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BürgerinformationKerpener Flüchtlingsunterkunft könnte im Frühjahr 2026 fertig sein

Lesezeit 3 Minuten
Mehrere Menschen sitzen in Stuhlreihen, ein Mann spricht in ein Mikrofon, das ihm eine Frau hinhält.

Viele Plätze blieben in der Jahnhalle leer. Interessierte Bürger fragten nach Sicherheitsaspekten der Zentralen Unterbringungseinrichtung oder formulierten Ideen zur ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen an.

Die Bezirksregierung und die Stadt informierten über die geplante Flüchtlingsunterkunft in Kerpen.

Viele Plätze in der Jahnhalle blieben leer bei der Informationsveranstaltung der Bezirksregierung zur geplanten Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Flüchtlinge in der Kolpingstadt. Etwa 60 Interessierte begrüßte Thomas Marner, Erster und Technischer Beigeordneter der Stadt, am Donnerstagabend.

Zum Gespräch und zur Vorstellung des ZUE-Konzepts waren der Hauptdezernent Philipp Sieben des Dezernats 20 der Bezirksregierung und der Bezirks-Dezernent Markus Hellwig als Verantwortliche für die Umsetzung von Flüchtlingsunterkünften im Regierungsbezirk gekommen. Er erwarte keine feindselige Stimmung, vielmehr einen konstruktiven Austausch, sagte Philipp Sieben vor Beginn der Veranstaltung.

Kerpen: 700 Geflüchtete sollen in der Unterkunft unterkommen können

Als „sehr, sehr gute Lösung“ bezeichnete Sieben den Plan der Errichtung der ZUE auf der rund 20.000 Quadratmeter großen Freifläche an der Ecke Humboldtstraße/Heidefließ mit einer Aufnahmekapazität von 700 Geflüchteten. Für sie ist die ZUE die zweite Station nach der Aufnahmeunterkunft, und es ist ihre vorläufige Wohnstätte, bis sie den Städten zugewiesen werden.

Die ZUE werde vom Land betrieben und finanziert, die Zahl von 700 Flüchtlingen werde auf die städtische Aufnahmequote angerechnet, es bestehe keine Schulpflicht für Kinder und Jugendliche, so Sieben. Die Belegung erfolge voraussichtlich mit 60 Prozent Alleinstehenden und 40 Prozent Familien. Einstimmig hatte sich der Rat für die Verwirklichung der Pläne der Bezirksregierung und einen Pachtvertrag für die nächsten sieben Jahre entschieden.

Markus Hellwig stellte die Unterbringung vor. Vorgesehen sind doppelstöckige Container, ausgestattet mit Vierbettzimmern auf einem umzäunten Gelände mit Eingang zur Humboldtstraße. Eine Kantine und ein Kiosk sind geplant, Gebetsräume und getrennte Teestuben für Frauen und Männer. Zur Strukturierung der Tagesabläufe biete ein Caterer drei Mahlzeiten täglich an. Angeboten werden auch integrative Maßnahmen wie eine freiwillige Teilnahme am Deutschunterricht, Beratungen zum Leben in Deutschland und zum Asylverfahren sowie Spiel- und Sportangebote.

Zur Betreuung seien rund um die Uhr fünf Personen vor Ort, zusätzlich zum Sicherheitsdienst, Sanitätsdienst und dem sogenannten Umfeldmanager, als Ansprechpartner für die untergebrachten Flüchtlinge und Menschen aus dem Umfeld, so Hellwig weiter. Seine Aufgabe sei auch die Koordination eines eventuellen ehrenamtlichen Einsatzes. Die Tiefbauarbeiten beginnen voraussichtlich im Sommer dieses Jahres, im Frühjahr 2026 soll die ZUE bezugsfertig sein.

Zu sehen sind zwei Männer, einer spricht in ein Mikrofon.

Die Dezernenten der Bezirksregierung, Philipp Sieben (r.) und Markus Hellwig, informierten über die Flüchtlingsunterkunft.

Im anschließenden Gespräch begegnete der Leiter der Kerpener Polizeiwache, Frank Menzel, Sicherheitsbedenken einzelner Teilnmehmer der Veranstaltung mit der Schilderung seiner Erfahrungen mit Flüchtlingsunterkünften in Kerpen aus den letzten Jahrzehnten. Er habe keine höhere Gewaltbereitschaft bei Geflüchteten erlebt, die Kerpener Polizei sei im Umgang mit Kriminalität außerdem gut aufgestellt, berichtete Menzel: „Flüchtlinge brauchen Hilfe, wir möchten ihnen den Start ermöglichen.“ Allenfalls Erfahrungen mit vermehrtem Müll in der Nähe der bereits vorhandenen Unterkunft auf der Humboldtstraße schilderten Anwohner, mit den Bewohnern selbst gebe es keine Probleme.

Angebote zur Kooperation kamen unter anderem von der Sozialarbeiterin Birgit Große-Wächter vom Netzwerk 55plus. Gedanken um das Wohlergehen der Menschen machte sich Marlies Heidbüchel. Sie fragte nach Kochmöglichkeiten in den Unterkünften. Die seien aus sicherheitstechnischen und hygienischen Gründen nicht vorgesehen, hieß es.