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Rundumschlag des US-PräsidentenTrump ist „stinksauer“ auf Putin und droht Selenskyj mit „großen Problemen“

Lesezeit 4 Minuten
Donald Trump spricht in der Air Force One mit Pressevertretern.

Donald Trump spricht in der Air Force One mit Pressevertretern. 

Der US-Präsident beklagte sich am Sonntag zunächst in einem NBC-Interview über Bemerkungen von Putin – dann attackierte er Selenskyj.

Beachtliche Worte aus Washington: US-Präsident Donald Trump hat in einem TV-Interview seinen Ärger über Wladimir Putin ausgedrückt. Das Verhalten des russischen Präsidenten haben ihn „sehr verärgert und stinksauer“ („pissed off“) gemacht, sagte Trump in einem am Sonntag ausgestrahlten Gespräch mit dem Nachrichtensender NBC.

Trump sprach zugleich Drohungen mit zusätzlichen Zöllen auf russisches Öl aus und kündigte für die nächsten Tage weitere Gespräche mit Putin an. Der US-Präsident erklärte außerdem, dass Putin von seinem Ärger wisse.

Der 78-jährige US-Republikaner betonte zwar auch wie schon oftmals zuvor, dass er „eine sehr gute Beziehung“ zu Putin habe. Doch der Ärger verfliege erst dann auch wieder schnell, „wenn er das Richtige tut“, so Trump in Richtung Kreml-Chef.

Trump begründet Ärger über Putin mit dessen Äußerungen über Ukraine-Präsident Selenskyj

Seine ungewöhnlich scharfen Worte begründete Trump in Richtung Putin mit dessen jüngsten Äußerungen über die Glaubwürdigkeit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Putin stellt Selenskyj seit Jahren als unrechtmäßigen Präsidenten der Ukraine dar. Am Freitag hatte er vorgeschlagen, die Ukraine unter Verwaltung der UNO zu stellen.

Trumps harsche Worte in Richtung Kreml kommen durchaus überraschend. Schließlich war es wiederum Trump, der zuvor Selenskyj kritisiert und gesagt hatte, er sei „es leid“, wie Selenskyj den Krieg führe, und ihn fälschlicherweise als Diktator bezeichnet hatte. Zudem hat der US-Präsident in der Vergangenheit aus seiner Bewunderung für Putin nie einen Hehl gemacht. Nach seinem Amtsantritt im Januar führte er bereits ein Telefonat mit dem russischen Präsidenten über die Lage in der Ukraine.

Trump attackiert auch Selenskyj: „Große Probleme“

Später am Sonntag fand Trump dann entsprechend harte Worte auch für Selenskyj und drohte dem ukrainischen Präsidenten mit Konsequenzen, falls der sich einem Rohstoffdeal mit den Vereinigten Staaten verweigern sollte. Er habe den Eindruck, dass Selenskyj einen Rückzieher bei der – angeblich bereits getroffenen – Vereinbarung über seltene Erden machen wolle, sagte Trump während eines Flugs mit der Präsidentenmaschine Air Force One. „Und falls er das tut, bekommt er Probleme – große, große Probleme.“

„Wir hatten einen Deal zu seltenen Erden“, aber jetzt sage Selenskyj, er wolle diesen Deal wieder aufschnüren und neu verhandeln. Trump warf ihm vor, er habe die Ukraine zum Nato-Mitglied machen wollen, obwohl immer klar gewesen sei, dass es nicht dazu kommen werde. Das habe Selenskyj inzwischen verstanden. „Wenn er den Deal also neu verhandeln will, bekommt er große Probleme.“ Berichten zufolge haben die USA die Bedingungen in dem Vertragsentwurf noch einmal zu ihren Gunsten verschärft. Eine Unterschrift Selenskyjs erscheint in dieser Form eher unwahrscheinlich. 

Russischer Senator über Gespräche mit den USA: „Krieg ist weiter in vollem Gange“

Eine direkte Reaktion des Kremls auf die Worte des US-Präsidenten gab es am Sonntagnachmittag unterdessen zunächst nicht. Mit Dmitri Rogosin äußerte sich jedoch ein russischer Senator und ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident zu den Gesprächen zwischen Russland und den USA.

Die Verhandlungen weckten „übermäßigen Optimismus auf ein schnelles Ende der speziellen Militäroperation“, betonte Rogosin. Der Krieg gegen die Ukraine sei weiterhin „in vollem Gange“, schrieb Rogosin am Sonntagmorgen in seinem Telegram-Kanal. Wer an einen schnellen Waffenstillstand glaube und sich bereits „entspanne“, begehe einen „großen Fehler“ warnte der russische Politiker und rief zur Unterstützung der russischen Streitkräfte auf.  „Wir müssen hart arbeiten und die Front durchbrechen, nur so wird der Krieg enden“, fügte Rogosin an. „Mit einem Sieg, nicht mit Zaubersprüchen.“

Trump droht Iran mit „Bombardierungen“ bei Ausbleiben von Atomabkommen

Unterdessen drohte Donald Trump in dem NBC-Interview auch gleich dem Iran mit „Bombardierungen“, falls es keine Einigung im Streit um das Atomprogramm Teherans gibt. „Wenn sie keinen Deal machen, dann wird es Bombardierungen geben“, so Trump.

Die westlichen Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, den Bau von Atomwaffen anzustreben. Teheran bestreitet dies. Jedoch hat das Land in den vergangenen Jahren seine Produktion von angereichertem Uran verstärkt.

Trump hatte Teheran Anfang März nach eigenen Angaben in einem Brief an das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, Verhandlungen über das iranische Atomprogramm vorgeschlagen. Zugleich drohte der US-Präsident bereits in diesem Schreiben damit, andernfalls militärisch zu intervenieren. Der Iran dürfe keine Atomwaffen besitzen, hatte er erklärt. (mit afp)