„Es tut mir im Herzen weh“200 Jahre alte Linde in Lohmar muss gefällt werden

In Lohmar muss die alte Linde vor der Halberger Kapelle gefällt werden.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Lohmar – Die rund 210 Jahre alte Linde an der Halberger Kapelle St. Isidor muss fallen. Am Montag begann ein Baumunternehmer damit, die gut 20 Meter breite Krone herunterzuschneiden. Jürgen Tetens hatte in der vergangenen Woche bei einem Spaziergang einen frischen Riss durch einen der fünf Stämmlinge festgestellt.
Feuerwehr und Ordnungsamt entschieden, dass ein Gutachter seine Expertise zum weiteren Vorgehen abgeben soll. Michael Göckeritz nahm den Stamm in Augenschein. Er ist vom Landesbetrieb Straßen NRW, und damit auch für die Verkehrssicherung zuständig. Zugleich ist er aber auch Baumsachverständiger. Er stellte Gefahr im Verzug fest.

Es mussten Sofortmaßnahmen eingeleitet werden, damit Autofahrer und Fußgänger nicht gefährdet werden konnten.
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Sofortmaßnahmen müssten eingeleitet werden. Er ließ die Kreisstraße 37 komplett sperren, zu gefährlich wäre es, wenn Spaziergänger oder Autofahrer passieren und die Linde reißen würde.
Eigentümer ist die katholische Kirche. Kirchenvorstand Ulrich Jeske, zuständig für die Liegenschaften, stand mit bekümmerter Miene vor dem Naturdenkmal: „Es tut mir im Herzen weh.“ Aber es gebe keine Alternative dazu. Sofort stimmte er zu, dass der Baum gefällt wird. Niemand könne verantworten, wenn ein Schulbus von einem Stämmling getroffen würde.
Sanierung 2013
Die Linde ist zuletzt vor acht Jahren saniert worden. Damals wurde die Erde der Baumscheibe bis in 30 Zentimeter Tiefe von Hand gelockert. Parkende Autos und viele Spaziergänger hatten den Boden, ein Gemisch aus Feinschotter, Splitt und Erdreich zu sehr verfestigt. Es wurde abgesaugt und durch ein grobporiges Lava-Gemisch ersetzt, um das Wurzelwerk zu schützen. (rvg)
Und so kreischten am Montagnachmittag die Motorsägen. Markus Klemp aus Much bekam den Zuschlag für die aufwendige Fällung. Mit einem Hubsteiger und einem Traktor sowie drei Mitarbeitern war er vor Ort, um dem „dicken Brummer“ zu Leibe zu rücken. Der war im Kronenbereich mit Stahlseilen gesichert.
Äste müssen von Hand abgesägt werden
Besondere Schwierigkeit war, dass größere Äste über das Dach der direkt daneben stehenden Kapelle ragten. Sie konnten nur in kurzen Stücken abgesägt und von Hand zur Seite geworfen werden, weil sie sonst die Dachschindeln zerschlagen hätten.
Auf der der Straße zugewandten Seite gestaltete sich die Arbeit einfacher. Nachdem das Kronenholz gefallen war, konnten bis zu zehn Meter Lange Teile gesägt und mit einem langen Stahlseil, das an einer Winde befestigt war, auf Straße und benachbartes Feld gezogen werden.

Der Trecker zog große Stücke der Linde aufs Feld.
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Immer wieder machten die Spezialisten Baumschau und überlegten genau, wie sie zügig aber sicher Entlastung schaffen konnten, ohne dass das mächtige Denkmal unkontrolliert umstürzen konnte. Aus Ellhausen und Weegen kamen immer wieder Spaziergänger vorbei.
„Isch künnt krische“, sagte ein älterer Herr, der vor fast 50 Jahren in der Kapelle geheiratet hatte. Eine Frau schaute mit traurigem Blick zu, wie ein großer Ast herunterfiel. „Ich habe da drinnen geheiratet und mein Sohn ist da getauft worden.“ Fast jeder, der vorbei kam, verband eine ganz persönliche Erinnerung an die Linde, die noch vor dem Wiener Kongress 1815 gepflanzt wurde.
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Jeske hatte schon erste Überlegungen für die Zukunft angestellt. „Die Baumscheibe wird wohl ausgefräst und dann kommt ein neuer Baum dahin.“ Aber zunächst ist da Trauer. „Es ist eine Schande“, meinte er, obwohl ihm durchaus klar war, dass es keine andere Möglichkeit gegeben hatte.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit arbeiteten die Baumfäller weiter, der Trecker zog die großen Stücke auf das Feld. Immer noch blieb es eine mächtige Linde. Die K37 blieb über Nacht gesperrt, am Dienstag wird es so weit sein: Die Halberger Linde ist Geschichte. Die rund 210 Jahre alte Linde an der Halberger Kapelle St. Isidor muss fallen.