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TurnierAngespannte Stille beim Schnellschach im Euskirchener Emil-Fischer-Gymnasium

Lesezeit 4 Minuten
Konzentriert sitzen sich Schachspielerinnen und Schachspieler gegenüber, in der Mitte vor ihnen das Spielbrett mit den Figuren.

Hoch konzentriert: Schachspieler im Turnier in der Mensa des Emil-Fischer-Gymnasiums.

Nur ab und an war ein Klacken zu hören, wenn die Spieler im Euskirchener Turnier nach jedem Zug auf die Zeitmesser tippten.

In der Mensa des Emil-Fischer-Gymnasiums war es ganz still, als die 16 Schachspieler ihr „Nordeifel-Schnellschach-Gipfel“-Turnier absolvierten. Die Anspannung in den Gesichtern war unübersehbar. Es gibt wohl keine zweite Sportart, die so geräuschlos vonstatten geht.

Nur ab und an war ein Klacken zu hören, wenn die Spieler ihren Zug gemacht hatten und auf die bereitgestellten Zeitmesser mit Kippschalter tippten. Damit bewirkten sie, dass nun für die Gegner die Zeit ablief. Fünfzehn Minuten hatte jeder insgesamt für seine Züge zur Verfügung. War die eigene Zeit vor der gegnerischen abgelaufen, hatte man verloren. Mit jeder abgelaufenen Minute stieg die Spannung. Kurz vor Ablauf der Zeit wurde es dann regelrecht hektisch, und die Spieler versuchten noch schnell, zu einem Sieg zu kommen.

Gespielt wurde in Euskirchen nach dem Schweizer System

„Wir haben heute Abend nach dem Schweizer System gespielt,“ erklärte Ralf Blumenthal, der Vorsitzende des Schachklubs Turm Euskirchen 1965, im Anschluss. Eingeladen waren zu diesem Turnier auch Schachspieler anderer Vereine. Der jüngste Teilnehmer war gerade mal elf Jahre alt und hieß Ben Klinkhammer: „Ich bin seit vier oder fünf Monaten im Schachverein“, freute er sich sichtlich stolz, „es ist mein zweites Turnier. Ich habe Schach auf einer Klassenfahrt kennengelernt und bin dann in die Schach-AG unserer Schule gegangen. Meine Mama hat dann im Internet den Verein gefunden. Schach ist spannend. Da kann man viel lernen, und es macht Spaß, neue Leute kennenzulernen.“

Ben war keine Enttäuschung anzumerken, wenn er eine Partie nicht gewonnen hatte. Unter den Erwachsenen, die bis 70 Jahre alt waren, fühlte er sich sichtlich wohl. Überhaupt sah man nur erleichtertes Lächeln, wenn wieder eine Runde zu Ende ging. Allen schien das Taktieren auf dem schwarz-weißen Brett großes Vergnügen zu bereiten, auch wenn sie nicht gewonnen hatten.

Es gibt mehrere Vereinsmitglieder, die inzwischen weggezogen sind und dennoch zu unseren Turnieren kommen.
Ralf Blumenthal, Vorsitzender des Schachklubs Turm

Den Turniersieg trug an diesem Abend Robert Herzwurm nach Hause. Den zweiten Platz belegte Jürgen Neubauer aus Kuchenheim. Herzwurm wohnt nicht mehr in Euskirchen, aber dem Verein ist er treu geblieben. Blumenthal freute sich über die Verbundenheit: „Es gibt mehrere Vereinsmitglieder, die inzwischen weggezogen sind und dennoch zu unseren Turnieren kommen.“

Blumenthal erzählte auch darüber, dass man der starken Nachfrage nach Einführungskursen ins Schach durch Einrichtungen und Schulen aus Mangel an qualifizierten Trainern gar nicht nachkommen könne. Der Verein leiste schon eine Menge an Schulungsarbeit – „und das kostenlos“. Das Interesse an Schach sei groß.

Auch eine Frau war beim Turnier dabei. Sie hatte in einer Partie auf ihrem Brett nach wenigen Zügen eine regelrechte Verteidigungsmauer errichtet, um ihre Hauptperson, den König, vor feindlichen Angriffen zu schützen. Lange überlegte ihr Gegner, wie dennoch ein Vorstoß gelingen könne. Eine schwierige Situation. Bräche er in die Reihen der Gegnerin ein, würde er wichtige Figuren verlieren, das war ihm klar. Bräche er nicht ein, würde er am Ende Verlierer nach Zeit sein.

Angriffe auf dem Schachbrett können schnell in einem Gemetzel enden

Angriffe im Schach können schnell in einem „Gemetzel“ enden, und es ist nicht ausgemacht, wer das am Ende gewinnen wird. Oft gibt es keinen wirklichen Sieger und fast immer liegen am Ende viele Figuren geschlagen neben dem Spielfeld. Besonders die einfachen Kämpfer, die Bauern, fallen als Erste. Strategie und Machtgewinn sind für einen Sieg entscheidend. Vieles im Schach erinnert unweigerlich an reale Konflikte in der Welt. Das jahrtausendealte Spiel macht deutlich, dass Kriege ohne Verluste nicht zu gewinnen sind. Und auch in der realen Welt sind am Ende eines Krieges – auch wenn es einen Sieger gibt – beide Seiten dennoch Verlierer.

Solche Überlegungen spielten im Turnier am Emil keine Rolle. Heinrich Bauchmüller begleitet dieses Strategiespiel schon fast sein Leben lang: „Mein Vater hat mir das mit zehn Jahren beigebracht. Ich spiele schon seit ungefähr 50 Jahren.“ Er gehörte zu den älteren Spielern der sehr gemischten Turniergruppe.

Am Ende des Turniers ging niemand leer aus

Der Schachverein seinerseits ist für jede Unterstützung dankbar. „Wir sind sehr froh, dass wir die Mensa der Schule für das Turnier nutzen dürfen,“, ließ Blumenthal wissen. Man verfüge inzwischen auch über einen Computer und ein Programm, um die Teilnahme an Turnieren von zuhause aus durchführen zu können. „Das hat uns der Kreissportbund ermöglicht,“ so Blumenthal weiter: „Wir sollten damit die Möglichkeit bekommen, während der Corona-Zeit unseren Sport fortsetzen zu können.“ Die Gelder stammten von React-EU, einem Hilfsprogramm der EU in der Pandemie.

Am Ende des Abends durfte sich jeder aus einem Karton einen kleinen Preis fischen. Keiner ging leer aus. Auch im Schach pflegt man einen guten Sportgeist.

Wer Interesse am Schach hat, kann sich über die Homepage des Vereins informieren oder sich mittwochs im Vereinslokal Dalmacija an der Münstereifeler Straße in Euskirchen einfinden. Um 17.30 Uhr trifft sich die Jugend, ab 19 Uhr sind die Senioren am Zug.