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Selbstversuch als ErntehelferIm Rhein-Erft-Kreis hat die Spargelsaison begonnen

Lesezeit 3 Minuten
Ein Mann zieht eine Stange Spargel aus der Erde.

Redaktionsmitarbeiter Dietmar Fratz durfte sich beim Spargelstechen ausprobieren.

Unser Autor versuchte sich auf dem Bergerhof von Michael Bong in Bergheim im Spargelstechen. Das kostet das Kaisergemüse.

Eine selbstfahrende Maschine hebt die Folien von den Spargeldämmen. Danach ist Handarbeit gefragt. Rund um den aus dem Erdreich lugenden Spargelkopf wird etwas Erde per Hand weggeschoben. Mit einem Stecheisen wird dann der Kopf in einigen Dezimetern Tiefe abgestochen, das Kaisergemüse in eine Transportbox gegeben und später abtransportiert zur weiteren Verarbeitung.

Auf dem Bergerhof von Michael Bong hat jetzt die Spargelernte begonnen. Angeleitet von Profi Bong darf auch der Amateur – Autor dieser Zeilen – sich im Spargelstechen versuchen. Und schon nach wenigen Fehlversuchen kann er ein Prachtexemplar vorzeigen. Hinter der Arbeit legt die Maschine die Folien wieder akkurat auf den Damm.

Das Wetter ist super für die Ernte, und die Qualität ist richtig gut
Spargelbauer Michael Bong

Bong kann seit vier Jahren nicht mehr auf die Beheizung durch Kraftwerk-Abwasser zurückgreifen. Seitdem sprießt der Spargel unter zwei Folien. Eine schützt das Gemüse vor Frost, eine zweite, transparente steht auf kleinen Stelzen und funktioniert wie ein Mini-Treibhaus. „Das Wetter ist super für die Ernte, und die Qualität ist richtig gut“, freut sich Bong.

Ein Mann steht vor einem Feld und hält Spargel in den Händen.

Michael Bong vom Bergerhof freut sich mit seinen Erntehelfern, dass die Saison beginnt und der Spargel gute Qualität hat.

Der März 2025 war einer der regenärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert. Noch schaffen zwei Erntehelfer den täglichen Gang durch vier Hektar Früh-Spargel. Bis zu sieben Helfer werden es in der Hochsaison. „Die kommen teils seit Jahren gerne. Das geht problemlos über Mundpropaganda“, sagt Bong. Er zahlt Mindestlohn, fürchtet aber, dass eine mögliche Erhöhung auf 15 Euro Probleme bereiten könnte.

In diesem Jahr startet die Spargel- ebenso wie die Rhabarberernte eine Woche später, „weil der Winter kälter war als im Vorjahr“. Gleich bleibt der Abstand zu Freilandspargel, der in drei Wochen in Angriff genommen wird. Verkauft wird der Spargel auf dem Bergerhof hinter Bergheim-Rheidt an der B 477 zum Preis von fünf bis 16 Euro pro Kilogramm montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags von 8 bis 14 Uhr und sonntags von 9 bis 13 Uhr sowie in den REWE-Supermärkten Richrath und Schorn.

Bergheim: Hallerhof in Oberaußem temperiert Spargel mit Pelletheizung

Auch der Hallerhof in Bergheim-Oberaußem ist in die Spargelsaison gestartet. Dort werden zwei Hektar Land mittels Pelletheizung temperiert. „Der Spargel wächst noch langsam, weil wir zuletzt wieder nachts um die null Grad hatten. Aber es wird ja langsam wärmer“, sagt Hans-Jürgen Peters, der mit der Qualität zufrieden ist. „Jetzt müsste es ein wenig regnen“, wünscht er sich. Die tiefen Wurzeln seien zwar noch feucht, die Krume jedoch trocken. Auf dem Hallerhof ist der Spargel für acht bis 19 Euro werktags von 9 bis 18.30 Uhr, sonn- und feiertags von 9 bis 13 Uhr erhältlich.

Landwirt Johannes Nagelschmitz aus Bedburg-Pütz erntet seit dem Wochenende vom durch Sümpfungswasser aus dem Tagebau fußbodenbeheizten Feld vor Elsdorf-Widdendorf, „diesmal ohne tiefe Pfützen zwischen den Spargeldämmen, die uns im Vorjahr die Ernte erschwert haben“, sagt er. Sein Spargel wird aktuell zum Preis von fünf bis 19,50 Euro werktags am Verkaufsstand im Elsdorfer Erft-Center sowie im Hofladen an der L 279 von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 15 Uhr und sonn- und feiertags von 10 bis 12 Uhr angeboten. „Der Preis wird bis Ostern aber noch sinken“, versichert Nagelschmitz. Dann werde auch der unbeheizte Spargel in die Regale kommen.

Traditionell endet die Spargelsaison am Johannistag, dem 24. Juni. Dann können sich die Pflanzen, die knapp zehn Jahre lang genutzt werden können, erholen und bis zum Herbst über das durchtreibende grüne Spargelkraut Photosynthese betreiben und im Wurzelstock neue Nährstoffe für das nächste Jahr sammeln.