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Hygiene-MängelKaufland schließt vorübergehend Läden – auch zwei Kölner Filialen fielen durch

Lesezeit 3 Minuten
Das Logo von Kaufland hängt vor einer Filiale.

Ein Reporter-Team hat gravierende Hygienemängel bei Kaufland festgestellt, hier eine Filiale in Köln-Ehrenfeld.

Verschimmelter Käse, Keime im Hähnchenfleisch, kaputte Kühltruhen: Die Lebensmittelkette Kaufland kommt in einer TV-Reportage schlecht weg.

Die TV-Bilder, die am Donnerstagabend bei RTL zu sehen waren, hatten es in sich: Mäusekot, tote Nager und Schimmel in den Kühlregalen. Die Bilder hatten Reporter der RTL-Sendung „Team Wallraff“ aufgenommen und der Handelskette Mängel bei Hygiene und Lebensmittelsicherheit vorgeworfen. 50 Filialen haben die Reporter bundesweit teils verdeckt untersucht, auch in Köln und der Region waren Märkte dabei: in Köln-Ehrenfeld und -Humboldt/Gremberg, Monheim, Siegburg, Troisdorf und Neuss.

Hinweise von Kunden und Mitarbeitern waren es, die die Reporter von Stern und RTL auf die Fährte von Kaufland geführt hatten. Hinzu kamen laut dem TV-Bericht Hinweise von Kaufland-Mitarbeitern, die sich über die hygienischen Zustände und das Verhalten ihrer Führungskräfte beschwert hatten. In 48 von 50 Läden fanden die Reporter Dinge, die so nicht hätten sein sollen: verschimmelter Käse in der Frischetheke, Probleme mit Kühlsystemen, in einer Filiale in Homburg sogar Mäusekot, angefressene Lebensmittel und Mäuse in der Backabteilung. Am häufigsten dokumentierten die Reporter defekte Kühltruhen und Schimmel.

Auch im Kaufland in Humboldt/Gremberg stand der Reporter vor einer kaputten Kühltür, die notdürftig mit Pappe abgedichtet wurde. Die Abtropfgitter waren verschimmelt. In diesem Markt fiel dem Bericht zufolge auch Hühnerfleisch negativ auf: Die Reporter hatten deutschlandweit Proben von unterschiedlichen Hühnerfleischprodukten genommen und sie von einem unabhängigen Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: 15 von 30 Proben waren mit Fäkalkeimen verunreinigt, in 11 von 30 Proben wurden antibiotikaresistente Erreger festgestellt. Was im Kaufland in Ehrenfeld bemängelt wurde, teilte RTL auf Nachfrage nicht mit. Eine Antwort der Lebensmittelkontrolleure der Stadt Köln steht noch aus.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat Kaufland am Freitag gefragt, welche Mängel in den Kölner Filialen gefunden wurden und was passiert ist, um sie zu beheben. Auf diese Fragen antwortete das Unternehmen nicht, sondern schickte eine allgemeine Mitteilung zu den Vorfällen.

„Die jüngsten Bilder aus unseren Filialen tun uns weh und machen uns betroffen. Die gezeigten Bilder entsprechen in keiner Weise unseren Standards im Umgang mit Lebensmitteln und Sauberkeit“, sagte Jochen Kratz, Deutschland-Chef von Kaufland. Jede Filiale in Deutschland werden in den nächsten Wochen umfassend grundgereinigt. „Um die Hygiene in den Filialen noch zuverlässiger zu kontrollieren, greift Kaufland künftig auf die Expertise unabhängiger externer Institute zurück.“

Kontrollen und externe Experten

In zwei Märkten in Homburg und Bad Tölz wurden personelle Konsequenzen gezogen und eine neue Führung eingesetzt. Die Filiale in Homburg wurde sofort geschlossen und eine geplante Renovierung vorgezogen. Auch die Niederlassung in Bad Tölz ist vorübergehend für eine Woche geschlossen worden.

Kaufland hat seinen Hauptsitz in Neckarsulm im Norden Baden-Württembergs. Die Supermarktkette hat nach eigenen Angaben mehr als 770 Filialen und über 90.000 Beschäftigte in Deutschland. Kaufland ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe. (mit dpa)