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Bunker NiederfeldstraßeLeverkusen bekommt einen Maschinenraum für künstliche Intelligenz

Lesezeit 3 Minuten
Bunker Niederfeldstraße. Foto: Ralf Krieger

Der Bunker Niederfeldstraße wird Server-Raum für künstliche Intelligenz.

Der Bunker Niederfeldstraße soll von „Getgenius Inc.“ für ein KI-Rechenzentrum genutzt werden.

Den Aufstieg Leverkusens vor über 100 Jahren begründete die damals hochinnovative Chemie- und Pharmabranche. Liest man die Mitteilung der Stadtteilentwicklungsgesellschaft Wiesdorf Manfort (SWM), könnte der Stadt ähnliches bevorstehen. Demnach ist es gelungen, dass das Unternehmen „Getgenius Inc.“ aus der KI-Branche (Künstliche Intelligenz) in Wiesdorf investieren will. Das Washingtoner Unternehmen soll laut SWM seine Europazentrale nach Leverkusen verlegt haben, das muss sehr kurzfristig geschehen sein, denn im hiesigen Handelsregister sind die Amerikaner noch nicht auffindbar.

Kern des Geschäfts soll der Weltkriegsbunker in der Niederfeldstraße sein: Dort will man ein auf KI spezialisiertes Rechenzentrum einrichten. Ein Expertenteam habe die Standortvorteile des Bunkers äußerst positiv bewertet, schreibt die SWM. Die außergewöhnlich gute Infrastruktur für die Errichtung dieses hochdifferenzierten Bauwerks sei bemerkenswert und entscheidende Parameter wie Netzstabilität, Energieversorgung sowie Energiekosten seien gegeben. Und Bunker schützen das empfindliche Innere sicher, auch das dürfte eine Rolle spielen.

Um den Bunker in der Niederfeldstraße wird gerodet, er soll jetzt in das ‚Businesszentrum‘ einbezogen werden.

Um den Bunker in der Niederfeldstraße wird gerodet, er soll jetzt in das 'Businesszentrum' einbezogen werden.

Tatsächlich benötigen derartige Rechenzentren enorm viel Strom, der kontinuierlich fließen muss. Woher der kommen soll? „Das steht noch nicht fest. Ich kann der Firma natürlich nicht vorschreiben, wo sie ihren Strom kauft“, sagt SWM Geschäftsführer Björn Krischik. Currenta betreibt fast nebenan ein eigenes Kohlekraftwerk, dessen Kohlenhalde man auf Luftbildern sehen kann. Und viel Strom erzeugt viel Wärme, auch die muss am besten irgendwie genutzt werden. „Auch da sind wir in Gesprächen“, sagt Krischik. Ob die Abwärme ins Fernwärmenetz eingespeist werden könnte? Das alles ist noch offen. Diese Frage der Abwärme ist mitten in der Stadt besser zu lösen als in einer Halle im Nirgendwo auf der grünen Wiese. 

Um den Bunker in der Niederfeldstraße wird gerodet, er soll jetzt in das "Businesszentrum" einbezogen werden. Foto: Ralf Krieger

Eine alte Toilette im Bunker.

Die Programme, die die Washingtoner Firma auf den künftigen Wiesdorfer Servern laufen lassen will, können Texte, Bilder und Videos auf schriftliche Befehle erzeugen und automatisiert Mitteilungen in sogenannten sozialen Medien erzeugen. Mit anderen Programme lassen sich Geschäftsprozesse in Unternehmen von der KI verwalten, etwa die interne Materialplanung, oder Kundenbeziehungen auswerten: Wer hat wann was gekauft, wo im Internet bewertet.

Innen sieht es derzeit noch so aus.

Innen sieht es derzeit noch so aus.

Die Programme sollen nicht in Leverkusen entwickelt werden, hier sollen im Bunker die Server laufen, wie in einem KI-Maschinenraum. Björn Krischik sieht auch, dass da zunächst einmal nicht gerade Massen an Arbeitsplätzen entstehen dürften. Dennoch: Auch die räumliche Nähe zu den KI-Servern könnte einen Vorteil bieten, sagt Krischik, dessen SWM jetzt auch am alten Plan eines kleinen Gewerbezentrums neben dem Bunker zwischen Sankt Antonius und der Niederfeldstraße arbeitet.

Vor kurzem hat die SWM den Bunker in der Niederfeldstraße gekauft und außen herum vom Bewuchs und großen Mengen Müll wie Fahrradleichen befreit. Zudem wurde der Bunker wieder einmal mit einer neuen Tür verschlossen, denn er war immer wieder aufgebrochen worden. Wer sich ins stockdunkle Innere vorwagte, merkte schnell: Der aufgebrochene Bunker war ein trockener Unterschlupf für Obdachlose und andere Gruppen. Müll und Graffiti, auch Hakenkreuze, sind darin zu finden. Es gibt sogar noch alte Toilettenanlagen. Der Bunker wurde 2002 als Denkmal geschützt. An der Ostseite finden sich tellergroße Einschusskrater.

Bunker Niederfeldstraße. Foto: Ralf Krieger

Einschuss am Bunker Niederfeldstraße. Foto: Ralf Krieger


Der zweigeschossige denkmalgeschützte zweigeschossige Luftschutz-Hochbunker mit Grundriss von 15 mal 61 Metern wurde von November 1941 bis Mai 1944 erbaut, aber nie ganz fertig. Man nutzte ihn als Provisorium. Am 12. März 1945 starben auf der östlichen Bunkerseite sieben Kinder beim Spielen, 13 wurden schwer verletzt. Ungeklärt blieb, ob das eine fehlgeleitete Granate der Deutschen war, denn die Amerikaner lagen auf der anderen Rheinseite und hätten kaum die Ostseite treffen können, von der deutschen Flak am Kurtekotten war das möglich. Bis 1994 nutzte der Zivilschutz den Bunker als Lager. Seither steht er leer. Die SWM soll ihn von einer Privatperson gekauft haben. Laut Denkmalliste soll der Bunker einen eigenen Brunnen gehabt haben, obwohl seine Lage zwischen Bayerwerk und Giftmüll-Anschüttung keine besonders gute Wasserqualität vermuten lässt. (rar)