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Ärztin erklärtWie unser Körper Glückshormone ausschüttet, ohne verliebt zu sein

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Frisch verliebt ist einfach alles schön. 

Köln – Jeden Tag wie frisch verliebt durchs Leben gehen, das wäre schön. Das Hormonfeuerwerkt der ersten Zeit macht uns quasi unbesiegbar. Doch was, wenn man gerade nicht frisch verliebt ist? Die finnische Medizinerin Emilia Vuorisalmi hat ein Rezept entwickelt, das diesen Zustand imitiert und für das man keinen Partner oder keine Partnerin braucht. Es kommt dabei auf den richtigen Mix von Oxytocin, Serotonin und Dopamin an.

„Die Liebeshormone beeinflussen unser Leben täglich“, schreibt die finnische Ärztin im Vorwort ihres Buches „Super Gefühle. Die besten Tipps und Tools, um die Glückshormone in dir auszulösen“. Dopamin hält uns in Bewegung, motiviert und belohnt uns. Serotonin lässt uns bei den Menschen in unserer Nähe Sicherheit suchen, unser Leben ordnen und um Anerkennung kämpfen. Oxytocin bindet uns aneinander, festigt Beziehungen und lässt uns Mitgefühl empfinden. Vuorisalmis Idee basiert auf dem Gedanken, dass wir selbst alle drei Hormone beständig produzieren können – und zwar ganz unabhängig davon, ob wir gerade frisch verliebt sind oder nicht.

Neurochemischen Zustand der Verliebtheit auch ohne Beziehung erreichen

Als Vuorisalmi das Buch beginnt, geht es ihr selbst nach einer Trennung gerade so schlecht, dass sie ins Krankenhaus muss. Da sich keine körperliche Ursache finden lässt, wird ihr klar, dass Liebeskummer der Grund sein muss. Sie beschließt: „Wenn mich der Verlust der Liebe krank gemacht hat, muss sie mich auch heilen können.“ Die Medizinerin liest sich durch sämtliche Forschungsergebnisse und Studien und findet heraus, dass die gesündeste Phase der Liebe die Zuneigungsphase ist, also jene Zeit, in der die aufreibende Schwärmerei in eine entspannte und heitere Liebe übergeht, man aber auch noch sehr verknallt ist. In dieser Phase werden Dopamin, Serotonin und Oxytocin gleichmäßig ausgeschüttet. Vuorisalmi will ein Konzept entwickeln, um diesen neurochemischen Zustand auch ohne Verliebtheit zu erreichen.

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die finnische Ärztin Emilia Vuorisalmi

Ihr sogenanntes „Rezept der beständigen Liebe“ besteht aus einem Kern und einer Hülle. Der Kern bildet sich aus den eigenen Bedürfnissen und Wünschen, die jeder für sich selbst definieren muss. Die Hülle besteht aus bestimmten Tätigkeiten, die das Funktionieren des Kerns unterstützen sollen, etwa Atemübungen, Ernährung und Bewegung. Man muss sich also zugleich um das seelische wie körperliche Wohlbefinden kümmern, weil beide sich gegenseitig beeinflussen. So weit, so bekannt. Für Vuorisalmi spielen in diesem Prozess aber auch die Hormone Dopamin, Serotonin und Oxytocin eine wichtige Rolle. Was bewirken diese Stoffe und wie bekommen wir sie?

Dopamin treibt uns an und entsteht durch Sinn, Kreativität und Träume

Dopamin gilt als das Antriebshormon. Es ist der Schlüssel zum Interesse an etwas Neuem, zur Konzentration, zum Lernen und zum Verwirklichen der Träume. Es wird unter anderem dann ausgeschüttet, wenn man im Job oder im Sport ein Ziel erreicht hat. Kurzfristig kann es auch aus schnellen Quellen wie Drogen, Essen, Shoppen oder Sex bezogen werden. Beständige und vor allem gesündere Dopaminquellen sind Sinn, Kreativität und Träume. Vuorisalmis Vorschläge: Denken Sie an Ihre tiefsten Überzeugungen und das, was Ihnen wichtig ist. Hören Sie auf Ihre innere Stimme. Leben Sie Kreativität mit Farben, Materialien und Musik aus, aber auch in den sozialen Beziehungen. Haben Sie keine Angst, Fehler zu machen. Vergegenwärtigen Sie sich Ihre Träume und überlegen Sie, wie Sie diese erreichen können. 

