Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen entwickelten sich zu Topklubs dank wegweisender Personalentscheidungen und einer strategischen Transferpolitik.
Parallelen bei EntwicklungFrankfurt gegen Leverkusen - die neuen Topklubs der Bundesliga

Szene aus dem Hinspiel: Florian Wirtz gegen Tuta und Arthur Theate (r.).
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Wenn man etwas über den Erfolgsweg von Eintracht Frankfurt wissen will, lohnt ein Blick in die Vereinigten Arabischen Emirate. Nicht etwa, weil die Hessen dort einen Scheich mit schier unerschöpflichem Geldfluss gefunden haben. Nein, weil dort Haris Seferovic spielt. Mit mittlerweile 33 Jahren verdient der Angreifer sein Geld bei Al-Nasr. Von 2014 bis 2017 spielte der Schweizer bei der Eintracht und besitzt dort Heldenstatus. Denn der Stürmer legte den Grundstein für die überragende Entwicklung der Frankfurter.
Seferovic war es, der mit seinem 1:0-Siegtreffer in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg im Jahr 2016 den erneuten Abstieg verhinderte und damit das Ende des Fahrstuhlklubs vom Main einläutete. Beim sonst so besonnen agierenden damaligen Vorstandsboss Heribert Bruchhagen brachen nach Abpfiff dieser Partie alle Dämme. Bruchhagen wusste, dass der abermalige Absturz in die Zweitklassigkeit vor allem enorme finanzielle Folgen gehabt hätte. Ein Szenario wie beim Hamburger SV oder dem 1. FC Kaiserslautern, die es bisher nicht mehr nach oben geschafft haben, drohte. Es kam anders. Neun Jahre später stehen die Frankfurter als etablierter und ambitionierter Erstligist, Europa-League-Sieger und wiederkehrender Europapokalteilnehmer da. Als Tabellendritter empfangen sie am Samstag (18.30 Uhr, Sky) den amtierenden Meister und aktuellen Zweiten Bayer 04 Leverkusen zum Topspiel.
Die Werkself befand sich in den vergangenen Jahrzehnten stets im Dunstkreis des FC Bayern oder Borussia Dortmund. Mit vielen guten Personalentscheidungen und einigen strukturellen Änderungen samt neuer Leistungskultur im Klub gelang in der jüngsten Vergangenheit aber der nächste, entscheidende Schritt, der im Doublesieg 2024 mündete. Doch wie schaffte es die Eintracht, sich vom Dauer-Abstiegskandidaten zu einem der großen, deutschen Topklubs zu entwickeln? Ein Rückblick mit Parallelen zu Bayer 04. Auch in Frankfurt waren es 2016 nach der überstandenen Relegation vor allem gute Personalentscheidungen, die den Stein ins Rollen brachten. Entscheidende Faktoren waren die Verpflichtungen von Trainer Niko Kovac, Sportvorstand Fredi Bobic und Chefscout Ben Manga.
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Ernährungsberater und Yoga-Trainerin
Kovac krempelte den Klub um, holte unter anderem einen Ernährungsberater und eine Yoga-Trainerin in den Verein, ging neue Wege, ließ fortan disziplinierten und attraktiven Fußball spielen. Bobic und Manga legten schließlich 2017 den ersten nahezu perfekten Transfersommer hin – es sollten weitere folgen. Daichi Kamada, Sebastian Haller, Luka Jovic und Kevin-Prince Boateng kamen nach Frankfurt. Neben sportlichem Erfolg brachten vor allem die ersten drei Spieler im Laufe der Zeit dem Klub einen Transfergewinn von mehr als 100 Millionen Euro ein.
2018 gewann die Eintracht den DFB-Pokal mit Kovac und zog in die Europa League ein, dort blieb sie Dauergast, spielte sich unter Kovac und seinem Nachfolger Adi Hütter mit vielen großartigen Auftritten und lautstarker Anhängerschaft in die Herzen vieler deutscher Fußballfans. 2022 gewann die Eintracht dann mit Coach Oliver Glasner sogar den Wettbewerb und nahm somit an der Champions League teil – der nächste Geldregen prasselte herunter.
Das verdiente Geld wurde erneut gut investiert. Kolo Muani kam für 16 Millionen Euro, wurde ein Jahr später für rund 80 Millionen an Paris St. Germain verkauft. Dafür kam Omar Marmoush ablösefrei aus Wolfsburg, wurde nun gerade erst im Januar 2025 für rund 75 Millionen Euro zu Manchester City weiterverkauft. In Hugo Ekitiké holte Frankfurt 2024 zudem den nächsten Stürmerstar, der seinen Marktwert mittlerweile auf 40 Millionen Euro verdoppelt hat.
Neben einer herausragenden Transferpolitik und der sehr guten sportlichen Entwicklung gewann der Klub auch an Profil im Machtzentrum des deutschen Fußballs. Eintrachts Vorstandssprecher Axel Hellmann sitzt im DFL-Präsidium. „Wir sind ein erfolgreicher Verein, ohne dass uns nach oben noch Grenzen gesetzt sind“, gab er als Credo vor. Dass sich Hellmann als Machertyp mit Fernando Carro, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung beim kommenden Gegner Bayer 04, sehr gut versteht, ist keine große Überraschung. Da haben sich zwei progressive Entscheider gefunden, die mit ihren Klubs eine rasante Entwicklung zu absoluten Topklubs genommen haben.
Und so treffen sich am Samstagabend die beiden deutschen Klubs, die in den vergangenen Jahren wohl die meisten richtigen Entscheidungen in Serie getroffen haben. Gut für die Eintracht, dass das Spiel in Frankfurt stattfindet, denn aus der Bay-Arena hat sie trotz der Wende zum Guten seit mehr als zehn Jahren keinen Punkt mehr mitgenommen. Im ehemaligen Waldstadion gab es hingegen einige bemerkenswerte Siege. Zuletzt 2022 beim 5:1, dem ersten Auswärtsspiel von Xabi Alonso auf der Leverkusener Trainerbank. Diese Partie – so ist es überliefert – war für den Spanier der Anlass, den Kader auf den Prüfstand zu stellen. Auch daraus zog der Klub die richtigen Schlüsse.