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Steigende TemperaturenForscher warnt – Hitze in Köln wird immer mehr zur Gefahr

Lesezeit 5 Minuten
Zwei Touristen am Kölner Dom benutzen Regenschirme als Schutz vor der Sonne.

Zwei Touristen am Kölner Dom benutzen Regenschirme als Schutz vor der Sonne.

Die Durchschnittstemperatur soll in den kommenden Jahren noch deutlicher steigen. 2024 gab es 15 heiße Tage und 25 Tropennächte.

Hitze gilt als eine der größten Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten. Die Durchschnittstemperatur in Köln ist in den vergangenen Jahren stets gestiegen, 2024 gab es erneut einen Rekord zu verzeichnen. Wetterdaten zeigen, dass es in Köln 66 Sommertage (Tag, an dem die Lufttemperatur über 25 Grad liegt), 15 heiße Tage (Lufttemperatur über 30 Grad) und 25 Tropennächte (Nacht, in der die Lufttemperatur nicht weniger als 20 Grad beträgt) gab. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Stadt Köln zum Hitzeaktionsplan hervor.

Nach Einschätzung des Gesundheitsamts und des Umweltamts wird sich der Trend zu steigenden Durchschnittstemperaturen in den kommenden Jahren voraussichtlich noch deutlicher fortsetzen. Wie sehr sich die Entwicklung bereits beschleunigt hat, zeigt ein Vergleich aktueller und historischer Daten. Das kälteste Jahr in Köln war 1888 mit einer Durchschnittstemperatur von 8,8 Grad, während 2022 mit 12,6 Grad als bislang wärmstes Jahr in die Statistik einging. Das Jahr 2024 war mit 12,4 Grad im Schnitt das viertwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.

Dicht besiedelte Städte wie Köln sind der Hitze besonders stark ausgesetzt

„In einer dicht besiedelten Stadt wie Köln sind die Menschen der Hitze stärker ausgesetzt als auf dem Land, weil viele Flächen versiegelt sind und es viele Gebäude gibt, die tagsüber die Hitze speichern und sie nachts wieder abgeben“, sagt Moritz Ochsmann vom Deutschen Institut für Urbanistik, der im Bereich Stadtentwicklung und Klimaanpassung forscht. Hinzu kämen weitere Faktoren wie der Verkehr, Industriebetriebe und Klimaanlagen, die in einem ungünstigen Zusammenspiel Wärme erzeugen und somit die Lufttemperatur anheben.

„Auch in Köln haben Messungen gezeigt, dass es im wenig bebauten Umland bis zu zehn Grad kühler sein kann als in der Innenstadt. Das verdeutlicht, wie wichtig grüne, unversiegelte Flächen sind“, sagt Ochsmann. Im Bereich der Stadtentwicklung müsse man als Erstes die Seniorenheime, Krankenhäuser, Kitas und Schulen umgestalten, um sie widerstandsfähiger gegen Hitze zu machen.

Wetterdaten zeigen, wie stark die Durchschnittstemperatur gestiegen ist.

Wetterdaten zeigen, wie stark die Durchschnittstemperatur gestiegen ist.

Gleichzeitig sei es unrealistisch, die halbe Stadt umzubauen, um mehr Grün- und Wasserflächen zu bekommen, die für Abkühlung sorgen würden. Städtebauliche Ansätze seien teuer und langwierig und daher nicht geeignet, um schnell zu wirken. Effektiver sei es, wenn sich die Bevölkerung an die Klimaveränderungen anpassen würde.

„Besonders wichtig ist es, die Risikogruppen zu erreichen und zu informieren“, sagt Ochsmann. „Die Erfahrungen aus Frankreich zeigen, dass Ignoranz und Isolation die zwei wesentlichen Gefahrenfaktoren bei Hitze sind.“ Im Jahr 2003 waren in dem Land bei einer Hitzewelle 15.000 Menschen gestorben. Die meisten von ihnen waren mehr als 75 Jahre alt.

Den Betroffenen mangelt es oftmals an Aufklärung und Informationen

Laut Ochsmann hätten viele von ihnen die Gefahren einer extremen Hitzewelle schlichtweg nicht gekannt, es mangelte also an Informationen. Der zweite Faktor sei gewesen, dass viele der Betroffenen alleine zu Hause gewohnt hätten und niemand ihnen zur Hilfe kam. Auch die Stadt Köln hat sich mit ihrem Hitzeaktionsplan zunächst auf eine umfassende Information konzentriert. So gibt es etwa ein Hitzetelefon, Schulungen für Multiplikatoren, Kampagnen und einen Runden Tisch.