Einen schnellen und gesunden Schub Dopamin erhält man durch überschaubare Ziele, die man erreicht. Schreiben Sie sich zum Beispiel Listen mit den Aufgaben des Tages, auf denen Sie alles durchstreichen, was sie geschafft haben. Wenn es schwer fällt, in Gang zu kommen, erledigen Sie zuerst etwas, was Ihnen ganz leicht fällt. Versuchen Sie, Ihre Arbeit wirklich konzentriert am Stück zu erledigen und dafür auch richtige Pausen zu machen.

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Serotonin liebt das Bekannte und braucht Sicherheit, Ordnung und Anerkennung

Das Zufriedenheitshormon Serotonin ist stark abhängig davon, ob wir uns sicher fühlen, ob wir anerkannt werden und ob wir das Gefühl haben, unser Leben sei unter Kontrolle. Serotonin bestimmt unsere Laune und hilft uns dabei, soziale Faktoren und Stimmungen innerhalb einer Gruppe zu erkennen und unser Verhalten dementsprechend anzupassen. Das Hormon spielt auch eine entscheidende Rolle für Verdauung, Sättigungsgefühl, Schmerzempfinden und Schlafqualität. Es ist aber auch das Hormon der Willenskraft. Je mehr Serotonin wir haben, desto weniger anfällig sind wir für Drogen und anderes ungesundes Verhalten.

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Dr. Emilia Vuorisalmi: Super Gefühle. Die besten Tipps und Tools, um die Glückshormone in dir auszulösen, Lübbe life, 239 Seiten, 18 Euro

Der Serotoninspiegel erhöht sich, wenn wir für Sicherheit, Ordnung und Anerkennung sorgen. Dafür ist es wichtig, darauf vertrauen zu können, dass man als Mensch gut genug ist, dass das Geld reicht und dass man genug Liebe bekommt. Wenn man dazu neigt, Angstszenarien zu entwerfen, sollte man üben, die negativen Gedanken umzulenken und sich zu sagen, dass alles in Ordnung ist. Ein Sicherheitsgefühl entsteht auch durch die Verbindung mit anderen Menschen und die Anerkennung, die wir von ihnen bekommen. Eine weitere beständige Serotoninquelle ist Ordnung. Um innere Ordnung herzustellen, muss man als Erstes die Dinge aus seinem Gedächtnis entfernen, die auch woanders Platz haben, zum Beispiel auf einer Liste. Äußere Ordnung entsteht durch Aufräumen und Ausmisten. Auch Freude ist eine Serotoninquelle, deshalb sollte man sich unbedingt aktiv darum kümmern, regelmäßig etwas zu tun, das einem großen Spaß macht.

Oxytocin bindet uns an andere und entsteht durch Berührung, Präsenz und Dankbarkeit

Das Liebeshormon Oxytocin stärkt die zwischenmenschlichen Bindungen, fördert das Vertrauen und vermindert die Angst. Es gehört zur Partnersuche, zum Sex, zum Orgasmus, spielt eine zentrale Rolle bei der Geburt und beim Stillen und sorgt für eine starke Bindung zum Neugeborenen. Dank Oxytocin können wir die Emotionen anderer nachempfinden. Es führt auch dazu, dass wir unsere eigene Gruppe vehement verteidigen. Oxytocin wirkt beruhigend bei Stress und wird sogar in Nasensprays eingesetzt, um Posttraumatische Belastungsreaktionen oder Süchte zu behandeln. Auch gemeinsame Unternehmungen setzen Oxytocin frei.

Vuorisalmi setzt auf Berührung, Präsenz und Dankbarkeit, um Oxytocin zu erzeugen. Nähe und Berührungen können wir nicht nur durch Streicheln oder Umarmungen erleben, sondern auch, indem wir jemanden an der Hand halten oder ein Haustier streicheln. Aber auch nicht-physischer Kontakt wie Musik, Filme und jede Art von Kunst beruhigen uns, genauso wie die Natur und Wasser. Bewusste Präsenz im Moment soll dafür sorgen, zum einen die eigenen Gefühle besser zu verstehen, aber auch die der anderen Menschen. Präsenz kann man jederzeit und überall üben, indem man ganz bewusst wahrnimmt, was die Sinne einem melden. Außer durch Berührung und Präsenz erreicht man eine beständige Oxytocinausschüttung auch durch Dankbarkeit, indem man die guten Dinge im Leben erkennt und wertschätzt. Dankbare Menschen sehen negative Ereignisse in einem besseren Licht und haben mehr positive Gefühle. Dankbarkeit motiviert auch viele Menschen dazu, sich besser um ihre Gesundheit zu kümmern sowie Unterstützung und Ratschläge lieber anzunehmen.