Den Angeklagten wird vorgeworfen, an zwei Geiselnahmen beteiligt gewesen zu sein, die mit dem Raub von 350 Kilogramm Cannabis in Verbindung stehen.
Geiselnahmen und Explosionen in KölnErste Anklagen gegen vier Personen im rheinischen Drogenkrieg

Im Sommer erschütterte eine Serie von Explosionen Köln und die Region.
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Nach der Serie von Geiselnahmen und Explosionen, die im Sommer Köln und die Region erschütterten, hat die Staatsanwaltschaft nun die ersten Anklagen beim Kölner Landgericht eingereicht: Insgesamt vier Angeklagte müssen sich wegen zwei Geiselnahmen verantworten, die mit dem Diebstahl von 350 Kilogramm Cannabis aus einer Halle in Hürth in Verbindung stehen und später mehrere Explosionen in Köln und anderen Städten in Nordrhein-Westfalen nach sich zogen.
Drei Beschuldigte, darunter ein Heranwachsender, sind wegen einer gemeinschaftlich begangenen Geiselnahme sowie gefährlicher Körperverletzung angeklagt; einem der erwachsenen Angeschuldigten wird zudem ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Die Anklage wirft ihnen vor, am 25. Juni die fünf Bewacher der zuvor gestohlenen Drogen in der Lagerhalle in Hürth gefesselt und gefoltert zu haben. Laut Anklage sollen sie dadurch gemeinsam mit einer bisher noch unbekannten vierten Person versucht haben, herauszubekommen, wo sich das gestohlene Cannabis befindet. Sie sollen für die Geiselnahme beauftragt worden sein. Später befreite die Polizei die Geiseln.
Auch Geiselnehmer von Rodenkirchen angeklagt
Dem vierten Angeklagten wird Beihilfe zu der Geiselnahme in Rodenkirchen sowie ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Gemeinsam mit anderen Tatverdächtigen soll er an der Entführung einer Frau und eines Mannes in eine Villa in Rodenkirchen am 4. Juli beteiligt gewesen sein. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ handelt es sich bei den Geschädigten um einen Bochumer und seine Freundin. Die Entführer vermuteten, dass sie hinter dem Cannabisraub steckten. Die Familie des Entführten, so Erkenntnisse der Kriminalpolizei, soll im Drogenhandel im Ruhrgebiet mitmischen.
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Sie quälten vor allem den Mann und forderten dessen Bruder auf, das Cannabis herauszugeben oder einen Millionenbetrag an sie zu zahlen, so die Anklage. Auch in diesem Fall befreite ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Geiseln und nahm die Geiselnehmer fest.
Es folgten mehr als ein Dutzend Sprengstoffanschläge vor Geschäften und Wohnungen unter anderem in Köln, Düsseldorf und Duisburg. Von der Machart her ähnelten die selbstgebastelten Sprengsätze jenen Modellen, die auch die Drogennetzwerke in den Niederlanden benutzen, um Rivalen einzuschüchtern oder Geld einzutreiben.
Im Zentrum der Ermittlungen steht der Kalker Drogenboss Samir A. (Name geändert). Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll er die Fäden in der brutalen Auseinandersetzung gezogen haben, die mit dem Diebstahl von 350 Kilogramm Cannabis aus einer Halle in Hürth ihren Anfang genommen hatte. Ein niederländisches Drogenkartell, von der der Stoff ursprünglich stammte, soll er zur Unterstützung angeheuert haben, um die Drogen wiederzuerlangen. Abgesandte des Kartells waren auch an den beiden Geiselnahmen beteiligt. Im Oktober wurde auch Samir A. auf dem französischen Flughafen Paris-Orly festgesetzt. Derzeit läuft das Auslieferungsverfahren gegen ihn.