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Kommentar

Strafzölle von Trump
Ein unbelehrbarer Überzeugungstäter

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Lesezeit 2 Minuten
das Bild zeigt US-Präsident Donald Trump mit geballter, emporgestreckter Faust.

Die Zölle „gegen die ganze Welt“, die US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, sind jetzt in Kraft getreten. Der Präsident gibt sich siegessicher.

US-Präsident Trump hat seine angekündigten Zölle „gegen die ganze Welt“ erlassen. Damit zeigt er: Er bleibt ein unbelehrbarer Überzeugungstäter.

Das Zeitalter der Globalisierung endete mit einer Posse. „Unser Land ist 50 Jahre lang abgezockt worden“, beklagte sich Donald Trump theatralisch im Rosengarten des Weißen Hauses, um den „Befreiungstag“ von der ökonomischen Knechtung auszurufen.

Schwankend im Wind hielt er eine Tafel mit winzigen Prozentzahlen hoch, die man kaum lesen konnte. Bei dem ehemaligen Reality-TV-Star zählt vor allem die Inszenierung. Die Details, mit denen er mal eben die weltweite Handelsordnung zerstört, sind Nebensache. Auch nach der Lektüre des Kleingedruckten bleiben viele Fragen zu den beispiellosen Zöllen offen, die der Präsident zum Ende dieser Woche in Kraft setzte.

Doch so viel ist klar: Statt auf freien Handel setzt Amerika künftig auf knallharten Protektionismus, und diese Kehrtwende hat das Zeug, die Weltwirtschaft in schwerste Turbulenzen zu stürzen.

Trump ist ein beratungsresistenter Überzeugungstäter

Die Europäische Union, China, Japan und Südkorea gehören zu den wichtigsten Handelspartnern der USA. Deren Exporte werden kurzerhand um 20 bis 54 Prozent verteuert. Die Betroffenen werden sich wehren. Man braucht wenig Fantasie, um die Verwüstungen eines Handelskriegs zu erahnen.

Das sind düstere Aussichten. Doch Trump ist bei Zöllen ein beratungsresistenter Überzeugungstäter. Er hält die Aufschläge für ein Wundermittel, das die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz schützt, sagenhafte Billionen-Beträge für Steuersenkungen in die Staatskasse spült und einen mächtigen Hebel für politische Verhandlungen mit anderen Ländern liefert. Dass sich diese drei Ziele schon denklogisch widersprechen, will der „Dealmaker“ nicht wahrhaben.

Europa wird von Trumps Zoll-Obsession mit doppelter Härte getroffen. Ein Fünftel aller Exporte des alten Kontinents von Pharmazieprodukten über Industriemaschinen bis zu Champagner geht in die USA. Unabhängig von den neuen Grenz-Abgaben treten dort schon an diesem Donnerstag die 25-prozentigen Autozölle in Kraft. Eine solche Strangulierung seiner Exportwirtschaft kann sich Europa unmöglich gefallen lassen. Trump dürfte in den nächsten Wochen daheim erheblichen Gegenwind erfahren.

Bald dürften die Preise für Verbraucher kräftig steigen

Seit Tagen befinden sich die Aktienmärkte auf Achterbahnfahrt. Erste republikanische Senatoren mucken wegen der fragwürdigen Begründung der Zölle auf. Bald dürften die Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher kräftig steigen. Brüssel muss diesen Druck durch ebenso gezielte wie schmerzhafte Vergeltungsmaßnahmen massiv erhöhen und so seine Verhandlungsposition stärken.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am Donnerstagmorgen bereits an, Gegenmaßnahmen vorzubereiten. Klar ist: Trump respektiert allein starke Gegner. Er wird (wenn überhaupt) nur nachgeben, wenn der politische Preis für ihn zu hoch wird.