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Expertin aus Hürth über Solomutterschaft„Die Frauen treffen die Entscheidung bewusst“

Lesezeit 3 Minuten
Zu sehen ist Birgit Wermelskirchen.

Diplom-Sozialpädagogin Birgit Wermelskirchen berät auch zum Thema Solomutterschaft.

Die Diplom-Sozialpädagogin Birgit Wermelskirchen berät in Hürth rund um das Thema Solomutterschaft und kennt die drängendsten Fragen.

Das Frauenforum Brühl-Hürth bietet als staatlich anerkannte Schwangerenberatungsstelle seit Jahren im Rhein-Erft-Kreis auch eine Kinderwunschberatung an. Sie umfasst die psychosoziale Begleitung vor, während und nach der Kinderwunschzeit. Die Beratung ist ergebnisoffen und unterstützt die Frauen und Männer bei ihren Entscheidungen. Ihnen steht im Frauenforum Diplom-Sozialpädagogin Birgit Wermelskirchen zur Seite. Die 52-Jährige berät am häufigsten Ehepaare, die sich eine emotionale Entlastung in dieser oft anstrengenden und auch intensiven Zeiten der Kinderwunschbehandlungen wünschen. In der jüngeren Vergangenheit nimmt in ihrer Beratung aber auch das Thema der Solomutterschaft verstärkt Raum ein. Kathrin Höhne hat mit Birgit Wermelskirchen gesprochen.

Frau Wermelskirchen, wen beraten Sie in Bezug auf das Thema Solomutterschaft?

Birgit Wermelskirchen: Es kommen in der Regel zehn bis 15 Frauen im Jahr im Alter zwischen 37 und 42 Jahren zu diesem Thema in die Beratung. Es sind Frauen, die sich bewusst für den Weg entschieden haben, eine Solomutter zu werden. Dahinter steckt oft ein langer Prozess des Nachdenkens. Meistens liegt hinter ihnen eine Partnerschaft, in der es mit einem Kind nicht geklappt hat oder die Beziehung hat sich nicht so entwickelt, wie sie es sich vorgestellt haben. Der Kinderwunsch ist dann so präsent, dass sie ihn getrennt von dem Wunsch nach einer Partnerschaft verwirklichen möchten. Die meisten Frauen, die hier herkommen, sind bereits im Gespräch mit einer Kinderwunschklinik. Sie haben sich für eine Samenspende entschieden, um eine Familie gründen zu können. Die meisten Kliniken setzen dafür eine psychosoziale Beratung voraus.

Wie laufen Ihre Beratung und Ihre Begleitung ab?

In einem ersten Treffen gibt es eine „Standortbestimmung“. Ich frage, welche Schritte die Frauen bislang gegangenen sind und wie ihr Kontakt zu der Kinderwunschklinik ist. Oft ist es so, dass die Frauen sich durch die Beratung eine Rückmeldung wünschen, ob sie bisher soweit alles richtig gemacht haben. Wir sprechen über die finanziellen Rahmenbedingungen, darüber, wie man Elternzeit nimmt und wie lange man Anspruch auf Leistungen wie Wohngeld, Mietkosten und Lebenshaltungskosten hat. Eine wichtige Frage ist es auch, wer das Kind betreut, wenn man krank ist. Ich frage auch nach möglichen Unterstützernetzwerken der Frauen. Mütter und Schwestern helfen den Frauen oft auf diesem Weg.

Eine Solomutterschaft ist alsFamilienmodell gesellschaftlich noch nicht akzeptiert
Expertin Birgit Wermelskirchen

Welche Reaktionen erleben Solomütter von außen?

Dieses Familienmodell ist gesellschaftlich noch nicht akzeptiert, spiegeln mir die Mütter zurück, die ich bisher begleitet habe. Sie werden mitunter auch in der Kindertagesstätte damit konfrontiert, dass sie sich erklären müssen, wo der Papa ist. Aber gerade in der Kita erleben Kinder verschiedene Familienkonstellationen, auch, dass Eltern sich trennen. Wichtig für Solomütter ist, ihre Kinder frühzeitig aufzuklären, durch Gespräche oder Bücher. Solomütter können sich darüber hinaus in Netzwerken online und vor Ort austauschen. Ein erstes Netzwerktreffen für Solomütter im Rhein-Erft Kreis hat es bereits in der Beratungsstelle des Frauenforums Brühl-Hürth gegeben. Das nächste Treffen für Solomütter im Frauenforum findet am Freitag, 16. August, 10 Uhr, Theresienhöhe 23 in Hürth statt.