Im Eduardus-Krankenhaus in Deutz gibt es seit kurzem einen Mini-Supermarkt ohne Kassen. Doch nicht nur dort expandieren Rewe und Edeka.
Mehr als 900 ShopsMini-Rewe-Märkte im Krankenhaus – Was hinter der Strategie der Kölner Kette steckt

Im Eduardus-Krankenhaus in Köln-Deutz ist der Kiosk einem unbemannten Rewe-Shop gewichen.
Copyright: Arton Krasniqi
Wo denn der Kiosk hin sei, fragt ein älterer Herr. Er ist überrascht, immerhin war bis vor kurzem neben der Cafeteria im Deutzer Eduardus-Krankenhaus noch ein Büdchen, an dem Patienten, Mitarbeiter und Besucher Dinge des täglichen Bedarfs kaufen konnten. Nun stehen hier Kühlschränke und Bezahl-Terminals, die nur bargeldlos funktionieren. Auch die Kaffeemaschine nimmt nur EC- oder Kreditkarte.

So sieht der Rewe to go im Eduardus-Krankenhaus von innen aus.
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Wer Artikel aus den Kühlschränken nehmen will, muss zuerst seine Geldkarte an einen Scanner halten. Das Gerät bucht pauschal acht Euro ab, dann lässt sich der zugehörige Kühlschrank öffnen. Kameras und Gewichtssensoren erkennen, was der Kunde herausgenommen hat. Der fällige Rechnungsbetrag wird errechnet und von dem Zahlungsmittel abgebucht, das gescannt wurde. Das System verrechnet den Preis mit dem hinterlegten Guthaben – wie bei einem klassischen Automaten, in den man Münzgeld einwerfen würde. Das restliche Guthaben wird zurück auf das Konto gebucht.
Unterwegs-Konsum liegt im Trend
Betrieben wird der „Rewe to go“ von Lekkerland, der Convenience-Tochter der Rewe-Gruppe. Convenience nennt man in der Lebensmittelbranche bequemes, vorgefertigtes Essen – seien es beispielsweise Tiefkühlpizzen, panierte Schnitzel oder Suppen, die nur noch angerührt werden müssen. Der Begriff umfasst aber auch das Unterwegs-Segment, das beispielsweise Lebensmittel in Tankstellen oder Mini-Supermärkte in Bahnhöfen umfasst.
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Das Umsatzpotenzial ist riesig: Einem Report des Marktforschungsinstituts Yougov zufolge kauft die Hälfte der Deutschen mindestens einmal pro Monat eine Fertigmahlzeit, bei den heute 18- bis 28-Jährigen sind es mehr als zwei Drittel.
Mehr als 900 „Rewe to go“-Shops gibt es hierzulande, der Großteil an Aral-Tankstellen, die auch von der Mineralölgesellschaft betrieben werden. Die rund 30 Shops außerhalb von Tankstellen werden von Lekkerland beziehungsweise von Franchisepartnern betrieben, meist an stark besuchten Orten wie Flughäfen, Bahnhöfen und in Innenstädten. Auch am Kölner Hauptbahnhof hat vor kurzem solch ein Rewe-Kiosk am Bahnsteig 10/11 eröffnet, weitere sollen folgen.
Das Sortiment der kleinen Läden enthält vor allem Produkte, die man für unterwegs braucht: Schokoriegel und Kekse, Wasser und Limo, abgepackte Sandwiches und Gemüsesticks. Im Eduardus-Krankenhaus gibt es zudem noch Drogerieartikel wie Zahnbürsten, Deo oder Tampons. Vor allem bei den Mitarbeitern im Schichtdienst sei der Mini-Supermarkt beliebt, sagt eine Sprecherin: „Die Preise sind ähnlich wie im Supermarkt. Im Kiosk war es deutlich teurer.“
Das ist nicht nur guter Wille von Konzernen wie Rewe, hungrige und durstige Menschen auch abseits der Ladenöffnungszeiten zu versorgen, sondern wirtschaftlich lukrativ: Viele Menschen sind es inzwischen gewohnt, sich unterwegs mit Snacks und Getränken zu versorgen – am liebsten rund um die Uhr, schnell und einfach. In diesem Jahr wird der Convenience-Food-Markt hierzulande Schätzungen zufolge knapp acht Milliarden Euro umsetzen - 2030 soll das Marktvolumen schon bei rund 10,4 Milliarden Euro liegen. Rein rechnerisch kauft jeder Deutsche Convenience-Lebensmittel im Wert von knapp 95 Euro.
Mini-Supermarkt ohne Personal an der Autobahn
Rund um diese Shoplösungen ist ein Wettbewerb entbrannt, Konzerne wie Edeka und die Rewe-Gruppe eröffnen immer mehr Einkaufskonzepte. Edeka betreibt beispielsweise unter der Marke „Spar Express“ Convenience-Läden an Tankstellen, aber auch in Nachbarschaft zum Bahnhof Leverkusen-Mitte. Die vor allem im süddeutschen Raum bekannte Kette Tegut betreibt ihr Kleinstflächenkonzept „Teo“ mit 950 Artikeln des täglichen Bedarfs.
Besonders umtriebig ist die Rewe-Tochter Lekkerland, die zehn unbemannte Shops betreibt. Die Vorteile: Sie haben rund um die Uhr geöffnet, es fallen keine Kosten für Personal an, sie lassen sich vergleichsweise leicht aufbauen.
Neben der Marke „Rewe to go“ nutzt Lekkerland hierfür auch „Rewe ready“, in Nordrhein-Westfalen etwa am Kamener Autobahnkreuz. Hier steht neben Elektroladesäulen ein Supermarkt, in dem Kunden ihre gewünschten Produkte einfach aus dem Regal nehmen und den Shop verlassen. Kunden scannen beim Betreten des Shops ein bargeldloses Zahlungsmittel, Kameras erfassen, welche Artikel sie entnehmen.

