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„Hallo Papa“-Masche17-jähriger Kölner soll 360.000 betrügerische SMS verschickt haben

Lesezeit 2 Minuten
Die Täter geben sich per sms als Kinder ihrer Opfer aus.

Die Täter geben sich per sms als Kinder ihrer Opfer aus.

Bei einer Razzia gegen elf Jugendliche und Heranwachsende in Köln und Bergisch Gladbach hat die Polizei umfangreiche Beweismittel sichergestellt.

Es beginnt mit einer SMS und der harmlos klingenden Anrede „Hallo Papa“ oder „Hallo Mama“ – und endet für viele Opfer mit Schäden in der Regel zwischen 1000 und 3000 Euro. Der Versender der Handy-Nachricht gibt sich als Sohn oder Tochter aus und behauptet, er oder sie befinde sich in einer finanziellen Notlage, die Eltern mögen doch bitte Geld auf ein angegebenes Konto überweisen. Jetzt hat die Polizei einen 17-jährigen Kölner und elf mutmaßliche Komplizen festgenommen. Der Jugendliche steht im Verdacht, mehr als 360.000 dieser betrügerischen SMS verschickt zu haben.

Am frühen Mittwochmorgen (19. Februar) klingelten die Ermittler an insgesamt 13 Privatwohnungen in Köln und Bergisch Gladbach. Den Verdächtigen zwischen 15 und 20 Jahren präsentierten sie Durchsuchungsbeschlüsse wegen Verdachts des Betrugs und der Geldwäsche. Die mutmaßlichen Komplizen des 17-Jährigen sollen laut Polizei „vorzugsweise Jugendliche und junge Erwachsene dazu gebracht zu haben, ihnen EC-Karten und Kontodaten zu überlassen“. Auf diese Konten soll das betrügerisch erlangte Geld geflossen sein, die Polizei spricht von „Geldwäsche-Konten“.

Köln: Mutmaßliche Täter sollen Gleichaltrige geködert haben

Mit der Legende das „schnelle Geld“ zu verdienen, soll die Gruppe die Personen vor Schulen angesprochen oder über soziale Medien kontaktiert haben. Sie sollten den Tatverdächtigen ihre Bankkarten und persönlichen Geheimzahlen überlassen. „Auf die zur Verfügung gestellten Konten wurden dann Geldbeträge in bis zu vierstelliger Höhe überwiesen, die die Abholer anschließend an Bankautomaten und Geschäften bar abhoben“, berichtet eine Polizeisprecherin.

Erst kürzlich hatte diese Zeitung über den Fall eines 77 Jahre alten „Kölner Stadt-Anzeiger“-Lesers berichtet, der beinahe auf den „Hallo Papa“-Trick hereingefallen wäre. Erst im letzten Moment war Jürgen H. doch noch misstrauisch geworden. Er rief seine Tochter an, erfuhr, dass sie ihn nie per SMS um Geld gefragt hatte – und ging zur Polizei. Geld hatte er nicht überwiesen.

Ob hinter dieser Tat ebenfalls der 17-jährige Kölner gesteckt haben könnte oder andere Täter, ist ungewiss. Die Ermittlungen der Kripo laufen noch. Wegen Verdachts des Betrugs mit den 360.000 versandten SMS ermitteln die Polizei Leipzig und die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Cybercrime in Leipzig gegen den jungen Kölner.

Bei den Durchsuchungen diese Woche stellte die Kölner Polizei nach eigenen Angaben „umfangreiche Beweismittel“ in Form von etwa 25 Mobiltelefonen, mehreren Laptops, Gutschein- und SIM-Karten, mehr als 250 Gramm Kokain und ungefähr 10.000 Euro Bargeld sicher. Den finanziellen Schaden für die Opfer schätzt die Polizei auf mehr als hunderttausend Euro.