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Mit Rückenwind ins Hertha-SpielDas Ziel des 1. FC Köln ist der Aufstieg als Meister

Lesezeit 4 Minuten
ARCHIV - 29.03.2025, Nordrhein-Westfalen, Paderborn: Fußball: 2. Bundesliga, SC Paderborn 07 - 1. FC Köln, 27. Spieltag, Home Deluxe Arena. Kölns Trainer Gerhard Struber fordert in der Nachspielzeit den Anpfiff. (zu dpa: «Zwei weitere Spieler krank: Immer wieder Ausfälle in Köln») Foto: Bernd Thissen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Emotional am Spielfeldrand: FC-Trainer Gerhard Struber und Lizenzspieler-Boss Thomas Kessler (l.) während des 2:1-Siegs in Paderborn

Die Verantwortlichen des 1. FC Köln waren vor der Hertha, die sich trotz Platz 13 im Aufwind befindet und vor allem in der Offensive ihre Stärken hat.

Mit dem 2:1-Sieg am vergangenen Wochenende im Spitzenspiel beim SC Paderborn konnte der 1. FC Köln nicht nur die Tabellenführung in der 2. Bundesliga zurückerobern, sondern der Erfolg sorgte im Kölner Lager spürbar für Rückenwind im Aufstiegsrennen. Dies wurde in dieser Woche bei den Trainingseinheiten am Geißbockheim deutlich, aber auch bei den Fans des Klubs herrscht wieder deutlich mehr Zuversicht.

Den Sieg hatte der FC nicht nur durch spröden Minimalisten-Fußball errungen, sondern auch die Leistung und die Herangehensweise einer zudem personell geschwächten Mannschaft stimmten in Ostwestfalen. Nicht unwesentlich war zudem, dass die Kölner den Vorsprung auf Tabellenplatz drei und vier auf vier beziehungsweise fünf Punkte vergrößerten.

Mit einem Sieg am Samstagabend (20.30 Uhr) im Heimspiel gegen Hertha BSC können die Kölner nun einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung direkter Wiederaufstieg machen und sich weiter von der Konkurrenz absetzen. Denn die steht am 28. Spieltag vor keinen einfachen Aufgaben: Hannover und Paderborn müssen am Freitag erst einmal in Karlsruhe beziehungsweise in Braunschweig gewinnen, der Tabellenzweite HSV steht mit der Partie in Nürnberg vor einer vermeintlich kniffligen Partie. Und Magdeburg und Kaiserslautern stehen sich am Sonntag im Spitzenspiel gegenüber.

Der Tabellenplatz zeigt, wo wir hinwollen. Den wollen wir nicht mehr verlieren
Thomas Kessler, der Leiter der FC-Lizenzspielerabteilung

Es verwundert dennoch nicht, dass die Kölner Verantwortlichen davor warnen, dass für den FC trotz der guten Ausgangsposition noch nichts gewonnen sei. Zu erratisch verlief bisher die Saison, die Aufs und Abs wechselten sich zu oft ab. „Wir verlieren den Fokus nicht. Wir haben noch sieben Spiele. Die wollen wir erfolgreich gestalten“, sagte Thomas Kessler. Doch der Leiter der Lizenzspielerabteilung gab am Donnerstag auch klar zu verstehen, dass der FC den Aufstieg als Meister der Liga schaffen will: „Der Tabellenplatz zeigt, wo wir hinwollen. Den wollen wir nicht mehr verlieren.“

Von Rechenüberlegungen und Statistiken halten indes weder Kessler noch Trainer Gerhard Struber etwas. „Rechnen sollen andere. Es wäre gefährlich, wenn wir uns auf so etwas einlassen. Wir sind fokussiert und wollen uns nicht verzetteln in mathematischen Meisterleistungen. Wichtig ist, dass wir jetzt alles geben für den Tabellenstand“, forderte der Coach, der der Meinung ist, dass seine Elf auch gegen Hertha um den Ex-Kölner Toni Leistner mindestens eine ähnlich starke Leistung wie in Paderborn abrufen muss, um zu gewinnen. Zwar belegen die Berliner nach einer in weiten Teilen und gemessen an den eigenen Ansprüchen indiskutablen Saison nur Platz 13, doch die Tendenz geht nach der Rückkehr einiger zuvor verletzter Schlüsselspieler und zwei Siegen mit acht Toren (5:1 in Braunschweig, 3:1 gegen Karlsruhe) nach oben.

„Hertha müsste von der Qualität her eigentlich in ganz anderen Tabellen-Regionen herumturnen. Die werden uns Samstag alles abverlangen“, war sich Struber sicher. Und Kessler fügte an: „Es ist es ein unfassbar schwieriges Spiel, weil wir schon zweimal gewonnen haben und die Erwartungshaltung dadurch unheimlich groß ist.“

Die Kölner wissen nur zu gut, dass beide Siege alles andere als Selbstläufer waren. Im Olympiastadion gewann der FC zwar knapp, aber verdient mit 1:0, doch im Pokal-Achtelfinale Anfang Dezember im eigenen Stadion tat sich der FC trotz am Ende 95-minütiger Überzahl schwer und behielt erst durch ein Tor von Dejan Ljubicic in der Nachspielzeit der Verlängerung zum 2:1 die Oberhand.

1. FC Köln: Trainer Struber warnt vor Herthas Offensivspielern um Reese

Im Pokal-Duell war Herthas Torjäger Fabian Reese zwar nach 72 Minuten eingewechselt worden, doch nach langer Verletzungspause bei weitem noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Dies hat sich nun geändert, der 27-Jährige ist in Top-Form und erzielte gleich vier Tore in zwei Spielen. „Hertha hat Dynamik, Spielwitz und Durchschlagskraft. Und mit Fabian Reese einen Spieler, der natürlich unglaublich torgefährlich ist“, warnte auch Struber vor der Offensive der Berliner, die mit Ibrahim Maza, Derry Scherhant und Michael Cuisance noch weitere Spieler in ihren Reihen haben, die längst bei anderen Klubs Begehrlichkeiten geweckt haben.

Reese war Ende 2022 selbst mal ein Transfer-Thema beim FC, als dieser noch beim damaligen Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag stand. Angesprochen auf das damalige Interesse, taten sich bei Kessler erstaunliche Erinnerungslücken auf. „Ich kann mich nicht erinnern“, entgegnete der Ex-Torwart mit einem Schmunzeln.

Wer Reese und Co. am Samstag stoppen soll, das war am Donnerstag noch etwas offen. Sicher ist, dass Abwehrchef und Kapitän Timo Hübers weiterhin aufgrund einer Magen-Darm-Erkrankung ausfällt. Julian Pauli mache nach seiner Gehirnerschütterung zwar weiter Fortschritte, so Struber, doch in Paderborn fehlte der 20-Jährige noch im Kader. Das traf auch auf Dominique Heintz zu, doch der Routinier konnte in dieser Woche das Mannschaftstraining wieder aufnehmen und wird laut Struber zur Verfügung stehen. Gleiches hofft der Coach auch für die angeschlagenen Luca Waldschmidt und Dejan Ljubicic.

Das Comeback von Damion Downs muss allerdings noch einmal verschoben werden. Der an der Hand operierte Stürmer soll ab Montag komplett ins Training einsteigen. Das Lazarett lichtet sich also zunehmend – auch das stimmt die Kölner im Aufstiegsrennen zuversichtlich.