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Insolventes ModehausKunden hoffen auf ein letztes Schnäppchen bei Aachener in Brühl

Lesezeit 3 Minuten
Zu sehen ist der Eingang des Modehauses Aachener in Brühl.

Im Brühler Modehaus Aachener läuft der Räumungsverkauf. Ende September soll das Geschäft schließen.

Mit Rabatten lockt das Modehaus Kunden in das Geschäftshaus am Steinweg in Brühl. Wer dort als Nachfolger einziehen wird, ist unklar.

In die Hoffnung der Kunden auf ein Schnäppchen mischen sich Wehmut und Sorge. Beim Modehaus Aachener am Brühler Steinweg gibt es derzeit 30 Prozent Rabatt auf alle Artikel. Doch der Anlass ist alles andere als erfreulich. Das Geschäft schließt Ende September. Die Sanierung der insolventen Modekette ist gescheitert.

Besonders bitter ist dies für die rund 35-köpfige Belegschaft. Doch auch die übrigen Geschäftsleute der Stadt, die Politik und regelmäßige Besucher der Innenstadt sehen der Zeit nach dem Räumungsverkauf mit einem unguten Gefühl entgegen. „Ein längerer Leerstand wäre das Schlechteste, was passieren kann“, erklärte Frank Pohl, Vorsitzender der Brühler Händlervereinigung Wepag, nach Bekanntwerden der Nachricht.

Aachener Modehaus gilt als Kundenmagnet für ganz Brühl

Aachener sei mit seiner großen Ladenfläche und dem breiten Bekleidungsangebot ein Magnet für die gesamte City, der eben auch den kleineren, teils inhabergeführten Geschäften Kundschaft beschere.

Marita Steinmann ist eine dieser Kunden. Die Rentnerin ist in Euskirchen zu Hause, kommt aber gerne nach Brühl, „weil man hier schön bummeln und Kaffee trinken kann“, wie sie sagt. Sie sei nicht wegen des Rabatts gekommen, wolle sich jetzt aber mal umschauen. „Vielleicht finde ich etwas Schönes“, sagt sie. Wenn es im ehemaligen Kaufhof-Gebäude kein Modehaus mehr gebe, „ist Brühl für mich weniger attraktiv“, meint die Rentnerin.

Diese Einschätzung fürchtet man in der Stadt. Der FDP-Fraktionschef Jochem Pitz sagt: „Nun müssen alle, die Wirtschaftsförderung der Stadt, die Wepag, aber auch die Brühler Bürgerinnen und Bürger an einem Strang ziehen, um eine Abwärtsspirale für die Innenstadt zu verhindern.“

Dazu gehöre es auch, in Brühler Geschäften und nicht im Internet einzukaufen, denn jeder könne etwas für eine lebenswerte Stadt tun. Letztlich sei es entscheidend, einen Nachfolgemieter zu finden, so Pitz. „Vielleicht helfen die großzügigen Förderprogramme des Landes NRW, und hoffentlich kann die Stadt bei den einschlägigen Bekleidungsketten damit werben, dass das Brühler Geschäft profitabel gearbeitet hat“, erklärt der FDP-Politiker. Tatsächlich zählte die Brühler Filiale dem Vernehmen nach zu den besser laufenden der insgesamt zehn Aachener-Häuser. Für zwei Filialen gibt es Gerüchten zufolge einen möglichen Nachfolger. Für Brühl ist dieser jedoch noch nicht in Sicht.

FDP fordert eine Kraftanstrengung für die Innenstadt

Die FDP hält es für wichtig, Anstrengungen zu unternehmen, die die generelle Wertschätzung für die City unterstützen. Blumengirlanden, Stadtmöblierung und Sauberkeit. „Dafür muss dann auch Geld in die Hand genommen werden“, findet Pitz. Die Wepag solle sich über zusätzliche Märkte in der Stadt und über Werbeaktionen in den Nachbarstädten nachdenken. „Es helfen wohl nur Optimismus und kreative Ideen, statt in Schockstarre zu verharren“, erklärt Pitz.

Aachener hatte das Geschäftsgebäude, das jahrzehntelang von der Warenhauskette Kaufhof betrieben wurde, erst im August 2022 übernommen. Zuvor verkaufte in dem Bau aus den 1970er-Jahren das Unternehmen Sinn Textilien. Zudem kündigte Aachener bei der Eröffnung an, dass man auch nach dem Abbruch des arg in die Jahre gekommenen Gebäudes in einigen Jahren in den Nachfolgebau einziehen wolle.