Ein wirksames Mittel kann laut Ochsmann an Hitzetagen die kostenlose Öffnung von Kirchen und Museen mit Klimaanlage sein, in denen Menschen Zuflucht finden könne, um sich abzukühlen. Auch solche Konzepte würden aber nur funktionieren, wenn auch weithin bekannt sei, dass sie überhaupt existieren.

Moritz Ochsmann vom Deutschen Institut für Urbanistik

Moritz Ochsmann vom Deutschen Institut für Urbanistik

Neben der Aufklärung der Bevölkerung und dem Städtebau sieht Ochsmann noch einen dritten Ansatzpunkt, der sich aus seiner Sicht aber kaum umsetzen lässt: eine autofreie Innenstadt. „Der Autoverkehr erzeugt viel zusätzliche Wärme, eine Verkehrsberuhigung würde helfen, aber dafür sehe ich zurzeit nicht den gesellschaftlichen Willen. Da stehen wir noch ganz am Anfang“, sagt Ochsmann. Jeder begrüße weniger Verkehr, aber nur so lange, wie er selbst nicht davon betroffen sei.

Mediziner weisen indes darauf hin, dass die zunehmende Hitze in dicht bebauten Städten wie Köln für viele Menschen lebensgefährlich sein kann. „Menschen müssen ihre Körpertemperatur möglichst konstant bei etwa 37 Grad halten, wir haben nur ein kleines Abweichungsfenster, welches wir tolerieren können“, sagt Maxie Bunz vom Institut für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln. 

Für wen die Hitze besonders gefährlich werden kann

Besonders gefährdet seien ältere Menschen, weil die Anpassungsfähigkeit an Hitze mit zunehmendem Alter abnimmt. „Sie schwitzen weniger, ihre Haut ist oftmals schlechter durchblutet, deshalb kann sich der Körper nicht mehr so gut abkühlen“, sagt Bunz. Ebenfalls stärker gefährdet seien Kinder, schwangere Frauen, Wohnungslose, Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz oder Schizophrenie, und alle, die draußen arbeiten oder in geschlossenen Räumen, in denen die Hitzeeinwirkung besonders stark ist.

Durch Hitze und den dadurch bedingten Wasser- und Elektrolytverlust könne es zu Krämpfen und Dehydratation kommen. Ein verminderter Blutdruck könne zu einem Hitzekollaps mit Bewusstlosigkeit und eine erhöhte Körpertemperatur bis zum Hitzschlag führen. „Wenn die Körpertemperatur 40 Grad überschreitet, kann das schlimmstenfalls zu Multiorganversagen mit Todesfolge führen“, sagt Bunz. Auch die Suizidgefahr bei Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, steige bei Hitze.

Rhein-Energie soll öffentliche Plätze in Köln mit Wasser kühlen

Aus medizinischer Sicht gibt es laut Bunz einige Möglichkeiten, die Gesundheitsgefahren bei Hitze abzumildern. „Bei Hitze ist es wichtig, richtig zu trinken. Das bedeutet, jede Stunde ein Glas Wasser zu trinken anstatt zwei Liter auf einen Schlag, weil der Dünndarm die große Menge gar nicht absorbieren kann“, sagt sie. Weiterhin sei es sinnvoll, sich abzuduschen, keinen anstrengenden Sport zu treiben, leichte Kleidung zu tragen und leichte Speisen zu sich zu nehmen sowie einen Ventilator zu benutzen.

Die Stadt Köln arbeitet im Rahmen des Hitzeaktionsplans nach eigenen Angaben an weiteren Maßnahmen. So soll das Versorgungsunternehmen Rhein-Energie während künftiger Hitzewellen mehrere öffentliche Plätze mit Wasser kühlen. Ein Pilotprojekt dazu gab es im Jahr 2022 im Rheingarten in der Altstadt. 

Die Stadtverwaltung hat außerdem bereits den Sonnenschutz an Wohngebäuden mit Geld gefördert. Da die Mittel aber bereits im Oktober 2024 erschöpft gewesen seien, habe man bislang keine weiteren Anträge angenommen. Für Bebauungsplan-Verfahren sind laut der Stadt verbindliche und einheitliche Vorgaben geplant. Ein Leitfaden zur Fassadenbegrünung sei bereits fertiggestellt, die Arbeit an einem Leitfaden für die Dachbegrünungen laufe.