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Hegseth streitet abKompletter Signal-Chat veröffentlicht – Laut Trump „keine große Sache“

Lesezeit 5 Minuten
(FILES) US President Donald Trump and Secretary of Defense Pete Hegseth listen during an event in the Oval Office of the White House in Washington, DC, on March 21, 2025. A US journalist was inadvertently included in a group chat in which Defense Secretary Pete Hegseth, Vice President JD Vance and other top officials discussed upcoming strikes against Yemen's Huthi rebels, the White House confirmed on March 24, 2025. (Photo by Annabelle Gordon / AFP)

US-Präsident Donald Trump und sein zunehmend unter Druck stehender Verteidigungsminister Pete Hegseth (Archivbild)

Nachdem die Trump-Regierung eine Sicherheitslücke bestritten hat, kontert „The Atlantic“ und veröffentlicht den gesamten Chat. Der Präsident reagierte inzwischen. 

Nach der Sicherheitspanne in einem Gruppenchat ranghoher US-Regierungsvertreter hat das US-Magazin „The Atlantic“ einen Chatverlauf über Angriffspläne auf die Huthi-Miliz im Jemen in voller Länge veröffentlicht. In den am Mittwoch veröffentlichten Screenshots des Chats im Dienst Signal sind zahlreiche Details über die genauen Angriffszeiten und die dabei eingesetzten Flugzeuge enthalten.

„The Atlantic“ entschloss sich nach eigenen Angaben zu der Veröffentlichung, nachdem die Regierung von US-Präsident Donald Trump mehrfach bestritten hatte, dass in dem nicht gesicherten Chat vertrauliche Informationen ausgetauscht worden seien.

Ziele, Zeiten, Flugzeugtypen: Hegseth postete Angriffsdetails in Chat

Die nun veröffentlichten Gespräche und Screenshots legen einen anderen Eindruck nahe. In einer bisher nicht veröffentlichten Nachricht von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth waren demnach im Detail die Uhrzeiten für bestimmte Angriffe im Jemen zu lesen.

Auch welche Flugzeuggattungen zum Einsatz kommen sollten und dass ein „Ziel-Terrorist“ sich wie geplant an einem der Zielorte befinde, verkündete Hegseth in dem Chat, dem „Atlantic“-Chefredakteur Jeffrey Goldberg beiwohnte. Die Nachricht sei 31 Minuten vor den ersten Angriffen im Jemen verschickt worden, berichtet das US-Magazin weiter.

„Folgen für die Piloten hätten katastrophal sein können“

„Wäre dieser Text von jemandem empfangen worden, der den amerikanischen Interessen feindlich gesinnt ist – oder von jemandem, der einfach nur indiskret ist und Zugang zu sozialen Medien hat -, hätten die Huthis Zeit gehabt, sich auf einen vermeintlichen Überraschungsangriff auf ihre Hochburgen vorzubereiten“, beschrieben die US-Journalisten nun das problematische Vorgehen des Verteidigungsministers. „Die Folgen für die amerikanischen Piloten hätten katastrophal sein können.“

Vor der Veröffentlichung des gesamten Gesprächsverlaufes habe man nun den Kontakt mit der US-Regierung gesucht, berichtet „The Atlantic“ weiter.

Weißes Haus: „Keine geheimen Informationen“

Die Antwort von Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt lautete demnach: „Wie wir wiederholt erklärt haben, wurden in dem Gruppenchat keine geheimen Informationen übermittelt. Wie jedoch der CIA-Direktor und der Nationale Sicherheitsberater heute zum Ausdruck gebracht haben, bedeutet dies nicht, dass wir die Veröffentlichung des Gesprächs befürworten. Es handelte sich um eine [sic] interne und private Beratung zwischen hochrangigen Mitarbeitern, und es wurden sensible Informationen besprochen. Aus diesen Gründen [sic] lehnen wir die Veröffentlichung ab“.