Ein Mini-Supermarkt, der ohne Kassen und Personal auskommt: hier der „Rewe ready“ am Kamener Kreuz.
Copyright: Lekkerland / Manfred Daams
Die Rewe-Gruppe versucht sich auch mit ihrer Kernmarke immer wieder daran, ihre klassischen Supermärkte zumindest teilweise ohne Kassen und Verkäufer auskommen zu lassen. Das Konzept nennt sich „Pick and Go“, Rewe hatte es erstmals am Kölner Neumarkt ausprobiert. Ende Februar 2024 hat Rewe den Laden zwar geschlossen, betreibt aber an der Luxemburger Straße eine weitere „Pick and Go“-Filiale. Deutschlandweit gibt es nur sechs Rewe-Märkte – neben Köln befinden sie sich in Berlin, Düsseldorf und Hamburg –, die die Technologie nutzen.
In den Märkten erfassen Kameras, wie sich die Kunden im Verkaufsraum bewegen. Unter den Regalen befinden sich zusätzlich Gewichtssensoren, die erkennen, wenn etwas herausgenommen wird. Beim Betreten müssen die Kundinnen und Kunden per App einchecken. Die Abrechnung wird ausgelöst, sobald sie oder vielmehr ihre Handys den Laden wieder verlassen. Während die Pilotfiliale am Neumarkt komplett ohne Kasse und Verkäufer auskam, sind die aktuellen Testmärkte zweigeteilt: Kunden können wie gewohnt einkaufen, aber auch „Pick and Go“ nutzen. Einzig in München kommt der Markt ohne herkömmliche Kasse aus.
Kaffee nur mit Karte
Im Eduardus-Krankenhaus in Deutz müssen Kunden noch selbst tätig werden und zumindest ihre EC- oder Kreditkarte an das Bezahlterminal halten. Das Krankenhaus will bald eine Bezahlkarte am Empfang hinterlegen, die Patienten nutzen können, die nur Bargeld bei sich haben. Denn daran scheitert der schnelle Genuss gerade noch: Der Herr, der nach dem Kiosk fragte, wollte sich einen Kaffee ziehen – hatte aber nur Münzen dabei. Er musste also wieder gehen, zum Glück hatte die Cafeteria nebenan noch geöffnet.