Der Kulturausschuss in Königswinter hat Zuschüsse für Veranstaltungen bewilligt. Das Geld verteilte er allerdings nicht mit der Gießkanne und nicht ohne kritische Fragen.
FörderungKulturpolitiker in Königswinter vergeben Zuschüsse nicht mit der Gießkanne

Ein Beispiel für Kulturevents: Das Aventurin Holzbläserquintett gab 2024 auf Einladung des Vereins Pro Klassik unter dem Motto „Farben im Wind“ im Siebengebirgsmuseum Königswinter ein kleines Gastspiel.
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Nicht mit der Gießkanne und durchaus verbunden mit kritischen Fragen – so verteilte dieser Tage der Kulturausschuss in Königswinter Zuschüsse an die Organisatoren von Kulturevents. Man arbeite dabei mit öffentlichen Geldern, betonte Ratsmitglied Thomas Koppe (Grüne). Er machte damit zugleich deutlich, dass man nicht jeden Wunsch erfüllen werde.
40.000 Euro stellt der Rat der Stadt Königswinter im Jahr für die Kulturförderung zur Verfügung. Bei Beträgen von unter 1000 Euro kann die Verwaltung von sich aus Finanzspritzen bewilligen, bei höheren Anträgen ist der Kulturausschuss gefragt.
Für den Rest des Jahres sind noch rund 16.000 Euro im Topf
Antragsberechtigt sind laut Förderrichtlinien „kulturtragende Vereine und Organisationen, die ihren Sitz in Königswinter haben und Ziele verfolgen, die der Einwohnerschaft und den Gästen der Stadt zugutekommen.“ Gleiches gelte für private Einrichtungen, freie Gruppen und Initiativen sowie Kulturschaffende, wenn ihre Aktivitäten gemeinnützig sind.
Nach den jüngsten Beschlüssen und abzüglich der bereits von der Stadt zugesagten Zuschüsse bleiben für den Rest des Jahres noch rund 16.000 Euro über.
Kulturpolitiker üben Kritik am Honorar für den Dirigenten
Kulturtage Königswinter: Kritische Anmerkungen zu seinem Antrag musste sich Tobias van de Locht anhören. 5310 Euro wollte er als Zuschuss für die Kulturtage Königswinter, zu denen drei Konzerte und eine Ausstellung zwischen dem 14. und 29. Juni dieses Jahres gehören. Die Reihe setzt die Tradition der „Kachelsteiner Kulturtage“ unter neuem Namen fort.
Dass Tobias van de Locht, der neue Kirchenmusiker des Seelsorgebereichs Königswinter Am Oelberg, in seinem Antrag jeweils 1000 Euro für sich als Dirigent bei drei Einsätzen während der Kulturtage eingeplant hatte, kritisierte unter anderem Karin Klink (SPD) nachdrücklich. Es sei „ungewöhnlich“, dass sich der Veranstalter selbst ein Honorar zubillige. Sie monierte zudem, dass die Veranstaltungen ausschließlich in katholischen Einrichtungen stattfinden sollten.
Van de Locht verteidigte jedoch seine Kalkulation. Wenn er bei dem Festival selbst auftrete, sei er Künstler, nicht Veranstalter. Die 1000 Euro seien eher ein „symbolischer Preis“, externe Dirigenten würden 3000 bis 4000 Euro kosten. Thomas Koppe hätte gerne die Kosten beziehungsweise Zuschüsse pro Zuhörer gewusst, wie er sagte. Es sei schließlich ein Unterschied, ob zwei oder 600 Besucher kommen. Mit breiter Mehrheit beschloss der Ausschuss, für die Aktion „30 Jahre Kulturtage Königswinter “ 2610 Euro (den halben Betrag) zuzuschießen.
Musik in den Weinbergen: Genau 1395 Euro bekommt die SSG Königswinter für ihre Aktion „Musik in den Weinbergen Oberdollendorf“, die parallel zum Weinbergslauf „Le Petit Medoc“ (28. Juni) stattfindet. Während bei dem Event rund 800 Läufer, die meisten davon verkleidet, über unterschiedliche Distanzen durch die Weinberge laufen, spielen mehrere Musikgruppen. In diesem Jahr sind es sechs Bands beziehungsweise Musiker. Für deren Gagen hatte der Verein den Zuschuss beantragt.
