Auch in Leverkusen gibt es Fälle der „Gender-Pay-Gap“.
Equal Pay DayWerden Frauen und Männer in Leverkusen gleich bezahlt?

Bis zum 7. März arbeiten Frauen aufgrund dem Gender-Pay-Gap theoretisch unbezahlt.
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Gleiche Arbeit, aber trotzdem weniger Geld? Das hört sich falsch an, ist für viele Frauen aber Realität, sehr wahrscheinlich auch in Leverkusen. „Gender-Pay-Gap“ (geschlechtsspezifische Lohnlücke) wird dieses Phänomen genannt. Er gibt an, wie groß die Differenz von Entgelt bei Frauen und Männern in vergleichbaren Beschäftigungen trotz gleicher Qualifikationen, Berufserfahrung und Position ist. In Deutschland lag die Lücke dem Statistischen Bundesamt nach im Jahr 2023 bei sechs Prozent.
Dass Frauen für gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn wie Männer in vergleichbarer Position erhalten, soll seit Juni 2017 das Entgelttransparenzgesetz fördern. Es ermöglicht Beschäftigten in Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern, einen individuellen Auskunftsanspruch zum durchschnittlichen Bruttogehalt zu erhalten. Auch gibt es seither für Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern eine Berichtspflicht und Maßnahmen zu Kontrolle von Entgeltgleichheit.
Auskunftsanspruch eher „zurückhaltend“ genutzt
Ob und inwiefern dieser Anspruch über die Auskunft des Gehalts genutzt wird, zeigen zwei Evaluationsberichte vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Letzterer ist 2023 erschienen und gibt an, dass das Gesetz den Beschäftigten noch nicht ausreichend bekannt sei, wodurch die Möglichkeit nach Auskunft eher „zurückhaltend“ genutzt werde.
Auch in Leverkusen sieht die Situation ähnlich aus: Auf Anfrage gaben sowohl Covestro, Lanxess als auch das Klinikum in Schlebusch an, dass bisher kein Mitarbeiter von dem Anspruch Gebrauch gemacht habe. Bei Bayer hingegen habe eine „sehr kleine Anzahl“ von den Beschäftigten um eine „vergleichende Prüfung ihrer Vergütung gebeten“, so Pressesprecher Markus Siebenmorgen.
Neben der bereinigten Gehaltslücke gibt es zudem die unbereinigte, die den allgemeinen durchschnittlichen Stundenverdienst von Frauen und Männer vergleicht. Ursachen dafür, dass der bei Frauen häufig unter dem von Männern liegt, sind beispielsweise, dass frauendominierte Berufe, wie in der Pflege oder Erziehung, oft weniger gut bezahlt sind oder Frauen im Vergleich vermehrt in Teilzeit arbeiten und stattdessen unbezahlte Care-Arbeit zu Hause leisten. In Deutschland lag die unbereinigte Gehaltslücke 2023 bei 18 Prozent. Das heißt: Frauen verdienen allgemein pro Stunde durchschnittlich 18 Prozent weniger als Männer.
Teilzeit auch in Leverkusen bei Frauen mehr nachgefragt
Dass Teilzeit-Angestellte vor allem Frauen sind, zeigt auch die Anfrage bei den Leverkusener Unternehmen: Von allen in Teilzeit Arbeitenden sind bei der Stadt Leverkusen selbst 90 Prozent weiblich, beim Klinikum 80 bis 90 Prozent. Auch bei Covestro würde Teilzeitarbeit „häufiger von Frauen als von Männern nachgefragt“ werden, sagt Przemyslaw Jedrysik (Head of Communications Europe). Etwas anders sieht es bei Lanxess aus. Die Teilzeitquote liegt verhältnismäßig nah beieinander: Von allen Frauen arbeiten 35 Prozent in Teilzeit, von allen Männern 21 Prozent. Wie hoch oder niedrig der Frauen- und Männeranteil auf die gesamte Belegschaft gerechnet bei Lanxess ist, lässt sich aus den Zahlen, die das Unternehmen übermittelt hat, allerdings nicht lesen.
Aufgrund „Faktoren wie Berufserfahrung, […] Geografie oder Funktion sowie unterschiedlichen Erwerbsbiografien“ gebe es bei Lanxess dennoch Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männer im „mittleren einstelligen Prozentbereich“. Bayer gibt an, einen unbereinigten Gender-Pay-Gap von 7,36 Prozent für das Jahr 2023 zu messen, dieser würde jährlich neu berechnet. Auch würden sie eine Lücke von null Prozent anstreben. Das soll ein firmeninterner Algorithmus, der Fälle von ungleicher Bezahlung in vergleichbarer Position erkennt, leisten.
Stadt Leverkusen, Klinikum und Covestro
Die Stadt Leverkusen würde nach den Besoldungsregeln und dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvöD) eine „gleiche tarifliche Bezahlung von Frauen und Männern je Eingruppierung gewährleisten“, heißt es. Beim Klinikum gebe es ebenfalls laut eigenen Angaben keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Gehalt. Beide Arbeitgeber betonen, bei ihnen gebe es keine Gehaltslücke, wenn man alle strukturellen Faktoren abzieht.
Bei Covestro seien sowohl Entgelttabellen als auch Gehaltsbänder öffentlich einsehbar, zusätzlich würden ausgeschriebene Stellen seit letztem Jahr Angaben zum Gehalt beinhalten. „Umfassende interne Analysen“ würden ebenso ergeben haben, „dass bei Covestro kein sogenannter Gender-Pay-Gap besteht“.