Seit 50 Jahren gibt es Brillen Schmidt in Wiesdorf. Inhaberin Dorothee Schmidt über das Erfolgsgeheimnis des Familienunternehmens.
OptikerLeverkusener Familienunternehmen Brillen Schmidt feiert 50. Geburtstag

Inhaberin Dorothee Schmidt am Schleifautomaten.
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Es ist das letzte Einzelunternehmen dieser Branche, das es in Wiesdorf noch gibt: Das Optikgeschäft Brillen Schmidt feiert an diesem Montag seinen 50. Geburtstag. 1975 eröffnete Detlef Schmidt das Geschäft am Wiesdorfer Marktplatz. Es lief damals so gut für den Optiker, dass er bereits nach einem Jahr in das heutige Ladenlokal nahe dem Rathaus ziehen konnte.
„Ich habe meinen Vater immer sehr bewundert, weil er den ersten Laden sogar selbst gebaut und alles finanziell gestemmt hat“, erinnert sich Detlef Schmidts Tochter Dorothee Schmidt heute, „er war ein sehr kreativer Mensch und voller Tatendrang“. Detlef Schmidt führte bald schon mehrere Filialen in Leverkusen und Köln. In Köln habe ihr Vater als erster ein Kinderbrillengeschäft eröffnet, erzählt Dorothee Schmidt.
Ich möchte gegen die zunehmende Anonymität arbeiten.
Als Schmidt das Geschäft eröffnete, war er 29 Jahre alt, seine Tochter gerade einmal acht. Bereits in diesem Alter sei sie von dem Beruf begeistert gewesen, sagt die heutige Augenoptikermeisterin: „Ich habe zu meinem Vater ziemlich aufgeguckt und fand die Atmosphäre, das Persönliche, im Geschäft immer toll.“ Diese Einstellung hat sie bis heute beibehalten. Die enge Bindung zu den Kundinnen und Kunden habe sie von ihrem Vater mitgenommen. „Ich möchte gegen die zunehmende Anonymität arbeiten, die das Internetshoppen zum Beispiel mit sich bringt“, sagt sie. Das sei auch das, was ihr Kundenstamm an ihrem Geschäft schätze.
Außerdem sei sie schon immer handwerklich geschickt gewesen und wollte diesen Aspekt auch in ihrem Geschäft beibehalten. Deswegen stellt Schmidt nur ausgebildete Optiker oder Optikermeister an, keine Einzelhandelskaufleute. Schließlich würde sonst einfach die notwendige handwerkliche Fachkompetenz fehlen. „Wir als Handwerker können uns ganz genau vorstellen, wie das Glas mit dieser Stärke in der Brille aussieht“, klärt Schmidt auf. Am Schleifautomaten in der hauseigenen Werkstatt können Schmidt und ihre Kolleginnen und Kollegen die Gläser für die jeweilige Brille passend machen. „Das geht wesentlich schneller, weil wir lediglich auf die Glaslieferanten angewiesen sind. Außerdem kann man den Kunden eine ganz andere Flexibilität und Service bieten“, erklärt Dorothee Schmidt.
Leverkusen: Kundenbedürfnisse haben sich verändert
In den vergangenen Jahren hätten sich die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden allerdings deutlich verändert. Die enorme Anzahl an Vergleichsmöglichkeiten, die den Menschen durch das Internet zugänglich ist, erschwert ihre Arbeit laut eigener Aussage. „Die Leute sehen im Internet eine Brille, die wir womöglich nicht haben und die auch gar nicht zu ihrem Typ passt“, sagt sie und: „Einer meiner Kunden hatte eine Brille im Internet bestellt und musste sie dreimal zurückschicken, weil die Stärke nicht gepasst hat.“ Aus diesem Grund sei es wichtig, sich in einem Fachgeschäft richtig beraten zu lassen, eine Brille sei immerhin wie eine Art „Prothese“.
Dass ihr Handwerk Mode und Gesundheit kombiniert, begeistert Schmidt ebenfalls an ihrem Beruf. „Es ist fantastisch, dem Kunden zu helfen und gesundheitsorientiert arbeiten zu können“, sagt sie. Besonders interessant finde sie dabei außergewöhnliche Fälle – starke Kurz- oder Weitsichtigkeit, bei denen sie versuchen müsse, den bestmöglichen Effekt zu erzielen, ohne dass das Glas zu klobig aussehe.
Leverkusen: Optikerin Schmidt plant Events anlässlich des Jubliäums
Für die Zukunft möchte sich Dorothee Schmidt auf junge Menschen ausrichten, die seien schließlich die Zukunft. Außerdem wünscht sie sich, dass das Vermächtnis ihres Vaters noch lange Bestand hat und nicht „von der nächsten Kette verschlungen wird“. Immerhin ist das 50-jährige Bestehen des Geschäfts für die 57-Jährige etwas ganz Besonderes. „Das Jubiläum bedeutet für mich auch viele Emotionen, denn mein Vater lebt ja nicht mehr“, sagt sie. Auch ihre Mutter sei sehr verbunden mit dem Geschäft gewesen: „Es war ein Familienprojekt“, sagt Schmidt abschließend.
Anlässlich des Jubiläums plant Dorothee Schmidt für den 24. März eine interne Feier. Am 29. März möchte sie offiziell feiern – mit Lostrommel und Brillenausstellung. Zum Programm verrät sie: „Die Leidenschaft meines Vaters war das Zaubern. Man kann sich also von dem Überraschungsgast verzaubern lassen.“