Die neuste Technik, zahlreiche Behandlungsräume und etwa 100 Arbeitsplätze - Ludwig Münch hat im Tierärztezentrum in Bergheim Großes vor.
Fokus auf Hund und KatzeIn Bergheim entsteht auf 1700 Quadratmetern ein Tierärztezentrum

Boris Burghardt (l.) und Ludwig Münch studieren die Pläne für das künftige Tierärztezentrum.
Copyright: Elena Pintus
Wer seinen Vierbeiner schon einmal in die Tierarztpraxis Horrem bringen musste, weiß: Hier ist immer etwas los, das Wartezimmer ist selten leer. Jetzt will Ludwig Münch, Inhaber der Praxis, einen neuen Standort in Bergheim-Paffendorf eröffnen - und das in ganz neuen Größendimensionen.
Denn auf einer Gebäudefläche von etwa 1700 Quadratmetern soll auf dem Gelände von Baetz Holz ein neues Tierärztezentrum entstehen - mit 13 Behandlungszimmern, sechs OP-Sälen und sogar einem Hundepark vor der Haustür. In dem können sich Herrchen und Frauchen mit dem Vierbeiner die Beine vertreten, während sie etwa auf die Ergebnisse der Blutuntersuchung warten. Und wenn Münchs Planungen aufgehen, könnte hier nach der Fertigstellung sogar ein Foodtruck stehen.
Bergheim: Eröffnung im September 2025 geplant
Etwa die Blutuntersuchungen sollen nach der geplanten Eröffnung im September dieses Jahres innerhalb von etwa zwanzig Minuten bei den behandelnden Tierärzten vorliegen, sagt Münch: „In der Einrichtung entsteht auch ein eigenes Labor, mit dem sich innerhalb kurzer Zeit etwa Blut-Untersuchungen vornehmen lassen.“ Lediglich besonders komplexe Untersuchungen, wie etwa die Analyse von DNS-Proben, müssten in ein externes Labor geschickt werden.
„Wir werden hier hauptsächlich Kleintiere behandeln. Unsere Patienten sind meistens Hunde und Katzen“, erklärt der Tierarzt: „Aber natürlich können wir hier auch beispielsweise Hamster, Meerschweinchen und andere kleine Haustiere behandeln.“

Hier soll ab September der Empfangsbereich entstehen.
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Eine Besonderheit in dem neuen Tierärztezentrum sei, dass Hunde und Katzen gänzlich getrennt voneinander behandelt werden. „Wir haben jeweils ein Wartezimmer für Hunde und eins für Katzen, um den Stress vor allem für die Katzen zu minimieren“, sagt Münch.
Einmal aufgerufen geht es dann für die Besitzer mit ihren Tieren außen am Gebäude entlang in den jeweiligen Behandlungsraum. Die Tierärzte- und -ärztinnen sowie die Helferinnen und Helfer dagegen gelangen über einen separaten Eingang auf der Innenseite in die Behandlungsräume.
Müssen Tiere operiert werden, geht es in den hinteren Trakt des Gebäudes. „Wir legen im OP-Bereich einen besonderen Fokus auf die Hygiene. Daher müssen sowohl die Mitarbeiter als auch die Tiere durch Hygiene-Schleusen, die unter anderem über den Luftdruck steril abgeriegelt sind“, sagt der Tierarzt: „Die Mitarbeiter wechseln dort auch die Kleidung, sodass auch bei ansteckenden Krankheiten keine Infektionsgefahr besteht.“

