Eine Studentin ist in Köln-Mülheim vergewaltigt worden. Dem Opfer blieben detaillierte Aussagen vor Gericht erspart, weil der Mann seine brutale Tat gestanden hat. Ihn erwartet eine lange Haftstrafe.
Lange Haft drohtMann gesteht Vergewaltigung einer Studentin in Kölner Unterkunft

Der Angeklagte (27) mit seinem Verteidiger Ingo Lindemann beim Prozessauftakt im Landgericht Köln.
Copyright: Hendrik Pusch
Ein zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniertes Hotel in Köln-Mülheim wurde im Mai zum Tatort einer brutalen Vergewaltigung. Seit Mittwoch muss sich ein ursprünglich aus Turkmenistan stammender, aus der Ukraine geflüchteter Mann vor dem Kölner Landgericht verantworten. Mit einer List hatte der Mann sich Zutritt zum Zimmer seines Opfers verschafft. Er gestand die Tat über seinen Verteidiger.
Nach dem Kriegsausbuch im Februar hatte der ehemalige Student mit seiner Lebensgefährtin die Region Kiew verlassen, er flüchtete mit ihr mit dem Zug über Polen bis nach Deutschland. In Köln angekommen bewohnte das Paar ein Zimmer eines Hotels in einer Siedlung in Mülheim. Hier kam auch eine ebenfalls aus der Ukraine geflüchtete Studentin unter, das spätere Opfer.
Köln: Täter ließ sich mit List das Zimmer aufschließen
Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hatte der 27-jährige Beschuldigte zusammen mit seiner Partnerin und der Studentin Whiskey getrunken, wonach die Hotelbewohner sich wieder auf ihre jeweiligen Zimmer zurückzogen. In der Nacht verließ der Mann aber sein Zimmer. Seiner Freundin soll er gesagt haben, aufgrund eines Trauerfalls in der Familie etwas Zeit für sich alleine zu brauchen.
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Der Angeklagte ging daraufhin zum Portier und bat ihn, das Zimmer der jungen Studentin für ihn zu öffnen. Dem Vernehmen nach soll er dem Mitarbeiter vorgelogen haben, darin befinde sich seine Schwester. Im Zimmer angekommen, soll der Täter dann die schlafende Frau vollständig entkleidet und vergewaltigt haben. Als sie erwachte, soll der Mann ihr den Mund zugehalten haben.
Die Anklage spricht auch von Bissen in die Brust und einer weiteren Vergewaltigung. „Mein Mandant hatte nun im Gefängnis ein halbes Jahr Zeit zu realisieren, was er der Frau angetan hat“, sagte Verteidiger Ingo Lindemann. Die Vorwürfe träfen allesamt zu. Der Mandant habe aber nicht mit dem Vorsatz das Zimmer betreten, der Frau Gewalt anzutun. Er habe sich zuvor Hoffnungen gemacht.
Kölner Opfer wurde von ihrer Familie verstoßen
Der Angeklagte bedauere laut Anwalt Lindemann auch die „furchtbaren innerfamiliären Konsequenzen“ für die Studentin, die aus einem Land mit sehr strengen islamischen Regeln stammt und zum Studium in die Ukraine aufgebrochen war. Nach Bekanntwerden der Tat soll der Vater der Geschädigten seiner Tochter große Vorwürfe gemacht und sie aus der Familie verstoßen haben.
Laut Verteidiger hält die Lebensgefährtin zumindest bisher weiter zu dem Angeklagten. Er wolle sie heiraten, sagte der Mann, dem nun mehrere Jahre Gefängnis und später die Abschiebung in sein Heimatland drohen. Durch das umfassende Geständnis dürfte dem Opfer eine Zeugenaussage mit ganz intimen Detailfragen zur Tat erspart bleiben. Ein Urteil soll noch in diesem Monat fallen.