Wegen der Vogelgrippe gibt es in den USA deutliche Eier-Engpässe. Auch im Rheinland ist ein erster Fall der Geflügelpest aufgetreten. Wie sich das auf die Eierpreise auswirkt.
Hohe NachfrageEierpreis bleibt zu Ostern trotz US-Anfragen stabil – Erster Vogelgrippe-Fall im Rheinland

Frisch gefärbte Ostereier werden in der Ostereierfärberei auf einem Rollband zum Verpacken befördert.
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Gute Nachricht für deutsche Verbraucher: Der Chef des Bundesverbands Ei erwartet trotz der Debatte um Exporte in die USA keine steigenden Eierpreise zu Ostern. „Der Eierpreis ist stabil“, sagte Hans-Peter Goldnick dem Bayerischen Rundfunk. Verträge zwischen Produzenten und Händlern werden demnach üblicherweise für ein Jahr vereinbart. „Insofern ist auch diese starke Nachfrage jetzt kein Grund für eine Preisanhebung zu Ostern“, sagte Goldnick.
Darüber hinaus sieht der Chef des Eierverbandes ohnehin kaum Möglichkeiten, Eier aus Deutschland in die USA zu exportieren. „Wenn Sie die Relation sehen, der Menge, die dort fehlt und der, was wir täglich produzieren, dann muss ich sagen: Nein, das ist eigentlich nicht möglich“, sagte er. Demnach fehlen in den USA täglich 56 Millionen Eier, in Deutschland würden 46 Millionen Stück produziert. Eine Ausfuhr mache daher „nicht so sehr viel Sinn“.
Durch die Vogelgrippe gibt es in den USA derzeit einen Engpass bei Eiern, der die Preise explodieren lässt. Das Land sucht deshalb im Ausland nach möglichen Lieferanten. Der Bundesverband Ei bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass es eine entsprechende Anfrage gegeben habe.
Wanderfalke am Niederrhein befallen
In Deutschland ist die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, noch nicht so verbreitet. Allerdings: Es gibt einen ersten Fall im Rheinland, der am Donnerstag bekannt wurde. Am Freitag, 28. Februar, wurde vom Kreis Wesel ein tot aufgefundener Wanderfalke aus Rheinberg zum Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld eingesandt. Bei dem Vogel wurde ein Influenzavirus festgestellt.
Die nähere Untersuchung im Friedrich-Loeffler-Institut ergab, dass es sich um ein hochpathogenes Influenzavirus vom Typ H5N1 und damit um Geflügelpest (Vogelgrippe) handelt. Der Befund hat zunächst keine Auswirkungen auf Geflügelhaltungen im Kreis Wesel. Es ist der erste Fall im Kreisgebiet in der Wintersaison 2024/2025. Bei gehäuftem Auftreten würde der Kreis über eine Aufstallungspflicht entscheiden müssen. Der erste Fall von Vogelgrippe im Land waren im Januar Schwäne am Baldeneysee in Essen, die daran verendet waren.
Dennoch zeigt das Untersuchungsergebnis, dass das gefährliche Virus auch im Rheinland zirkuliert und Geflügelbestände gefährden kann. Der Kreis Wesel appelliert daher erneut an alle Geflügelhalter, die andauernde Gefahr ernst zu nehmen und die erforderlichen Biosicherheitsvorkehrungen grundsätzlich einzuhalten. Dabei geht es im Wesentlichen darum, Futter- und Tränke-Einrichtungen von im Freien gehaltenem Geflügel möglichst für Wildvögel unzugänglich zu gestalten und über Hygienemaßnahmen wie das Tragen geeigneter Schutzkleidung eine Einschleppung der Seuche in Betriebe zu verhindern.
Eierverbrauch steigt stetig
Eier sind in Deutschland übrigens immer gefragter. Der Verbrauch ist im vergangenen Jahr um mehr als vier Prozent auf 20,8 Milliarden Eier gestiegen. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) hervor. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch ist demnach gewachsen. Rechnerisch wurden 2024 hierzulande im Schnitt pro Person 249 Eier gegessen. Das waren zehn mehr als im Vorjahr, als ebenfalls ein Anstieg verzeichnet worden war. In den Zahlen sind auch verarbeitete Eier in Eiprodukten inbegriffen.
Die Behörde sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. „Eier erweisen sich im Vergleich zu anderen Lebensmitteln für Verbraucher im Einzelhandel als relativ preisstabil“, sagte der Leiter des BZL, Josef Goos. Zudem seien Eier eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß.
Die Zahl der Legehennen in Deutschland ist 2024 laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung um eine Million Tiere auf 51,4 Millionen gestiegen. Die Legeleistung lag bei 295 Eiern je Henne. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 15,2 Milliarden Konsumeier erzeugt, das waren drei Prozent mehr als 2023. Der Inlandsbedarf konnte damit zu 72 Prozent aus heimischer Ware gedeckt werden.
Hohe Nachfrage in Deutschland treibt Importe
Wegen der hohen Nachfrage nach Eiern in Deutschland wurden zuletzt mehr Eier aus dem Ausland eingeführt. Im Vergleich mit dem Vorjahr stiegen die Importe von Schaleneiern und Eiprodukten wie Vollei, Eigelb und Eiweiß 2024 um jeweils sieben Prozent. Wichtigstes Lieferland für Schaleneier sind die Niederlande mit einem Anteil von 76 Prozent. Zugleich wurden jedoch auch mehr Eier exportiert.
Seit dem Verbot der Legebatterien in Deutschland vor 15 Jahren wurden die Legehennenbestände laut Informationen des Rheinischen Landwirtschaftsverbands (RLV) nach und nach wiederaufgebaut und das Produktionsvolumen stetig erhöht. Eier aus Freilandhaltung würden hierzulande immer beliebter. Darauf und auf ein vielfältiges Angebot an Verkaufsstellen, auch auf dem Land, weist der RLV kurz vor Ostern hin.
Da auch ökologisch gehaltene Legehennen Auslauf haben, stamme inzwischen jedes dritte hierzulande gelegte Ei aus Freilandhaltung. Deutsche Eier aus diesen Haltungsformen sind am Stempel auf der Eierschale zu erkennen: DE-0 für Öko oder DE-1 für Freiland. Der restliche Anteil deutscher Eier, der nicht aus Freilandhaltung kommt, stammt fast ausschließlich aus Bodenhaltung. Ausgestaltete Käfighaltung spiele laut dem RLV in Deutschland mit unter fünf Prozent kaum eine Rolle, EU-weit liege der Anteil dagegen noch bei fast 50 Prozent. (mit afp/dpa)