SSG Königswinter finanzierte mit Spenden Stolpersteine in Königswinter
2024 habe die SSG Königswinter diese Kosten getragen, aber „das geht nicht mehr“, erläuterte Thomas Mauel. Mit den zuletzt gesammelten Spenden hat die SSG die Verlegung von Stolpersteinen in Oberdollendorf finanziert.
Jecken Sommerparty: Zum dritten Mal findet am 5. Juli die „Jecken Sommerparty“ statt. Der Verein zur Förderung von Karneval und Brauchtum in Oberpleis kann dafür einen Zuschuss von bis zu 6078 Euro bekommen. Bei dem Event sind neben Karnevalsvereinen auch Sportvereine und die Feuerwehr eingebunden.
Bei gutem Wetter rechnen die Veranstalter mit 600 Besuchern, dann wäre die Aktion, die laut Kalkulation insgesamt mit rund 23.000 Euro zu Buche schlägt, kostendeckend und der Verein bräuchte keine Unterstützung. Für den Fall, dass nur 350 kommen, würde sich das Defizit laut Antrag auf 6700 Euro belaufen.
Pro Klassik: Nicht gleich alle acht geplanten Konzerte des Vereins Pro Klassik, sondern zunächst nur die ersten drei, bezuschusst die Stadt Königswinter mit zusammen rund 2700 Euro. Über die weiteren Events will der Ausschuss im Juni entscheiden. Insgesamt hatte Desar Sulejmani für die Reihe 9300 Euro beantragt. In der Sitzung hat er aber erklärt, dass er mit einer Teilung des Betrags leben könne. Auftakt der Spielzeit 2024/2025 ist am Samstag, 29. März, mit dem Klavierkonzert „Klangspuren zu zweit“ im Haus Bachem (Drachenfelsstraße 4). Larissa und Jevgeni Vitovksi spielen Werke von Mozart, Brahms und Schubert.
Weihnachtsbeleuchtung für die Altstadt ist in die Jahre gekommen
Weihnachtsbeleuchtung: Mit maximal 3300 Euro beteiligt sich die Stadt Königswinter an der Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt. Einen entsprechenden Antrag hatte der Gewerbeverein Königswinter Altstadt gestellt. Die elektrische Anlage der Weihnachtsbeleuchtung sei rund 30 Jahre alt und stark sanierungsbedürftig. Die Sanierung und Erweiterung der Anlage sei „mit unseren jährlichen Mitgliedsbeiträgen nicht zu stemmen“. Eine festliche Weihnachtsbeleuchtung trage aber zur Atmosphäre und Attraktivität der Altstadt bei.
Kultursäule auf dem Marktplatz
Vor dem Rathaus Königswinter auf dem Marktplatz in der Altstadt steht seit Kurzem eine Litfaßsäule, auf der gemeinnützige Organisationen und Kulturinstitutionen für ihre Veranstaltungen kostenlos werben können. Für die Nutzung der „Kultursäulen“ hat die Stadt allerdings ein ziemlich enges formelles Verfahren festgelegt.
So dürfen Kulturschaffende und nicht-kommerzielle Gruppen und Vereine beispielsweise für Konzerte, Ausstellungen oder Lesung werben, dabei muss jedoch „der künstlerische Wert im Vordergrund“ stehen. Plakate mit in erster Linie geselligen, parteipolitischen oder rein gewerblichen Inhalten seien ausgeschlossen. „Auch in der Gestaltung der Plakate muss die kulturelle Schwerpunktsetzung erkennbar sein.“
Die Plakatierung erfolge nach einem festgelegten Quartalsterminplan für 2025. Die Veranstaltung müsse im jeweiligen Quartal stattfinden. Falls ein Vorverkauf beworben werde, müsse das auf dem Plakat erkennbar sein. Über die Zulassung entscheidet jeweils die Kulturverwaltung der Stadt. (csc)