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Schließung des TechnikumsWer bei TMD Friction in Leverkusen keine Zukunft mehr hat

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Blick auf die Zentrale von TMD Friction in der Schlebuscher Straße.

Im alten Textar-Werk wird nun auch noch die wichtige Entwicklungsabteilung geschlossen. Am Mittwoch informierte die Geschäftsführung die Belegschaft in einer Betriebsversammlung.

Mit dem Technikum verliert die Konzernzentrale ihr Herzstück. Am Mittwoch erfuhren die Beschäftigten, welche Konsequenzen das für sie hat.

Seit Mittwochmittag liegen die Karten auf dem Tisch. TMD Friction schließt das Technikum in Leverkusen zum 31. Juli unwiderruflich. Damit verliert das Stammwerk nach großen Teilen der Produktion sein technologisches Herzstück. Das soll, wie berichtet, in Rumänien wieder aufgebaut werden. In der Fixheide wird bezweifelt, dass dies gelingt. Die Schließung kostet 37 Beschäftigte ihren Job – und kaum jemand hat die Möglichkeit, im Unternehmen zu bleiben. So steht es im Interessenausgleich, den die Geschäftsführung um David Baines mit dem Vorsitzenden des Betriebsrats, Michele La Torre, ausgehandelt hat. In einer Betriebsversammlung, die für 13 Uhr anberaumt war, wurden die Vereinbarungen den Betroffenen vorgestellt. Eine Stellungnahme gegenüber dem „Leverkusener Anzeiger“ gab es am Mittwoch nicht mehr.

Bis zum Schluss – auch das geht aus den schriftlichen Abmachungen hervor, die dem „Leverkusener Anzeiger“ vorliegen – hat sich die Mitarbeitervertretung dagegen gewehrt, dass neben den 32 Beschäftigten des Technikums fünf Kollegen gekündigt werden, die gar nicht dazu gehören. Sie arbeiten der Abteilung nur dann und wann zu und haben sonst andere Aufgaben. Dieser Kampf war vergebens: „Der Arbeitgeber hat die Argumente des Betriebsrats zur Kenntnis genommen. Er hält ihrer ungeachtet an der unternehmerischen Planung fest“, heißt es zu diesem Streitpunkt im Interessenausgleich.

TMD lobt acht Jobs aus – Gekündigte müssen sich darauf bewerben

Von den 37 Betroffenen können maximal acht bei TMD Friction bleiben: Allerdings müssen sie sich schnell bewerben und in einer Auswahl durchsetzen. Dazu zählt Probearbeit. Drei könnten einen Arbeitsplatz im Prüffeld annehmen, fünf im Lager des weltweit führenden Reibbelagherstellers. Das steht in Hitdorf und ist in der ursprünglichen Rossmann-Halle am Rhein untergebracht. Weil die Lagerarbeit schlechter bezahlt wird als die Tätigkeit im Technikum, zahlt TMD Friction einmalig einen Ausgleich von 10.000 Euro.

Wer im Technikum nicht mehr gebraucht wird, kann gehen und wird bis Ende Juli weiter bezahlt. Wer weiter arbeitet, bekommt mit dem letzten Gehalt einen Bonus von maximal 5000 Euro. Die zahlt TMD Friction aber nur, wenn die Produktionsziele zu 100 Prozent erreicht werden. Weiteres Geld fließt, wenn die Betroffenen nicht gegen ihre Kündigung klagen: 15.000 Euro lässt sich die Geschäftsführung die daraus resultierende „Planungs- und Rechtssicherheit“ kosten. Allerdings ist das ein Bruttobetrag.

„Lächerliche“ Abfindungssummen mit Obergrenze

Die Abfindungsregelung ruft deutliche Kritik bei den Betroffenen hervor. Die Summen seien „lächerlich“, hieß es am Mittwoch. TMD Friction nimmt das Bruttogehalt – freilich ohne Schicht- oder andere Zulagen – und multipliziert das mit der Betriebszugehörigkeit sowie einem Faktor, der vom Alter abhängt: Der liegt mit 1,0 am höchsten für Textarianer zwischen 54 und 59 Jahren. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass sie wohl kaum noch einen Job finden werden. Bei einem 60-Jährigen fällt der Faktor auf 0,7, bei einem 61-Jährigen auf 0,5, ab 62 auf 0,4. Dann, so der offenkundige Gedanke, ist es nicht mehr allzu lange bis zur Rente mit 67. Wer Kinder hat, für die er aufkommen muss, bekommt pro Nase 1500 Euro zusätzlich. Allerdings gibt es eine Obergrenze für die Abfindungssumme.

Weil ein Teil der Jobs nicht erst Ende Juli, sondern bereits Ende April wegfällt, hat die Geschäftsführung eine „Sprinterprämie“ ausgelobt: Für jeden Monat, den man vor Ende der Kündigungsfrist geht, legt TMD Friction ein halbes Bruttogehalt auf die Abfindung.

Aber auch für Essen, wo die Produktion von TMD Friction in Deutschland konzentriert wurde, gibt es schlechte Nachrichten: Vorige Woche kündigte die Geschäftsführung an, dass in dem in den vergangenen Jahren aufwändig aufgerüsteten Werk 150 Stellen wegfallen.

Unterdessen treibt die in Leverkusen ansässige Konzernspitze den Umbau voran: Den 50-Prozent-Anteil am Gemeinschaftsunternehmen mit Hella hat TMD Friction abgegeben. Seit dem vorigen Oktober vertreibt Hella Bremsen und verwandte Ersatzteile unter eigenem Namen und in eigener Regie. Die Produkte kommen indes weiter von TMD Friction. Das sichert immerhin Produktion. Ob in Deutschland, steht auf einem anderen Blatt.