45,5 Millionen Euro kostet der Anbau der Kreisverwaltung. Nun wurde er offiziell eröffnet. Auch die neue Arbeitswelt hat Einzug gehalten.
EröffnungAnbau der Kreisverwaltung Euskirchen stößt auf viel Lob und vereinzelte Kritik

Ein Blick in die Leitstelle: Der junge Besucher Oskar durfte sich mal an einen der Disponentenplätze setzen. Ansonsten ist es fast unmöglich, unbefugt in die Rettungsleitstelle zu gelangen.
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Oskar traute sich zunächst nicht. Erst als Martin Fehrmann, Leiter der Gefahrenabwehr im Kreis Euskirchen, ihm freundlich zunickte, nahm der Junge dann doch vorsichtig vor den großen Bildschirmen in der nagelneuen, hypermodernen Rettungsleitstelle Platz.
An diesem Sonntag ging so einiges, was sonst nicht geht. Der Kreishaustrakt D wurde offiziell eröffnet. Auch wenn einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreises sowie des Jobcenters in den vergangenen Wochen die Arbeit in den neuen Räumlichkeiten aufgenommen haben und ein kleiner Wasserrohrbruch schon die Belegschaft kurzfristig aufschreckte: Am Sonntag wurde der Bau nun von Kaplan Johannes Schulte-Eickhoff eingesegnet und unter anderem von Landrat Markus Ramers das obligatorische Band durchschnitten.
45,5 Millionen Euro kostet der Kreishausanbau in Euskirchen
Es habe auch etwas mit Erleichterung zu tun, gestand der Landrat. Zu wechselvoll war die Entstehungsgeschichte dieses Baus, als dass die Eröffnung ohne einen befreienden Seufzer hätte über die Bühne gehen können.
Doch für den Bau habe es gute Gründe gegeben. „Etwa die räumliche Enge im Haupthaus, was dazu führte, dass mehr und mehr Abteilungen ausgelagert werden mussten“, so Ramers. Nun seien die Wege wieder kurz – sowohl für die Beschäftigten in der Verwaltung, als auch für die Bürgerinnen und Bürger, denen die Verteilung der Abteilungen übers Stadtgebiet in Euskirchen oftmals Schwierigkeiten bereitete, den oder die richtigen Ansprechpartner zu finden.

Auch ein Moment der Erleichterung: Mit dem Durchschneiden des Bandes zum neuen Trakt endete eine Bauzeit, die bis zuletzt reichlich Nerven und Geld kostete.
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Alles ruhig zurzeit: Im Raum des Führungsstabs geht es nicht immer so entspannt zu wie bei der Besichtigung am Tag der offenen Tür.
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Iris Poth wusste in diesem Moment genau, wovon der Landrat da sprach. Die von ihr geleitete Wirtschaftsförderung etwa hatte in ein Gebäude an der Frauenberger Straße ziehen müssen – für ganze acht Jahre. „Da haben wir uns natürlich gefreut, wieder bei den anderen Kollgen sein zu dürfen“, erinnert sie sich an die Rückkehr vor einigen Wochen.
Daneben haben nun die Beschäftigten der Abteilung Schulen, das Kommunale Bildungs- und Integrationszentrum sowie der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst ihre Arbeitsplätze in dem neuem Trakt, der eine Gesamtfläche von rund 9600 Quadratmetern umfasst.
Moderne Arbeitsplätze auf rund 9600 Quadratmetern Gesamtfläche
Davon nimmt alleine das Jobcenter der Agentur für Arbeit, die dem Kreis Miete für die Nutzung der 95 Büros zahlt, 3600 Quadratmeter in Anspruch. Das Jobcenter hat einen eigenen Eingang zu dem Neubau, der Zugang vom Kreishaus aus bliebt aus Sicherheitsgründen geschlossen.
Ohne Luxus, aber funktional und der Arbeitsgesundheit förderlich sollten die neuen Räumlichkeiten sein, was auch weitgehend gelungen sei, wie die anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erklärten. Wenn auch einige Kritik geäußert daran wurde, dass die Fensterrahmen in schwarz gehalten wurden.
„Wir haben 25 Arbeitsplätze für 33 Leute“, erläuterte die Leiterin des Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrums, Sabine Sistig. Homeoffice war also frühzeitig in die Planungen einbezogen worden.
Beschäftigte können ihre Arbeitsplätze per App buchen
Und nicht nur das. Bettina Ismar etwa schwärmt geradezu vom Desk-Sharing. „Montags“, so erklärt die Teamleiterin des Regionalen Bildungsbüros, „arbeite ich immer mit einer Kollegin in einem Büro, weil das für die Planung am besten ist. Doch an den anderen Tagen wechsele ich das Büro, arbeite mal mit dem einen Kollegen in einem Büro, mal mit einer anderen Kollegin in einem anderen Büro.“
Bis zu vier Wochen im Voraus könnten die Beschäftigten ihre Arbeitsplätze in einer App buchen, sagt Ismar. Das fördere das Arbeitsklima, die Beziehungen untereinander und die Kreativität. Schallschluckende Wandbekleidungen sorgen dafür, dass alle in Ruhe arbeiten und vertrauliche Anliegen der Bürgerinnen und Bürger niemand mitbekommt, der es nicht soll.
Beeindruckt zeigten sich die Besucher von der Rettungsleitstelle – vor allem davon, wie streng abgesichert die 1900 Quadratmeter sind. Zugänglich sind sie nur mit besonderen Schlüsselkarten und Zahlencodes, um Angriffe auf die kritische Infrastruktur abzuwehren.
Wie sicher dort alles ist, musste ein Bauarbeiter erfahren, der mal ein bisschen frische Luft schnappen wollte. Raus auf die Terrasse in der dritten Etage kam er noch, aber nicht mehr rein. „Der Mann hatte sich ausgesperrt, kam dann nicht mehr rein und musste mit der Drehleiter gerettet werden“, erzählte Martin Fehrmann.
So reagierten die Gäste auf den Anbau der Kreisverwaltung in Euskirchen
Er freue sich zwar, dass der Anbau nun fertig sei, sagte FDP-Fraktionschef Frederik Schorn. „Es wirkt aber ein wenig aus der Zeit gefallen, im Jahr 2025 einen so großen Bürotrakt zu eröffnen.“ Mehr Digitalisierung, Homeoffice und Berücksichtigung der neuen Arbeitswelt in der gesamten Verwaltung hätten die Ausgaben viel niedriger halten können.
Die CDU-Fraktionschefin Ute Stolz findet das Gebäude „sehr beeindruckend“. Toll sei es, dass die Räumlichkeiten der neuen Arbeitswelt angepasst worden seien. Dadurch, dass nicht für jede Stelle ein Arbeitsplatz geschaffen werden musste, sei Geld gespart worden. „Aber wir wollen auch eine gewisse Erreichbarkeit für die Bürgerinnen und Bürger erhalten“, sagte Stolz. Sie trauere der Holz-Hybrid-Bauweise nach, die hätte dem Gebäude eine ansprechende Wärme verliehen. Das aber fand aber keine Mehrheit im Kreistag.
Johannes Adams, 2018 pensionierter Kreisverwaltungsdirektor, hatte die Anfänge des Vorhabens maßgeblich mitgestaltet. „Der Anbau gefällt mir sehr gut“, sagte er bei der Einweihung. „Die große Lösung (Leitstelle, Rückkehr ausgegliederter Abteilungen und Jobcenter, d. Red) war die einzig vernünftige“, erinnerte Adams an die zahlreichen Wirtschaftlichkeitsberechnungen.