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Digitaler ZwillingWofür das neue 3-D-Modell von Leverkusen nützlich ist

Lesezeit 3 Minuten
Das Wiesdorfer Zentrum im neuen 3.-D-Viewer der Stadt Leverkusen

Das Wiesdorfer Zentrum im neuen 3-D-Viewer der Stadt Leverkusen

Leverkusen gibt es jetzt auch online in 3-D. Die digitale Software können nicht nur Stadt und Verwaltung nutzen, sie steht auch Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zur Verfügung. 

Ein Ausflug zum Schloss Morsbroich, ein Blick aufs Chempark-Gelände oder nur ein Gang ums eigene Haus herum – und all das, ohne tatsächlich vor Ort zu sein. Möglich macht solche virtuellen Streifzüge ein dreidimensionales Modell der Stadt Leverkusen. Was auf den ersten Blick erst einmal sperrig klingt und stark an den Online-Kartendienst von Google Maps erinnert, hat mehr zu bieten als das Satellitenbild des Onlineriesen.

Der sogenannte 3-D-Viewer, eine Software zur Visualisierung städtischer Strukturen, sei ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung, sagte Baudezernentin Andrea Deppe bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag. Nicht nur die Verwaltung profitiere von dem „digitalen Zwilling“ des Stadtgebiets. Auch Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen steht die Software ab sofort kostenlos zur Verfügung.

3-D-Viewer von Leverkusen: Nicht nur schöne Bilder, sondern intelligente Daten

Das wohl Wichtigste dabei: „Es handelt sich nicht nur um schöne Bilder, sondern um intelligente Daten“, sagte Timm Dolenga vom Amt für Kataster und Vermessung. Und genau da wird der Unterschied zu gewöhnlichen Karten deutlich.

Im Sommer 2022 ließen die Städte Leverkusen und Köln in Kooperation beide Stadtgebiete befliegen. Knapp 2000 Meter über dem Boden sammelten 5 Objektive insgesamt 2895 fotografische Schrägluftbild- und Senkrechtaufnahmen. Dabei sind fünf Terabyte Rohdaten entstanden. Für die Nachbearbeitung brauchte die beauftragte Firma ganze sechs Monate, ehe die Geodaten in die Visualisierungssoftware eingebaut werden konnten. Beispielsweise wurden alle beweglichen Objekte, wie Menschen und Autos, mit einem KI-Algorithmus aus dem Stadtbild gelöscht. Die Stadt kostete das ganze Projekt 11.000 Euro.

Can Akbas (Abt. Geobasisdaten), Baudezernentin Andrea Deppe, Jorge Fernandez (stv. Sachgebietsleiter Geodatenmanagement), Timm Dolenga (Fachbereichsleitung Kataster und Vermessung), Marietta Rothenberg (Sachgebietsleitung Geodatenmanagement) präsentieren den 3-D-Viewer.

Sie präsentierten den 3-D-Viewer: (v.l.) Can Akbas (Abt. Geobasisdaten), Baudezernentin Andrea Deppe, Jorge Fernandez (stv. Sachgebietsleiter Geodatenmanagement), Timm Dolenga (Fachbereichsleitung Kataster und Vermessung), Marietta Rothenberg (Sachgebietsleitung Geodatenmanagement).

Aus vier Himmelsrichtungen, auf Straßenniveau und aus der Vogelperspektive können Wege und Häuser realitätsgetreu betrachtet werden. Genauso ist auch eine Modellierung der 75.000 3-D-Gebäudeobjekte in grauer Klötzchen-Ansicht möglich. Das klingt erst einmal abstrakt, ist aber zum Beispiel für Bauprojekte nützlich. Die Simulation von Schatten zu jeder Tageszeit etwa kann bei der Planung von Photovoltaik-Anlagen hilfreich sein. Neben einer Such- und Zeichenfunktion und einer Sichtbarkeitsanalyse bietet die Software weitere Werkzeuge.

Ein Beispiel: Ist sich der Hobbygärtner nicht ganz sicher, wie viele Quadratmeter Rollrasen er auslegen muss, kann der 3-D-Viewer samt Messfunktion helfen. Während das digitale Modell im Privatgebrauch vielleicht erstmal eine lustige Spielerei bleibt, könnte es für Handwerksbetriebe aber grobe Materialkalkulationen ermöglichen.

Auch für die Arbeit im Krisenstab seien die Funktionen im Ernstfall bedeutsam. Für ein theoretisches Überflutungsszenario könnten verschiedene Wasserstände im Stadtgebiet eingeblendet werden. Wird ein Blindgänger gefunden, kann der 3-D-Viewer ermitteln, welche Gebäude evakuiert werden müssten. Aber auch weniger ernste Szenarien sind denkbar: die Planung einer Marathonstrecke etwa oder die Nachverfolgung der Strecke des Rosenmontagszugs. 

Während alle Nutzerinnen und Nutzer erst einmal mit den Bildern von 2022 arbeiten müssen, soll das Modell nach und nach fortentwickelt werden. Angesichts der zahlreichen Funktionen sieht Baudezernentin Andrea Deppe schon jetzt den Mehrwert. Nur das Internet muss funktionieren, damit auch wirklich jeder etwas von dem 3-D-Viewer hat. Bei schlechter Verbindung brauchen Laien Geduld, um nicht zwischen verpixelten Ansichten zu frustrieren.