Was rennt da über die Wiesen, was blüht am Wegesrand, was schwirrt über den See in Obeberg? Heute stellen wir das Behaarte Schaumkraut vor.
Lebendiges OberbergBehaartes Schaumkraut ist ein gesunder Frühlingsbote

Das Behaarte Schaumkraut kommt in den unteren Stufen des Himalayas vor.
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Wir alle essen täglich Pflanzen und versorgen dadurch unseren Körper. Aber woraus bestehen Pflanzen eigentlich? Pflanzen sind in erster Linie aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten aufgebaut. Diese werden zum einen im Baustoffwechsel produziert und sind zum anderen am Energiestoffwechsel beteiligt. Im Zusammenhang mit der Naturheilkunde ist oft von sekundären Pflanzenstoffen die Rede. Diese werden wiederum nur in speziellen Zelltypen hergestellt und grenzen sich von primären Pflanzenstoffen dadurch ab, dass sie für die Pflanze nicht unmittelbar lebensnotwendig sind.
Sekundäre Pflanzenstoffe sind beispielsweise in ätherischen Ölen in hohen Anteilen enthalten. Bei diesen Ölen handelt es sich um organische Stoffgemische, die vielfältig einsetzbar sind. Die mediterrane Küche würzt mit den Aromastoffen aus Lippenblütlern, die wir als „Kräuter der Provence“ kennen. Ätherisches Lavendelöl soll beim Einschlafen helfen, Naturparfüms duften aufgrund von flüchtigem Veilchen- oder Rosenöl. Und zum Schutz vor Insekten soll Zitronen- und Eukalyptusöl helfen.
Senföl wird stark antibakteriell und kann Grippeviren hemmen
Ein weiterer Vertreter dieser ätherischen Öle ist das Senföl. Es enthält Senföl-Glykoside, die den typischen Geruch und Geschmack erzeugen, den man aus Gemüse und Würzmitteln wie Weißkohl, Radieschen, Kresse, Meerrettich und eben Senf kennt. Senföl-Glycoside werden in der Medizin eingesetzt und wirken teilweise stark antibakteriell. Die im Senföl enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe lassen sich therapeutisch als örtlich wirkende Hautreizmittel anwenden. Einige der 120 verschiedenen Senföl-Glycoside können sogar die Vermehrung bestimmter Grippeviren hemmen.
Diese stickstoff- und schwefelhaltigen Verbindungen sind in fast allen Gattungen der Familie der Kreuzblütler in der ein oder anderen Form, mal mehr, mal weniger enthalten. Man kann diese Pflanzenfamilie quasi am Geschmack erkennen. So auch in ein sehr unscheinbares Pflänzchen mit dem Namen Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta).
Samen fliegen bis zu 1,4 Meter weit
Es ist ein Frühlingsbote, der seine dunkelgrünen Rosetten zeitig im Jahr in Gärten, an Hecken und Gebüschen und auf Friedhöfen hervorschiebt. In der Pflanzensoziologie wird es den Hackunkraut-Gesellschaften zugeteilt.
Nach der Blattrosette erscheint der sieben bis 30 Zentimeter hohe Stängel, der in einer weißen Blüte endet. Daraus entwickelt sich später die Frucht. Es handelt sich um kleine Schoten, die die Samen enthalten. Als Saftdruckstreuer werden diese bei der vollendeten Fruchtreife bis zu 1,4 Meter weit geschleudert. Volkstümlich irreführend wird die Pflanze deshalb auch „Springkraut“ genannt, ein Name, der der Gattung Impatiens vorbehalten bleiben sollte, um nicht für Verwirrung zu sorgen.
Die meisten Exemplare haben kaum Härchen
Der lateinische Artname hirsuta bedeutet rau, struppig, borstig. An den meisten Exemplaren sind jedoch kaum Härchen zu finden, so dass sowohl der wissenschaftliche als auch der deutsche Name ungünstig gewählt sind. Die Trivialnamen Viermänniges oder Vielstängeliges Schaumkraut passen da wohl besser.
Das Behaarte Schaumkraut ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Nach Osten kommt es bis in die unteren Stufen des Himalayas und den Gebirgen Ostafrikas vor. Durch Verschleppung in Zusammenhang mit der globalen Betriebsamkeit des Menschen ist es heute fast weltweit zu finden. Ein früher Nachweis für das Bergische Land erfolgte 1919 an einer Straßenböschung am katholischen Schwesternhaus in Nümbrecht.
Jetzt im März ist es höchste Zeit für eine Frühjahrskur. Garnieren Sie dafür Ihr Essen mit den Blättern junger Schaumkrautrosetten. Die Gesundheit fördernden Senföl-Glycoside peppen Butterbrot und Salatschüssel auf und sind bestimmt irgendwo in Ihrem Umfeld an offenen Bodenstellen zu finden.