Howard Lutnick verteidigt die von seinem Chef verhängten Zölle – und wählt eine ähnliche Rhetorik wie dieser.
US-Handelsminister Lutnick„Die Europäer hassen unser Rindfleisch, denn es ist schön“

US-Handelsminister Howard Lutnick (r.) hilft Donald Trump beim verkünden der US-Zölle mit einer Tafel.
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Seitdem die Ära Donald Trump erneut begonnen hat, mussten sich die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger sowie die gesamte Welt wieder an bizarre und wahrheitswidrige Äußerungen aus der US-Administration gewöhnen. In nahezu allen seinen Statements übertreibt Trump maßlos oder verbreitet sogar Fake News.
Wenn Trump beispielsweise bei einer Rede im Kongress behauptet, es gebe „Hunderttausende von illegalen Grenzübertritten pro Monat, darunter Mörder, Drogenhändler und Bandenmitglieder“, so deckt sich dies nicht mit den Zahlen. Die Ukraine beschuldigte Trump, den Krieg mit Russland begonnen zu haben. Trump verbreitet weiter das Narrativ, 2020 habe nur Manipulation seine Wiederwahl verhindern können. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. CNN versuchte zwischenzeitlich, eine Liste von Trumps Falschbehauptungen zu führen.
Trump verbreitet falsche Zahlen beim Thema Zölle
Auch beim Thema Zölle nimmt es der US-Präsident mit den Zahlen nicht ganz so genau. Die hohen Abgaben, die Trump am Mittwoch ankündigte, lösten Besorgnis in der ganzen Welt aus. Wie CNN belegt, operiert der US-Präsident permanent mit falschen oder missverständlichen Zahlen, um seine Maßnahmen zu rechtfertigen. Trump behauptete wiederholt, er „subventioniere viele Länder“. Allein beim Handelsdefizit mit Kanada nannte er viel zu hohe Summen.
Am Mittwoch behauptete Trump bei seinem denkwürdigen Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses, sein Land sei „50 Jahre lang abgezockt worden“, dies sei nun ein „Befreiungstag“. Er hantierte mit einer Tafel, die aber kaum entschlüsselbar war. Darauf waren die Zölle für ausgewählte Länder aufgeschlüsselt. Er habe größere Tafeln aufstellen wollen, aber weil es so windig war, wären die nur umgekippt, sagte Trump, und sorgte so für einen Slapstick-Moment.
Auf der Tafel erschienen offenbar auch Angaben für Mehrwertsteuer, die auf US-Produkte erhoben wird. Das Argument ist allerdings fragwürdig, denn diese wird für Produkte aus der EU gleichermaßen in den USA fällig.
Selbst in seiner eigenen Partei ist die protektionistische Politik nicht unumstritten, Fachleute warnen ohnehin vor den Folgen für die heimische Wirtschaft. Trumps Handelsminister Howard Lutnick verteidigte unterdessen die Maßnahmen im US-Fernsehen – und fiel dabei mit einer Wortwahl auf, die von seinem Chef stammen könnte.
In Trumps „Haussender“ Fox News sagte Lutnick in Bezug auf die Zölle, die auch die EU hart treffen werden: „Die EU importiert keine Hühner aus Amerika, sie nehmen keinen Hummer aus den USA ab. Sie hassen unser Rindfleisch, denn unser Rindfleisch ist schön und ihres ist schwach“, echauffierte sich Lutnick über die angebliche Ungerechtigkeit, gegen die jetzt mit Zöllen vorgegangen werden müsse.
Chlor-Hühnchen und Wachstumshormone bei US-Rindern
In den sozialen Medien verbreitete sich der Gesprächsausschnitt schnell, und viele Userinnen und User reagierten auf die Behauptungen des Handelsministers. Es wird beispielsweise darauf verwiesen, dass argentinisches Rindfleisch auf dem Weltmarkt einfach günstiger sei als amerikanisches. „Hätte Lutnick an der Universität so argumentiert, hätte er es nicht über die erste Woche hinaus geschafft“, schreibt jemand anders.
Bei Reddit verweist jemand darauf, dass die US-Fleischproduktion einfach nicht den EU-Standards entspreche: Hühnchen sei mit Chlor belastet, Rindfleisch mit Wachstumshormonen. „Wir wollen und brauchen euer schreckliches Essen nicht“, so die Schlussfolgerung. Ein anderer User weist darauf hin, dass die Tierwohl-Vorgaben in der EU insgesamt strenger seien als in den USA.