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KapitalerhöhungBayer bittet Aktionäre um mehr Geld

Lesezeit 3 Minuten
Aspirin-Tabletten sind zu sehen.

Die Klagen in den USA belasten den Leverkusener Aspirin-Konzern weiter stark. 

Der Chemie- und Pharmakonzern will sich finanzielle Freiheit verschaffen, sollten neue Kosten im Glyphosat-Streit in den USA entstehen. Die Aktionäre sind wenig begeistert, die Aktie bricht ein. 

Zwei Tage nach der Vorlage der Bilanz mit einem deutlichen Minus plant der Leverkusener Bayer-Konzern eine nennenswerte Kapitalerhöhung um 35 Prozent des Aktienkapitals. Dies geht aus einem Brief des Aufsichtsratsvorsitzenden Norbert Winkeljohann an die Aktionäre zur Hauptversammlung hervor, in dem Winkeljohann um Zustimmung zu einer Eigenkapitalermächtigung bittet. Der Chemie- und Pharmakonzern möchte sich beim Aktionärstreffen am 25. April die Erlaubnis einholen, zusätzliche Aktien auszugeben.

Höhe ist für Beobachter überraschend

Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Branchenkenner sind allerdings von der Höhe überrascht. Auf Grundlage des aktuellen Marktwertes des Unternehmens ist von etwa 8,4 Milliarden Euro die Rede. Hinzu kommt, dass der Konzern sich derzeit nicht in einer wirtschaftlich komfortablen Lage befindet. Vor allem die Glyphosat-Klagen in den USA nach der Monsanto-Übernahme belasten den Konzern seit geraumer Zeit sehr. Für Schadenersatzzahlungen und außergerichtliche Vergleiche allein im Fall Glyphosat hat der Konzern bisher weit mehr als zehn Milliarden Euro aufgewendet. Die Zahl der angemeldeten Glyphosat-Klagen stieg hier zuletzt um 4000 auf insgesamt etwa 181.000. Der Konzern hat bereits 114.000 Klagen beigelegt, für 67.000 Ansprüche stehen Einigungen derzeit noch aus.

„Während wir daran arbeiten, die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen, befinden wir uns in einer Situation, in der wir unter Umständen schnell Kapital benötigen“, so Winkeljohann. Die Maßnahme diene lediglich dem Management finanzieller Risiken und gebe Bayer die Flexibilität, schnell reagieren zu können, so der Chefaufseher. Der Konzern betont, dass das Kapital — sollte es denn von den Aktionären genehmigt werden — im laufenden Jahr nur ausgenutzt werden soll, wenn dies unbedingt erforderlich sei.

Aktuell gebe es aber keine entsprechenden Pläne. „Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass die Gesellschaft in der Zukunft kurzfristig auf eine Erhöhung des Grundkapitals angewiesen ist“, schreibt Winkeljohann und verweist auf die US-Klagen. „Mit der Genehmigung könnten wir jedoch vermeiden, Schulden zu ungünstigen Konditionen aufnehmen zu müssen.“ Bayer hebt ausdrücklich hervor, das Kapital – falls es in Anspruch genommen wird – auf keinen Fall für die Finanzierung externen Wachstums wie etwa Übernahmen zu verwenden.

Aktionäre reagieren prompt

Kapitalerhöhungen dieser Art sind bei Aktionären nicht sehr beliebt. Schließlich führen sie dazu, dass sich der Wert und die Gewinne des Unternehmens danach auf mehr Anteilseigner verteilen als vorher. Die bestehenden Aktien werden sozusagen verwässert. Darauf geht Winkeljohann auch in seinem Schreiben ein: „Die Aktionäre haben auch deutlich geäußert, dass Bayer aufgrund der verwässernden Wirkung einer Kapitalerhöhung mit Bedacht vorgehen müsse.“

Eine mögliche Ausgabe neuer Aktien würde sorgfältig geprüft, verspricht Winkeljohann. Die Aktionäre reagierten erwartungsgemäß wenig begeistert: Die Aktien von Bayer tauchen aufgrund dieser Ankündigung ab und fielen zwischenzeitlich um 7,6 Prozent, was den Börsenwert des Unternehmens auf etwa 22,6 Milliarden Euro drückte.