Ohne Eric Martel hat der 1. FC Köln seit Jahren nicht mehr gewonnen, nun hat der Mittelfeldmann seine Verletzung überwunden
1. FC Köln vor KarlsruheDie Rückkehr des Unterschiedsspielers

Seit mehr als zwei Jahren hat der 1. FC Köln ohne Eric Martel kein Spiel mehr gewonnen.
Copyright: Herbert Bucco
Gerhard Strubers Premiere im Karneval ist geglückt, die FC-Sitzung am Dienstag hat dem Trainer des 1. FC Köln gut gefallen. „A netter, cooler Abend“, sei das gewesen, sagte der Österreicher an Weiberfastnacht gegen 11.11 Uhr im Pressesaal des still daliegenden Rhein-Energie-Stadion. Der Coach und sein Team hätten „richtig Spaß gehabt. Die Jungs haben großen Gefallen gefunden“, erklärte er, schob aber auch nach: „Am Mittwoch haben sie wieder richtig gut trainiert.“
Struber würde am Samstag wohl gern den nächsten netten, coolen Abend folgen lassen, wenn auch in Karlsruhe, wo der FC zum traditionellen Karnevals-Auswärtsspiel antritt. Die Partie steigt um 20.30 Uhr, eine Kombination aus Karneval in Köln und Stadionbesuch im Wildpark ist damit für die FC-Fans ausgeschlossen. Kein feiner Zug der Spieltagsplaner, wenngleich der grundsätzliche Gedanke, den FC während der Tollen Tage in der Ferne spielen zu lassen, mit Blick auf die Kapazitäten der Polizei gewiss kein falscher ist.
Nur zwei der jüngsten fünf Pflichtspiele hat der FC gewonnen. In der Liga folgte auf das schlimme 0:3 in Magdeburg ein 1:1 im Derby gegen Düsseldorf. In den bislang acht Spielen gegen die aktuellen Mannschaften des oberen Tabellendrittels gelang den Kölnern bislang nur ein Sieg. Die Bilanz gegen die Spitzenteams könnte ein Grund sein, sollte es mit dem Aufstieg doch nicht klappen. Definitiv ist die magere Ausbeute gegen die direkte Konkurrenz ein Grund dafür, dass sich die Kölner noch nicht absetzen konnten.
Gegen Karlsruhe legte der FC in der Hinrunde das mittlerweile fast legendäre 4:4 hin, auch damals hatte der FC zuvor gegen Magdeburg verloren und gegen Düsseldorf unentschieden gespielt. Vier Gegentore daheim, das war kein seriöser Aufstiegsfußball. Und nach weiteren Rückschlägen passte Struber das Spielkonzept im Herbst vorsichtig an. Veränderte das Kölner Spiel damit jedoch fundamental. Die Gegentorquote brach zusammen, ebenso der eigene Ballbesitz. Und begeisternden Fußball zeigt die Mannschaft nur noch in seltenen Momenten.
Er hat Einfluss auf die Mannschaft. Er ist ein ganz entscheidender Faktor für uns, um Spiele zu gewinnen
Dass die Kölner zuletzt Ergebnisfußball boten, ohne dabei Ergebnisse zu liefern, hat die Sorge vor der nächsten Krise wachsen lassen. Daher kommt dem Besuch in Karlsruhe erneut entscheidende Bedeutung zu. „Wir wissen, wie stark wir sein können, wenn alle auf hundert sind. Darum ist der Blick vor allem auf uns gerichtet. Dass wir effizient sind, uns viel zutrauen und in allen Phasen des Spiels unsere Bewaffnung darstellen“, beschreibt der Trainer.
Ein Faktor war zuletzt gewiss, dass Eric Martel wegen einer Muskelverletzung fehlte. Zuletzt gelang es den Kölnern vor zwei Jahren, ein Spiel ohne den Mittelfeldmann zu gewinnen, beim 2:1 in Leverkusen war das. In der Saison 23/24 fehlte Martel viermal, alle vier Partien verlor der FC. In diesem Jahr verpasste Martel zwei Spiele; eines davon verlor Köln, das andere endete unentschieden. Nun kehrt der gebürtige Straubinger zurück. „Das ist positiv. Wir tun uns nicht so leicht, ihn zu ersetzen“, sagt Struber: „Er hat Einfluss auf die Mannschaft. Er ist ein ganz entscheidender Faktor für uns, um Spiele zu gewinnen.“

Max Finkgräfe kämpft derzeit um seine Form, Trainer Gerhard Struber honoriert das.
Copyright: Herbert Bucco
Weil Leart Pacarada in Karlsruhe eine Gelbsperre absitzen muss, wird er nicht versuchen können, wie im Hinspiel vier Torvorlagen zu produzieren – um diesmal sogar womöglich das Spiel zu gewinnen. Für den kosovarischen Nationalspieler wird Max Finkgräfe beginnen. Der 20-Jährige war die Entdeckung der vergangenen Saison, doch nach einer Verletzung im Sommer hatte er zuletzt Schwierigkeiten, seinen Platz im Kölner Team zu finden. Finkgräfe verlor seinen Rhythmus, hatte auch Pech. Nun investiert er viel Arbeit in seine Rückkehr zu alter Leistung.
Sein Trainer honoriert das. „Ich kriege mit, wie er kämpft, um in Form zu kommen. Er ist ein richtiger Profi. Es wird ihm guttun, am Wochenende von Beginn an wegzustarten. Ich wünsche mir, dass er sich schnell ins Spiel arbeitet, gut im Matchplan ist und unter Beweis stellt, dass er ein ganz entscheidender Spieler für uns sein kann.“
Julian Pauli fehlt weiter wegen der Folgen seiner Kopfverletzung aus der Hinrunde. Der junge Verteidiger soll weiter behutsam an die Belastungen herangeführt werden, die der Profisport für einen Athleten bedeutet. „Das kann man nicht seriös planen. Wir schauen da von Einheit zu Einheit. Ich tue mich schwer, da einen Zeitrahmen auszugeben. Wir sind aber hoffnungsvoll, dass er in absehbarer Zeit wieder im Mannschaftstraining ist.“ Den Schritt ins Mannschaftstraining hat Mark Uth immerhin bereits geschafft. Nach seiner im Trainingslager erlittenen Muskelverletzung ist der Kölner Regisseur derzeit teilweise integriert. „Er macht vieles mit, aber ist noch kein Thema fürs Wochenende“, erklärt Struber. Auch Tim Lemperle ist noch nicht wieder hergestellt. Der Leistungsträger der Kölner Offensive könnte für die Partie in Ulm ein Kandidat sein.
Schwache Bilanz gegen Spitzenteams
In Karlsruhe wollen die Kölner zeigen, wie sie gegen Mannschaften auf Augenhöhe erfolgreich sein können. Der KSC ist zwar derzeit auf Platz 10 zurückgefallen, war aber in der ersten Saisonhälfte eine der interessantesten Mannschaften der Liga. Dass sie weiter das Potenzial zur Spitzenmannschaft haben, zeigten sie vor einer Woche beim 3:1-Sieg über Magdeburg. „Wir wollen wachsam sein – bei eigenem Ballbesitz, aber auch in Umschaltmomenten. Man darf sich keine Auszeiten gönnen. Wir wollen uns etwas zutrauen und uns an unsere Grenze bewegen, was Intensität und Aggressivität angeht“, sagt Struber: „Wenn wir das hinkriegen, wird es nicht leicht für den KSC.“