Ein Sprecher der CIA habe unterdessen darum gebeten, den Namen eines CIA-Agenten, der im Chat zu lesen war, nicht zu veröffentlichen. Dieser Bitte kam das Magazin nach: „Wir werden den Namen des Offiziers auch weiterhin nicht nennen. Ansonsten sind die Nachrichten unredigiert.“

Trump: „Keine große Sache“

Nach der Veröffentlichung des kompletten Chatverlaufs durch „Atlantic“ äußerte sich Trump in der „Vince-Show“ von Radiomoderator Vince Coglianese beim konservativen Sender WMAL-FM, der zu Fox News gehört. Laut CNN wiegelte Trump erneut ab und spielte den skandalösen Vorfall herunter. Es seien „keine Details“ preisgegeben worden, behauptete Trump weiterhin wahrheitswidrig. Er sehe „nichts Kompromittierendes“ in dem Gruppenchat. Die Unterhaltung habe keinen Einfluss auf den „erfolgreichen Angriff“ gehabt, so der US-Präsident.

Die Schuld für das Hinzufügen von Goldberg zur Signal-Gruppe sieht Trump bei einem „Mitarbeiter“. Es habe sich wohl um einen technischen Fehler gehandelt. Der 78-Jährige sprach zudem von einem „schlechten Signal“ – und verwechselte laut CNN dabei offenbar den Namen des Messengers mit einem Kommunikationsfehler. Das alles sei „keine große Sache“, befand Trump.

Hegseth soll Sicherheit der Soldaten gefährdet haben

Trumps Äußerungen widersprechen Berichten von CNN diametral, denen zufolge die Informationen, die Hegseth im Chat teilte, streng geheim waren – zumal die Militäroperation zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal begonnen hatte. Der Sender beruft sich auf einen „mit der Operation vertrauten US-Verteidigungsbeamten“ sowie eine weitere Quelle.

Es habe sich um „Einsatzpläne“ gehandelt, die „zum Schutz der Soldaten streng geheim sind“, so der Beamte. Jeder, der eine Uniform trage, würde dafür vor ein Kriegsgericht gestellt, heißt es weiter. Allerdings ist Pete Hegseth kein Militärangehöriger, sondern er verdiente bis vor kurzem noch sein Geld als Moderator beim ultrakonservativen Sender Fox News. Seine Berufung war selbst in Teilen der republikanischen Partei auf große Kritik gestoßen, da er keinerlei administrative Erfahrung hat.

Demokraten fordern Hegseth-Rücktritt

Bereits kurz nach der Veröffentlichung herrschte in den USA Empörung – nicht nur über das Vorgehen des Trump-Kabinetts, sondern auch über die Leugnung in den Statements danach. „Dieser neue Signalchat ist schockierend. Offensichtlich handelt es sich um unglaublich sensible und geheime Informationen“, schrieb der demokratische Senator Andy Kim auf der Plattform X.

„Als ehemaliger Mitarbeiter des Lagezentrums kann ich nicht glauben, dass Hegseth leichtfertig Informationen per Textnachricht verschickt, die unsere Piloten und Soldaten gefährden könnten. Er muss zurücktreten“, fügte Kim an.

Hegseth spricht von „Falschmeldungen“

Verteidigungsminister Hegseth äußerte sich unterdessen bei X zu den neuen Veröffentlichungen. Er bekräftigte, dass keine geheimen Informationen weitergegeben worden seien. „Keine Ziele, keine Orte, keine Einheiten, keine Routen, keine Quellen, keine Methoden, keine Geheiminformationen“, heißt es in dem Post. Es handele sich um wiederholte Falschinformationen des „Atlantic“, behauptet Hegseth. Damit würden die Gegner aber keinen Erfolg haben. Dies beweise nur, dass Goldberg keine Ahnung von echten Angriffsplänen habe.

Hegseth scheint demnach einen Rückzug nicht in Erwägung zu ziehen. Auch nach einer Entlassung durch Trump sieht es nicht aus.

Der Verteidigungsminister misst hier allerdings offensichtlich mit zweierlei Maß: In der Vergangenheit hatte der damalige TV-Kommentator erklärt, was bei derartigen Verstößen seiner Ansicht nach zu tun sei. Nachdem die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton 2016 in die Kritik geraten war, weil sie dienstliche E-Mails über einen privaten Server verschickt hatte, befand Hegseth, Clinton hätte dafür „sofort gefeuert“ werden müssen. (mit afp)