Die Firma Baetz Holz bleibt und ist lediglich innerhalb des Grundstücks umgezogen. Hier zu sehen sind die Büroflächen.
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Auch für den OP werden Hunde und Katzen getrennt vorbereitet. Je nachdem, welches Leiden das Tier belastet, geht es dann in den passenden Operationssaal. Denn sie sechs Säle haben laut Münch je eine spezifische Ausrichtung. So gibt es etwa einen Endoskopie-Saal, einen Orthopädie-Saal, einen Saal für ansteckende Krankheiten, der besonders gründlich gereinigt werden kann, und auch einen Saal für Zahn-OPs.
Neben Operationen und Laboruntersuchungen soll in der geplanten Tierklinik auch das Röntgen möglich sein, sowie die Bildgebung über ein CT- und über ein MRT-Gerät. Hinter dem Empfangsbereich befindet sich zudem ein großer Behandlungssaal für plötzliche Notfälle, genannt „Treatment“, der über eine offene Galerie mit dem Mitarbeiterbereich im ersten Stock verknüpft ist. „Der offene Mitarbeiterbereich im ersten Stock sorgt dafür, dass man sich etwa bei Notfällen auch schnell mal etwas zurufen kann, etwa wenn man Unterstützung benötigt“, erklärt Münch. Ein hauseigener stationärer Apothekenroboter gibt bei Eingabe der Patientendaten zudem stets die passenden Medikamente aus.
Stationärer Aufenthalt im Tierärztezentrum möglich
„Auch bei einem möglichen stationären Aufenthalt werden Hunde und Katzen getrennt auf den Stationen untergebracht. Auch die Aufwachbereiche sind getrennt“, ergänzt er. Für die Tiere im stationären Aufenthalt sei Tag und Nacht Personal vor Ort und ein Tierarzt auf Abruf.
Eine Tierklinik, die 24 Stunden am Tag für Publikumsverkehr geöffnet ist, soll das Zentrum an der Kopernikusstraße aber nicht werden. „Wir sind zwar rund um die Uhr personell vor Ort, man kann aber nicht nachts einfach reinkommen und sein Tier anmelden“, erklärt Münch. Denn das verlange einen deutlich größeren personellen Aufwand und mehr Stress für die Angestellten. „Wir wollen uns nachts auf die Patienten konzentrieren, die stationär vor Ort sind“, erläutert der Tierarzt. Zudem sei dieses Modell auch arbeitnehmerfreundlicher.

Alt und neu vereint: Noch steht der alte Schriftzug über dem Gebäude. Doch schon bald soll hier das Tierärztezentrum einziehen.
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Denn nicht nur die Zufriedenheit der tierischen Patienten stehe weit oben auf der Prioritätenliste, sondern auch die der Mitarbeiter - und ihrer Vierbeiner. „Viele unserer Mitarbeiter haben selbst Tiere und bringen ihre Hunde gerne mit zur Arbeit. In diesem Berufsfeld arbeiten viel aus Leidenschaft und Liebe zum Tier. Wir haben uns daher überlegt, einen eigenen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiterhunde einzuplanen“, erklärt der Tierarzt.
Fachtierärzte von Onkologie bis Notfallmedizin
In dem weitläufigen Raum könnten die Tiere miteinander spielen, sich zurückziehen und selbstredend auch regelmäßigen Besuch ihrer Herrchen und Frauchen empfangen. Die Mitarbeiter dagegen können sich im ersten Stock neben dem Aufenthaltsbereich und der Küche auch auf der hauseigenen Dachterrasse niederlassen. Zudem gebe es separate Umkleiden und einen Seminarraum.
Etwa 100 Arbeitsplätze sollen hier entstehen. Interessenten gebe es bereits jetzt genug, sagt Münch. Von Fachärzten aus der Chirurgie, Kardiologie, Onkologie und der Notfallmedizin bis hin zu den tiermedizinischen Angestellten sei alles vertreten. „Wir wollen betont keine Konkurrenz für andere Tierpraxen oder auch für die umliegenden Tierkliniken sein, sondern uns auch untereinander vernetzen und beispielsweise gemeinsam Seminare abhalten“, sagt Münch.
Möglich sei das Vorhaben nur durch eine enge Zusammenarbeit mit Boris Burghardt, dem Inhaber des Holzhandels Baetz Holz, der zuvor seine Dienststelle in dem Gebäude hatte, bemerkt Münch. „Baetz Holz ist weiterhin auf dem gleichen Grundstück vertreten und befindet sich nun in einem Verkaufs- und Beratungsbüro, statt in Hallen, hinter dem Tierärztezentrum. Wir haben uns zwar räumlich verkleinert, das Sortiment bleibt aber gleich“, klärt Burghardt auf.
Er und Münch teilen sich künftig das Gelände, sagen die beiden. Zudem habe er auch beim Um- und Ausbau des Tierärztezentrums mitgewirkt. Ein Großteil der Holzmaterialien stamme aus seiner Firma. Auch habe er Kontakte zu Handwerkern hergestellt.
Was genau das Mammutprojekt gekostet hat, wollen die beiden nicht sagen. Lediglich, dass sich die Kosten noch im einstelligen Millionenbereich befänden, verraten sie.