Der Bad Münstereifeler Tennisclub Rot-Gold bietet ein spartenübergreifendes Sportprogramm für Kinder und braucht Fördergelder.
SporttreffKinder lernen in Bad Münstereifel mehr als nur Tennis
Auf dem Platz fällt sie auf: Sie ist klein, sie ist schnell und sie trifft fast jeden Ball. Dabei spielt die elfjährige Alina-Miley Reinartz erst seit fünf Wochen Tennis in Bad Münstereifel. Trotzdem kennt jeder auf dem Spielfeld ihren Namen.
Sie wirft ihren gestreckten Arm selbstbewusst in die Luft und brüllt „Tennisclub Rot-Gold“ wie eine junge Löwin. „Ich liebe diesen Sport“, sagt sie. Dabei könne sie gut ihre Wut rauslassen. Sie nimmt kurz vor dem Netz einen Ball an und schmettert ihn in das gegnerische Feld. Sie strahlt. Einen „Volley“ nenne man das, erklärt sie.
Für sie einer der besten Momente im Sport, „wenn man einfach so richtig draufhauen kann“. Der andere beste Moment: „Wenn ich gewinne.“ Sie lacht. Alina-Miley Reinartz ist nicht nur Tennisspielerin. Sie ist Sportlerin.
Mit dem Laufen begann für die Elfjährige auch die Freude an der Bewegung. Seit sieben Jahren ist sie jetzt Mitglied in Sportvereinen: Fußball, Tanzen, Boxen und seit kurzem auch Tennis.
Erwachsene müssen ausreichend Bewegung für Kinder gewährleisten
Stefan Schwanke, erster Vorsitzender des TC Bad Münstereifel e.V., findet, dass ihre große Sportbegeisterung ein gutes Beispiel dafür sei, wie gerne Kinder sich eigentlich bewegten. Und wie gerne sie Dinge ausprobierten. „Und dass sie das weiterhin können, das müssen wir Erwachsenen gewährleisten und fördern.“
Aus dieser Grundhaltung wurde in der hölzernen und mit Wimpeln behangenen Clubhütte des Vereins eine Idee geboren: Trainer Danny Zingsheim, Wolfgang Schmitz und weitere Vertreter aus dem Vorstand entwickelten das Förderkonzept „Zurück zur Bewegung“.
Trainer Danny Zingsheim fordert niedrigschwelliges Sportangebot
Die Idee dahinter sei, so Danny Zingsheim, ein niedrigschwelliges Sportangebot zu schaffen. Eines, das Kinder dazu bewege, auf dem Sportplatz „einfach mal vorbeizukommen und mitzumachen.“ Kinder blieben den Vereinen oft fern – gerade im Tennis.
Es sei an der Zeit sie zurückzuholen und zu halten. Denn nicht nur der Sport, auch das familiäre Vereinsleben tue den Kindern gut. Zingsheim: „Mutter, Vater, Geschwister – das reicht nicht aus als Familie. Kinder brauchen mehr.“
Das Projekt habe also zwei Komponenten, eine soziale und eine motorische. Um die motorische Komponente zu erläutern, beginnt Schwanke eine Anekdote zu erzählen: „Früher, auf der Straße, da sind wir – die Nachbarskinder und ich – Seilchen gesprungen. Stundenlang. Mit dem langen Seil.“
Mit verschiedenen Bewegungsabläfen trainieren Kinder ihre Motorik
Für die Motorik der Kinder, so Zingsheim, sei es wichtig, verschiedene Bewegungsabläufe zu erlernen. Im Muskelgedächtnis ergänzten sich die Bewegungen, bauten aufeinander auf. Das könne man auch an der Boxerin und Tänzerin Alina-Miley Reinartz sehen, sagt Schwanke. Im Tennis profitiere sie von der Koordination, die sie im Boxtraining erlernt habe.
Damit Kinder – so wie Reinartz – von früh an Muskelgedächtnis, Motorik und Teamgeist durch verschiedene Sportarten schulen, gibt es den Sporttreff in Bad Münstereifel. Im Rahmen des Förderkonzeptes sollen Kinder dort die ganze Woche über betreut werden, während sie verschiedene Sportarten ausprobierten, so Zingsheim. Schon strukturell sei der Tennisplatz dafür günstig gelegen, erklärt Schwanke.
Die Sportler versuchen, „Multiansatz“ für Bad Münstereifel zu schaffen
In direkter Nachbarschaft gebe es das Schwimmbad, einen kleinen Skatepark, einen Multifunktionsplatz und eine Basketballhalle. Zingsheim: „Und wir freuen uns, wenn die Jungs aus der Halfpipe hier auch mal einen Schläger in die Hand nehmen.“ Er ergänzt: „Jeder, der sich bewegen, der sich ausprobieren will, ist hier willkommen – egal, auf welche Art“.
In Bad Münstereifel versuche man gerade „einen „Multiansatz“ zu schaffen, erklärt er. Doch um so ein Projekt zu realisieren, brauchen die Sportler Hilfe. „Wir haben angefangen mit sechs Kindern, schnell waren es 20, jetzt sind es 84.“
Zunächst hätten sie versucht, den Ansturm ehrenamtlich zu stemmen. Aber schnell wurde klar: Es braucht professionelle Trainer. Wolfgang Schmitz sagt: „Wir wollen die sportliche Belastung, der die Kinder bei dem Programm ausgesetzt sind, mit Fachkompetenz begegnen.“
Der Tennisclub braucht Trainer, Ergotherapeuten und vor allem Geld
Dazu bedürfe es lizenzierter Trainer und Bewegungstherapeuten. „Damit ihnen nachher auch nichts weh tut, damit der Rücken nach fünf Jahren nicht kaputt ist und die Kinder die Freude am Sport lange behalten.“
Doch lizensierte Trainer und Ergotherapeuten kosten Geld. Die Sportler rechnen mit einer Summe von 35.000 Euro pro Jahr. Deswegen wandten sich die Bad Münstereifeler mit ihrem Projekt zunächst an Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian, dann an den Landtagsabgeordneten Klaus Voussem.
Der fragte Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt in NRW, um Hilfe. „Bei dem Titel eigentlich die geeignete Kandidatin für unser Projekt“, so Schmitz. Am Donnerstag besuchte die Staatssekretärin schließlich den Tennisclub – mit einer guten und einer schlechten Nachricht. Die Gute: „Für solche Projekte gibt es große Fördertöpfe.“ Die schlechte: „Da bin ich aber leider die falsche Ansprechpartnerin.“
Denn die Staatssekretärin sei nicht diejenige, die entscheide, wo das zur Verfügung stehende Budget hinfließe. Doch nahm Milz sich die Zeit, sehr detailliert aufzuzeigen, bei welchen Stellen der Verein sich um welche Gelder bewerben könne. Bürgermeisterin Preiser-Marian schrieb fleißig mit. Am Ende hinterließ Milz drei Lebkuchen mit der Aufschrift „Viel Erfolg“, eine Menge wertvoller Hinweise, einen Teil Enttäuschung und einen Teil Hoffnung. „Bei solchen Projekten gehört es dazu, dass man die Augen geöffnet bekommt“, sagt Schwanke: „Immerhin wissen wir jetzt, wo es lang geht.“