gibt widersprüchliche Darstellungen über die Umstände des Kölner „Angebots“ an Weber. Keinen Zweifel gibt es jedoch über die Folgen für den hochtalentierten Fußballer. Weil er nach dem Europapokalspiel in den Niederlanden nicht direkt in irgendein Auto vor dem Hotel einsteigt und zunächst zurück nach Ost-Berlin fährt, kann ihn der Staatssicherheitsdienst der DDR verhaften. Anstatt an einer geplanten Reise mit der DDR-Nationalmannschaft nach Argentinien teilzunehmen, werden er und zwei weitere Spieler von Dynamo Dresden ins Gefängnis gebracht. Weber wird wegen „landesverräterischer Agententätigkeit“ und „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritt“ verurteilt. Er wird nie wieder Fußball spielen.

Der ehemalige DDR-Nationalspieler Gerd Weber im Interview
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Der geplatzte Traum von einer Karriere beim 1. FC Köln, Webers Verhaftung und sein Leben nach der Haft unter ständiger Observation sind ein Beispiel für die Arbeit der Stasi im und für den Überwachungsstaat DDR. Ihr langer Arm reichte weit in den Westen. Dass sie Weber, der selbst Mannschaftskollegen bespitzelt hatte, in Enschede eine Falle stellte, ist sehr wahrscheinlich. Auch im Westen konnte sich keiner sicher sein, auch hier wurden Menschen beobachtet und ausspioniert. Es gibt Berichte über Bedrohungen, Entführungen und sogar Auftragsmorde. Bekannter als der Fall von Gerd Weber ist die spektakuläre und erfolgreiche Flucht von Falko Götz im Jahr 1983. In der neuen Folge von „True Crime Köln“ berichtet der ehemalige Fußballprofi auch davon, wie ihn DDR-Funktionäre dazu bringen wollten, zurückzukehren.
Wie „True Crime Köln“ in einer älteren Folge über die „Lange Suche nach Karate-Johnny“ berichtet hat, hatte die Stasi 1983 offensichtlich einen Top-Agenten nach Leverkusen geschickt, möglicherweise wegen Götz und seines Mannschaftskollegen Dirk Schlegel. Der Mann soll mehrere Straftaten begangen haben und wird mit Mordplänen im Auftrag der DDR in Verbindung gebracht.

Dirk Schlegel (l.) und Falko Götz bei der Premiere von „Stasi FC“ im Kölner Odeon-Kino im März 2025
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Falko Götz und Dirk Schlegel, die in einem Schallplattengeschäft in Belgrad gemeinsam einem Aufpasser entkommen waren, spielten nach ihrer Flucht zunächst bei Bayer Leverkusen. Götz wechselte 1988 nach vier Jahren auf die linke Rheinseite zum 1. FC Köln, mit dem er Vizemeister und Pokalsieger wurde. Dass sie mit ihrer Flucht ein großes Risiko eingegangen sind, sei ihnen bewusst gewesen, sagt er im Interview mit Helmut Frangenberg. Im Rückblick staune er aber über seinen „jugendlichen Leichtsinn“. Ob es auch in Leverkusen oder beim FC Stasispitzel gegeben habe, kann Götz nicht sagen. In seiner Stasi-Akte, die er nach dem Ende der DDR einsehen konnte, seien die Namen der Spitzel geschwärzt gewesen. Da der Geheimdienst der DDR auch die öffentlichen Behörden, Wirtschaftsunternehmen und Parteien infiltriert hatte, würde ein Engagement bei Vereinen, die Flüchtlinge aufgenommen haben, nicht verwundern.

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„True Crime Köln“ kann man bei allen Streaminganbietern und über die Homepage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hören. Die neue Folge „Der lange Arm der Stasi: Knast statt Profikarriere beim 1. FC Köln“ ist die 60. Episode der Podcast-Reihe. Die Zahl der Downloads und Streams hat die Zahl von zwei Millionen überschritten.