Die Putzmittel-Marke gehört zu den ältesten Kölns. Wie sich das Unternehmen nach dem Krieg aus den Trümmern der zerstörten Stadt erhob und wie sie schließlich in die Landeshauptstadt kam.
Kölner Marken-SerieBei Sidol haben einst die Heinzelmännchen geputzt

Diese Werbeanzeige stammt aus den 1960er Jahren.
Copyright: Henkel
Die Maschinen stehen hier schon lange still und dennoch kann man immer noch erkennen, dass diese Gebäude nicht immer junge Familien und aufstrebende Künstler beherbergten. Jenseits der beiden Rundbauten an der Eupener Straße befand sich früher keine ruhige Nachbarschaft, sondern eine brummende Industrieanlage. Denn hier wurde über Jahrzehnte eine echte Kölner Marke produziert: Sidol.
Die Geschichte der Sidol-Reinigungsmittel reicht über ein Jahrhundert zurück, ins Jahr 1903. Gegründet wurde die Marke von den Kaufleuten Otto Siegel und Eugen Wolff. Ihr erstes Produkt war ein Reinigungsmittel für Metall, das sie zunächst in der Nähe des Volksgartens produzierten. 1910 zogen die Geschäftspartner dann erst nach Nippes und schon 1911 weiter nach Braunsfeld an die Eupener Straße.
Kölner Heinzelmännchen als Werbegesichter
Schon kurz danach sollte sich die Zeit der großen Krisen in der Welt einstellen. Auch vor Sidol machten sie nicht halt. Und dennoch schaffte die Firma es, die Belastungen durch den Ersten Weltkrieg und die politischen Wirren der Weimarer Republik halbwegs unbeschadet zu überstehen. Das Fabrikgelände konnte man in dieser Zeit sogar noch erweitern. Auch während der Weltwirtschaftskrise der frühen Dreißigerjahre schaffte Sidol es, sein Sortiment weiter auszubauen. Ab 1935 zierten zudem die Kölner Heinzelmännchen die Werbeplakate und Etiketten der Produkte.

Ab 1935 zierten die Kölner Heinzelmännchen die Werbeplakate und Etiketten der Produkte.
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Wie ganz Köln waren auch die Werksgelände in Braunsfeld während des Zweiten Weltkrieges ständigen Luftangriffen ausgesetzt. Nach dem Tod der beiden Firmengründer 1937 und 1938 übernahm Eugen Wolffs Sohn Franz Benno Wolff-Limper die Firma und leitete den Wiederaufbau ein. Die Sidol-Werke überstanden den Krieg deutlich besser als manch andere Fabriken in der Domstadt. Dadurch konnte die Produktion in Braunsfeld schon im Jahr 1948 wieder aufgenommen werden. Doch wie sich später herausstellte, war auch Sidol unter Hitlers Herrschaft Nutznießer der NS-Verbrechen. In der Produktion wurden Zwangsarbeiter eingesetzt, vor allem aus Polen, so steht es zumindest die Entnazifizierungsakte von Wolff-Limper.
Henkel aus Düsseldorf kaufte die Kölner Marke Sidol
In den 1950er Jahren wuchs und gedieh Sidol stetig weiter und brachte neue Produkte auf den Markt, wie zum Beispiel einen WC-Reiniger. 1969 fusionierte das Kölner Unternehmen mit den Thompson-Werken und konnte seine Marktposition dadurch ausbauen. Die daraus entstehende Thompson-Siegel GmbH wurde 1971 vom Konkurrenten Henkel übernommen. Vielen Kölnern dürfte diese Entwicklung gar nicht geschmeckt haben. Immerhin gehörte Sidol nun zu einem der bekanntesten Unternehmen der Nachbarstadt Düsseldorf.

So sah die Sidol-Fabrik in Braunsfeld in den 1960er Jahren aus.
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In den Achtzigerjahren wurde das Fabrikgelände in Braunsfeld Stück für Stück stillgelegt und die Produktion zu Henkel verlegt. Die Gebäude an der Eupener Straße wurden in den kommenden Jahren vielfältig genutzt, unter anderem durch Kunstprojekte und eine Zirkuskneipe. Ab 2009 wurden dann große Teile der alten Fabrikanlagen abgerissen. An ihrer Stelle stehen heute moderne Wohngebäude mit rund 400 Wohneinheiten.
Die Marke Sidol gibt es heute immer noch: 2018 fusionierte Henkel sie mit ihrer eigenen Marke Bref zu Sidol-Bref Power. Die markanten Rundbauten, die einst das Eingangstor an der Eupener Straße flankierten, sind ebenfalls erhalten geblieben. Diese stehen seit 1998 gemeinsam mit anderen Teilen der Fabrik, wie dem großen Wasserturm, unter Denkmalschutz und erinnern weiter an die Geschichte einer historischen Kölner Marke.