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FC vor Spiel gegen Hertha BSCNächste Chance für Kölns neues Duo

Lesezeit 5 Minuten
Auf Imad Rondic, Tim Lemperle und Mark Uth (v.r.) ruhen die Offensivhoffnungen des 1. FC Köln im Saisonfinale.

Auf Imad Rondic, Tim Lemperle und Mark Uth (v.r.) ruhen die Offensivhoffnungen des 1. FC Köln im Saisonfinale. 

Tim Lemperle und Imad Rondic harmonierten in Paderborn gut, nun sollen sie auch gegen Hertha auftrumpfen.

Das Spiel bei Hertha BSC im Olympiastadion markierte Anfang November die vorläufige Wende der Kölner Saison. Schon vier Tage zuvor hatte der FC im eigenen Stadion den Erstligisten Holstein Kiel aus dem Pokal geworfen. Der Wechsel zur Fünfer-Abwehrkette sowie Jonas Urbigs Ablösung durch Marvin Schwäbe im Tor beendeten damals die Herbstkrise und retteten auch Cheftrainer Gerhard Struber den Job. Vor knapp 70.000 Zuschauern besiegte der FC anschließend die Hertha in einem Spiel, das Köln seriös und kampfstark bestritt und in dem die Abwehr kaum etwas zuließ.

Bis zur Winterpause gab Strubers Team anschließend nur noch einen Punkt ab, arbeitete sich von Rang zwölf bis an die Spitze und wurde Herbstmeister. Würde Köln nun eine ähnliche Serie hinlegen, wäre der Aufstieg sicher – und zwar schon weit vor dem letzten Spieltag.

Das entscheidende Tor in Berlin erzielte damals Tim Lemperle aus einer einfachen Konteraktion, die gut zum neuen Kölner Stil passte: Dominique Heintz passte auf die linke Seite, Lemperle sprintete in den Raum und schloss perfekt ab. Wie so oft war es Lemperle, der dem Spiel seiner Mannschaft die entscheidende Richtung gab.

Anschließend fiel der Angreifer jedoch monatelang verletzt aus. Der Systemwechsel und der Tausch im Tor behielten zwar ihre Wirkung; Köln punktete weiterhin ordentlich. Doch als Lemperle vor zwei Wochen gegen Darmstadt für 21 Minuten sein Comeback gab, wurde deutlich, wie sehr der 23-Jährige seiner Mannschaft gefehlt hatte. Am vergangenen Wochenende gab Lemperle sein Startelf-Comeback und spielte gleich wieder seine größte Stärke aus, nämlich die, seine Nebenleute in Szene zu setzen und eine ganze Offensive zu dirigieren. Letztlich war es vor allem Lemperle zu verdanken, dass die Partie einen eher unerwarteten Mann des Tages hatte. Nämlich Imad Rondic, den bosnischen Winterzugang der Kölner, der nicht nur ein kurioses Tor erzielte, sondern auch enorme Spielanteile hatte.

Acht Torschüsse gab der 26-Jährige in Paderborn ab, mehr als zwölf Kilometer legte Rondic zurück. Seine Höchstgeschwindigkeit blieb dabei zwar unter 30 Kilometern pro Stunde, doch der Aufwand des Bosniers war enorm. „Diese Kombination hat uns dauerhaft wehgetan“, sagte Paderborns Trainer Lukas Kwasniok nach dem Schlusspfiff über das Sturmduo Rondic/Lemperle. Rondic selbst hatte schon nach den unglücklichen ersten Auftritten im FC-Trikot den Eindruck erweckt, mit einem robusten Selbstbewusstsein ausgestattet zu sein. Auf dem Spielfeld in Paderborn hatte er dann so lange gearbeitet, bis er seinen Treffer erzwungen hatte – wenngleich es dabei auch der Hilfe des SCP-Verteidigers Felix Götze bedurft hatte. „Meine Aufgabe ist es, den Ball zu halten, Zweikämpfe zu gewinnen und Tore zu erzielen“, sagte Rondic nach dem Spiel. Struber betonte Lemperles Beitrag: „Wir haben gesehen, welches Timing er zwischen den Linien hat. Er bringt auch Imad Rondic immer wieder gut ins Spiel“, sagte der Österreicher.

Gerhard Struber und Imad Rondic

Gerhard Struber und Imad Rondic

Trotz der langen Verletzungspause ist Lemperle noch immer zweitbester Schütze der Kölner Mannschaft, ihm folgt Damion Downs. Auch der 20 Jahre alte Deutsch-Amerikaner fehlte zuletzt, die Folgen einer Hand-Operation hielten ihn von einer Rückkehr ab. Auch am Samstagabend (20.30 Uhr, Sky und Sport1) wird er gegen Hertha BSC noch nicht wieder zur Verfügung stehen. Erst am Montag soll Downs wieder voll ins Training einsteigen, sagte Struber vor der Partie.

Kölns für den jüngsten Gegner so problematisches Sturmduo wird also auch im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion am Samstagabend zu erleben sein. Wie sich insgesamt die Personalsituation weiter gebessert hat. In der Defensive wird Dominique Heintz nach überstandener Muskelverletzung zur Verfügung stehen und die Möglichkeit haben, mit Lemperle den Siegtreffer aus dem Olympiastadion zu rekonstruieren. Nach der Trainingspause in dieser Woche wird auch Dejan Ljubicic einsatzbereit sein, der Österreicher hatte die Partie in Paderborn wegen einer Gelbsperre verpasst.

Das zeichnet die Mannschaft aus. Dennoch sind wir froh, wenn sich die Verletztenliste lichtet und wir wieder die totale Verfügbarkeit haben
FC-Trainer Gerhard Struber

Julian Pauli könnte ebenfalls wieder eine Alternative werden. Der Teenager, in der Frühphase der Saison eine der großen Kölner Entdeckungen, wird vier Monate nach seiner Kopfverletzung zum Kölner Kader gehören, „er schreit nach Einsatzzeit“, sagte Struber lächelnd, sichtlich erfreut über die Rückkehr seines Abwehrtalents. Im Pokalspiel gegen die Hertha (2:1 n.V.) war Pauli mit Marton Dardai zusammengeprallt, die anschließende Rekonvaleszenz hatte sich zur Geduldsprobe entwickelt. Nun steht der Junioren-Nationalspieler wieder zur Verfügung, was Struber davor bewahrt, Spieler positionsfremd einsetzen zu müssen.

Es war insgesamt Geduld gefragt in den zurückliegenden Monaten. Der FC trat regelmäßig ideenlos auf, alles fiel schwer. Doch in Paderborn setzte sich der Aufwärtstrend fort, wenngleich Berlin mit einer gerade offensiv herausragend besetzten Mannschaft anreist. „Wir gehen Schritt für Schritt unseren Weg. Wir sind selbstkritisch mit unserem Spiel, wussten aber auch, dass es mit der Zeit wieder besser werden würde“, beschreibt es Struber. Er sei zufrieden mit seinen Profis, die „voll in die Pflicht“ gegangen seien und auch in ungewohnten Rollen Verantwortung übernommen hätten. „Das zeichnet die Mannschaft aus. Dennoch sind wir froh, wenn sich die Verletztenliste lichtet und wir wieder die totale Verfügbarkeit haben.“

1. FC Köln: Schwäbe – Schmied, Martel, Heintz – Thielmann, Ljubicic, Huseinbasic, Pacarada – Waldschmidt – Rondic, Lemperle;

Hertha BSC: Ernst – Gechter, Leistner, Klemens – Kenny, Demme, Zeefuik – Cuisance, Maza – Reese, Scherhant;

Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen).