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Nagespuren im DiepentalBiber besiedeln Leverkusen-Leichlinger Grenzgebiet

Lesezeit 3 Minuten
Hier lebt ein Biber, Spuren in Diepental: Von Weiden haben die Tiere die Rinde abgenagt, einige große Bäume haben sie schon gefällt.

Hier lebt wohl ein Biber, Spuren in Diepental: Von Weiden haben die Tiere die Rinde abgenagt, einige große Bäume haben sie schon gefällt.

Die Tiere leben vermutlich noch nicht lange dort.

Mit etwas Glück kann man die neuen Bewohner der Diepentalsperre in der Dämmerung beobachten. Deutliche Spuren an den Bäumen und am Boden zeigen an, dass sich wohl der Biber in der alten Talsperre niedergelassen hat. Unbemerkt haben sich die Tiere in Diepental angesiedelt. Sie leben dort noch nicht lange, aber über den Winter haben sie schon ein paar große Weiden gefällt, um an die frische Rinde in den Baumkronen zu kommen.

Die Rinde ist eine der wichtigen Nahrungsquellen des großen Nagetiers, weshalb es sich die Mühe macht und mit seinen scharfen Zähnen große Bäume mit Stammdurchmessern von vielleicht 40 Zentimetern fällt. Im Wasser dümpeln weiße abgenagte Knüppel und an abgeschälten Bäumen sieht man die Spuren der Zähne.

Dieser Baum wurde mit Zähnen geschält.

Dieser Baum wurde mit Zähnen geschält.

Das hauptsächliche Wohngebiet der Tiere scheint der nicht betretbare obere Teil des ehemaligen Teiches zu sein, etwa gegenüber dem alten Gasthaus Diepental, der schon seit etwa 2012 nicht mehr unter Wasser steht. Damals entschlossen sich die Behörden, dass man den Wasserspiegel wegen der Gefahr eines Dammbruchs absenken müsse. Dagegen entwickelte sich zuerst Protest. Übrig geblieben ist eine stark verkleinerte Wasserfläche im oberen See vor dem Kiosk.

Der untere See, der einmal ein Fischereigewässer war, ist komplett abgelassen und bewachsen. Nach dem Ablassen entstand zuerst eine fiese, nicht betretbare Schlammfläche, die aber schnell grün wurde und durch die der Murbach sein ein neues Bachbett fand. Heute mäandert er in weiten Schleifen durch einen lichten Weidenbestand; kein Wunder, dass der Biber das Gebiet schätzt. Neben den abgenagten Bäumen hat sich das Tier mit dem schönen Pelz und flachen Schwanz regelrechte Schlamm- Rutschbahnen über die Uferböschungen in den Murbach eingeschliffen.

Diese Schlamm-Rutschbahn haben die Tiere am Ufer eingeschliffen.

Diese Schlamm-Rutschbahn haben die Tiere am Ufer eingeschliffen.

Das Vorhaben, in Diepental den alten Teich zu renaturieren, ist somit gründlich gelungen. Der Biber hat in der Natur den Status „streng geschützt“ und darf nicht einmal gestört werden, geschweige denn, dass man in seinen Lebensraum eingreift. Familie Leßmann, die in Diepental ein Tagungszentrum bauen will, schreibt auf einer Informationstafel: Eine ökologische Erlebniswasserfläche solle im oberen See angelegt werden, die das Bötchenfahren wieder möglich machen soll. Ein Bootsverleih auf der Talsperre war früher Kult, 2014 wurden die Boote verkauft. Unklar, ob es zu einer Renaissance der romantischen Bootsfahrerei jetzt noch kommen kann, denn die Biber könnten gestört werden, auch wenn sich Biber durchaus in der Nähe von Siedlungen niederlassen.

Ein abgenagter Knüppel von einer Weide.

Ein abgenagter Knüppel von einer Weide.

Vom Wupperverband heißt es dazu: „Der Biber ist inzwischen wieder an einige Stellen zurückgekehrt. Wir selbst führen keine Kartierung von Biberstandorten durch. Bezüglich des Projektes Diepentalsperre sind wir im engen Austausch mit Behörden und auch Naturschutz- und Umweltfragen – auch den Biber betreffend – werden hierbei mitberücksichtigt.“

Laut dem Leverkusener Nabu-Vorsitzenden Hans-Martin Kochanek dürfte es unwahrscheinlich sein, dass der Biber in Diepental wieder einen Stausee anlegen könnte, denn er hat eigentlich alles, was er braucht. Stauen müsse er nur, wenn die Eingänge zu seinem Biberbau bei Niedrigwasser nicht mehr überflutet wären, aber die Gefahr besteht in Diepental nicht. Die gefällten Bäume sind für Naturschützer auch kein Problem, das sei Waldverjüngung. Antreffen kann man den großen Nager auch an anderen Stellen in der Wupper, wer sich nachts an der Dhünnmündung still hinsetzt, hat Chancen, dass einer im Fluss seine Runden dreht.