Die Leverkusener Amateurfußballer haben mit ihrem prominenten Zugang zwei Spiele gewonnen, obwohl der 37-jährige Ex-Profi noch kein Tor und keine Vorlage beigesteuert hat.
Kreisliga BWie Roland Bürrig von Ex-Nationalspieler Gonzalo Castro profitiert

Gonzalo Castro beim Kreisligaspiel von Roland Bürrig
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Enttäuscht werden konnten nur die Ahnungslosen. Wer sich wunderte, dass Gonzalo Castro als Neuzugang des TuS Roland Bürrig die Kreisliga B nicht kurz und klein schießt, wird den Amateurfußball und den Mannschaftssport insgesamt nicht ganz verstanden haben. „Sicher könnte er mit seinen Fähigkeiten auch anders spielen, ins Dribbling gehen und Gefahr für das gegnerische Tor ausstrahlen“, sprach Thomas Herrmann nach den ersten beiden Einsätzen seines prominenten Winterzugangs über dessen Fehlen in der Scorer- und Torschützenliste. Auch wenn die Gegner des ehemaligen Bundesliga-Profis (421 Einsätze) nicht mehr Bayern München oder Real Madrid, sondern SC Leverkusen oder SV Bergfried II heißen, weicht der 37-jährige Ex-Nationalspieler nicht von seiner Spielweise ab.
Wenn er bei unserem Angriff merkt, dass die Konterabsicherung fehlt, rennt er nicht noch als siebter Stürmer in den gegnerischen Strafraum
Streng nach dem Motto „Du kannst Castro aus der Bundesliga holen, aber die Bundesliga nicht aus Castro“ agiert der zweifache Familienvater im zentralen, defensiven Mittelfeld immer noch mit wenigen Ballkontakten, schnellen Spielverlagerungen und verkneift sich allzu vertikales, risikobehaftetes Spiel.
Und der Teamerfolg gibt ihm recht. Sowohl bei dem wegen eines medizinischen Notfalls des Gegners, beim Stand von 2:0 abgebrochenen Spiels gegen den SC Leverkusen als auch bei der 3:2-Heimpremiere gegen Bergfried Leverkusen II überzeugte Castro mit seiner ganzen Klasse und Erfahrung. „Das sieht dann manchmal so aus, dass er stehen bleibt, wenn er bei unserem Angriff merkt, dass die Konterabsicherung fehlt. Dann rennt er nicht noch als siebter Stürmer in den gegnerischen Strafraum“, erklärt Herrmann.
In anderen Momenten kam der ehemalige Star von Bayer Leverkusen an die Seitenlinie und teilte dem Trainerteam mit, wenn die individualtaktischen Positionierungen auf dem Feld nicht passen. „Nach dem ersten Spiel habe ich ihn gefragt, wie sein B-Liga-Debüt war“, berichtet der hauptverantwortliche Coach, „und er meinte, dass er schon überrascht war, wie viel Zeit und wie viel Platz er jetzt hat“. Wenn Castro, der weite Teile der Wintervorbereitung wegen einer Wadenverletzung verpasst hatte, nicht nur einen Moment Trainings- und Wettkampfpraxis in den Beinen habe, sondern „mal ein, zwei Monate dabei war“, dürfte man sicher noch mehr von „Gonzo“, wie sie ihre neue Nummer 27 rufen, erwarten.
„Man kann aber schon klar erkennen, dass er sich an die Mannschaft gewöhnt und die Mannschaft auch an ihn“, spricht Herrmann über beidseitig abgelegte Zurückhaltung und zu viel Respekt. „Da werden jetzt auch Zweikämpfe geführt, die in dieser Liga normal sind.“
Zuschauerzahlen haben sich wegen Gonzalo Castro in Leverkusen verdreifacht
Als positiven Nebeneffekt kann der Bürriger auch die mehr als verdreifachten Zuschauerzahlen nennen. In Leverkusen kamen statt 80 zuletzt über 250 Fußballinteressierte an die Kunstrasenplätze, um den ehemaligen Champions-League-Kicker am Ball zu sehen.
Nun steht am Sonntag (15.30 Uhr) das Auswärtsspiel in Köln Merheim an. Bei Castros drittem B-Ligaeinsatz kommt er also raus aus der Komfortzone und tritt mit dem Zweiten aus Leverkusen beim Siebten im Osten von Köln an. „Bisher gab es nur positive Reaktionen, mal schauen, wie es jetzt wird, wenn vielleicht einige FC-Fans auf einen ehemaligen Bayer 04-Profi treffen“, merkt der Gästecoach an, der insgeheim auf eine besondere Premiere hofft. Vielleicht müsse Castro „nur“ von den Kölnern gereizt werden, um im dritten Anlauf schon seinen ersten Treffer oder Assist für Roland Bürrig zu liefern.