Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Bittere ZahlenKosten für den Umbau des Wipperfürther EvB-Gymnasiums explodieren

Lesezeit 3 Minuten
Außenansicht des EvB-Gymnasiums in Wipperfürth

Das Engelbert-von-Berg-Gymnasium in Wipperfürth muss in den kommenden Jahren umfassend saniert werden.

Die letzte Kostenschätzung lag bei 21 Millionen Euro, jetzt geht die Wipperfürther Verwaltung von 32 Millionen Euro aus.

Schlechte Nachrichten für Wipperfürth: Die Sanierung und der Umbau des Engelbert-von-Berg-Gymnasiums werden nochmals deutlich teurer als gedacht. Die letzte Kostenschätzung lag bei 21 Millionen Euro, jetzt geht die Verwaltung von 32 Millionen Euro aus. Wir erläutern die Ursachen für diese Kostenexplosion.

Wipperfürther Gebäude stammen aus den 1970er Jahren

Warum muss die Schule überhaupt saniert werden?

Die Gebäude des Engelbert-von-Berg-Gymnasiums stammen aus den 1970er Jahren. Sie entsprechen nicht mehr den gültigen Brandschutzbestimmungen, viele Installationen müssen erneuert werden, ebenso die Fenster und Türen. Der Verwaltungstrakt benötigt eine Feuertreppe als zweiten Rettungsweg, der naturwissenschaftliche Trakt ist zudem schadstoffbelastet.

Eine Dämmung aller Gebäude mit Styropor spart künftig Energie. Um die Sanierung im laufenden Betrieb zu ermöglichen, wird auf dem Kleinspielfeld ein Interim aus Containern errichtet. Und schließlich soll der östliche Flügel zum neuen Zuhause der städtischen Musikschule werden, dafür sind Schallschutzmaßnahmen erforderlich.

Wipperfürth arbeitet an Gesamtlösung für alle Schulen

Wozu muss das Gymnasium umgebaut werden?

Das EvB ist eine Ganztagsschule. „Wir wollen das eigenverantwortliche und soziale Lernen stärken“, sagt Schulleiterin Melanie Burger. Dazu soll die Schule mehr Differenzierungsräume erhalten, in Nischen und Fluren entstehen Lernbereiche für kleine Gruppen. Teil des Ganztagskonzepts ist außerdem das „Clusterprinzip“, das vorsieht, alle Schüler einer Stufe in einem gemeinsamen Trakt zu unterrichten. Verwaltung und Schulleitung betonen, man arbeite bei der Planung gut und vertrauensvoll zusammen.

Warum steigen die Kosten so stark an?

Es gibt mehrere Gründe. 2023 hatte der Rat beschlossen, die Planungen für die Sanierung zu unterbrechen, weil die Stadt mit dem Büro ConceptK an einer Gesamtlösung für alle Schulen arbeitete. 2024 wurde die Entwurfsplanung überarbeitet, dabei stellte sich heraus, dass die technische Sanierung umfangreicher ausfällt als angenommen. Unter anderem müssen sämtliche Heizungsleitungen und Heizkörper erneuert werden. Das bedeutet 4,5 Millionen Euro Mehrkosten. Der Bau des Interims – ursprünglich nicht vorgesehen – soll rund zwei Millionen Euro kosten. Auch die Schadstoffsanierung wird aufweniger und teurer als geplant. Die Baupreise sind generell stark angestiegen, auch wegen des Ukraine-Krieges.

Wir wollen das eigenverantwortliche und soziale Lernen stärken.
Melanie Burger, Leiterin des EvB-Gymnasiums, über das Konzept mit kleinen Lernbereichen in Nischen und Fluren

Wie reagiert die Politik auf die Mehrkosten?

Im Haupt- und Finanzausschuss waren viele Mitglieder sichtlich konsterniert und verärgert. Die CDU sprach von einem „Fass ohne Boden“. Doch auch der CDU ist klar, dass es keine Alternative zur Sanierung des EvB-Gymnasiums gibt. Im Ausschuss erläuterten das Architekturbüro und das städtische Gebäudemanagement die Gründe für die Kostensteigerungen.

Eine Entscheidung über die Freigabe von zusätzlichen Haushaltsmitteln von 12,24 Millionen Euro ab dem Jahr 2026 wurde in die Ratssitzung am kommenden Dienstag vertagt. Die SPD befürchtet, dass eine Verzögerung am Ende zu weiteren Mehrkosten führt. Sie schlägt vor, den Bauausschuss an der Umsetzung der Ausführungsplanung zu beteiligen.

Neubau würde Wipperfürth 50 Millionen Euro kosten

Wären Abriss und Neubau nicht die bessere Lösung?

Die Stadt Wipperfürth verfügt über kein geeignetes Grundstück für einen Neubau. Die Kosten für eine neue Schule beziffert die Stadt auf mehr als 50 Millionen Euro – ohne Grundstück.

Wie sieht der Zeitplan für die Sanierung und Umbau aus?

Die Planungen laufen auf Hochtouren. Bis Sommer 2026 soll das Interim stehen, dann beginnen die Arbeiten in drei Abschnitten. Los geht es, im Sommer 2026, mit der Sanierung und dem Umbau des sogenannten „Klassentraktes“ gegenüber der Turnhalle. Im Jahr drauf wird dann der naturwissenschaftliche Trakt im hinteren Teil der Schule komplett entkernt. Die Fachräume für Naturwissenschaften ziehen übergangsweise ins Dachgeschoss des Klassentraktes, die jetzigen Kunsträume, um.

Im dritten Abschnitt – voraussichtlich ab Sommer 2028 – wird dann der Verwaltungstrakt mitsamt der Aula angepackt. Der Umbau der künftigen Musikschule kann eventuell parallel erfolgen. Im Schuljahr 2029/30 soll dann alles fertig sein.